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Wie Datingportale ihre Nutzer mit Fake-Profilen betrügen

Mitarbeiter von Datingportalen geben sich als Frauen aus, um Kunden zum Geldausgeben zu verführen. Verbraucherschützer schlagen Alarm.

Nicht alle Chatpartner von Männern, die auf Datingportalen nach der Liebe suchen, sind auch die, für die sie sich ausgeben.

Nicht alle Chatpartner von Männern, die auf Datingportalen nach der Liebe suchen, sind auch die, für die sie sich ausgeben.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Berlin.  Er suchte die Liebe und tappte in die Falle. Dabei war Georg (26) eigentlich guter Dinge, als er sich auf einer Datingseite im Internet anmeldete, in der Hoffnung, eine Frau zu finden und "sich mal zu verlieben". Doch Georg, der seinen echten Namen nicht angeben möchte, wurde hinters Licht geführt. Heute ahnt er: Ein falsches Profil täuschte ihm auf dieser Plattform einen heißen Flirt vor. Statt einer jungen Frau chattete ein Mitarbeiter der Seite mit ihm, um ihn als Abonnenten möglichst lange in ein kostenpflichtiges Gespräch zu verwickeln.

Dem Branchendienst Singlebörsen-Vergleich.de zufolge sind allein in Deutschland monatlich mehr als acht Millionen Menschen auf rund 800 Datingportalen aktiv. "Bei gut hundert davon gibt es Hinweise auf Fake-Profile", sagt Sprecherin Pamela Moucha. Der prominenteste Fall in Deutschland ist das Flirtportal Lovoo. Gegen den Anbieter aus Dresden wurde 2016 ermittelt, weil er Männer mit falschen Frauenprofilen dazu verleitet haben soll, kostenpflichtige Leistungen in Anspruch zu nehmen. Das Verfahren wurde gegen Zahlung hoher Geldauflagen eingestellt.

Die großen Partnerbörsen in Deutschland löschen gefälschte Profile von Hand

Georg schrieb einige Tage und Nächte mit einem "Mädel", das Sekretärin in einem Anwaltsbüro sein sollte. Sie beherrschte keine Rechtschreibung, vergaß oft Buchstaben in Wörtern, und ihre Antworten waren oft sehr vage. Als er genauer nachfragte und ihre Antworten schwammig blieben, wurde er skeptisch. Er gab ihr Foto in die Fotosuche bei einer Suchmaschine ein, und sein Verdacht bestätigte sich. Ihr Bild tauchte auf diversen dubiosen Seiten auf. Das Profil war wohl gefälscht. Georg hatte die ganze Zeit mit einer Maschine, im besten Fall mit einem Moderatoren gechattet.

Dabei stehen Georgs Erfahrungen längst nicht für die gesamte Branche. Die meisten Dating-, Flirt- und Partnervermittlungen arbeiten ohne falsche Profile – und haben schon zu manchem Liebesglück verholfen. "Natürlich gibt es eine Vielzahl seriös arbeitender Partnerbörsen", sagt Frithjof Jönsson von der Verbraucherzentrale Berlin unserer Redaktion. Und Sprecherin Moucha vom Branchendienst Singleboersen-Vergleich.de betont: "Die großen Partnerbörsen in Deutschland wie Elitepartner oder Parship zum Beispiel arbeiten mit eigenen Redaktionen, die damit beschäftigt sind, Fake-Profile mittels verschiedener Filter und viel Handarbeit auszusortieren."

Fake-Profile schaden der Glaubwürdigkeit der Branche

Wie funktioniert der Betrug? Kriminelle Nutzer legen sich auf seriösen Portalen Profile an. Darüber versuchen sie dann, Nutzer auf ihre eigenen Plattformen zu locken und dort möglichst lange mit ihnen zu chatten. Bei vielen Plattformen ist die Anmeldung zwar kostenlos, alle weiteren Dienste gehen jedoch ins Geld.

Viele Anbieter weisen zwar auf eventuelle Kosten und Moderatoren hin, verstecken den Hinweis aber in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. So unterscheidet das Portal Date4sex.com in seinen Geschäftsbedingungen zwischen "real existierenden gleichgesinnten Frauen" und vom Provider betriebenen Profilen, die ausschließlich "zur Auslebung von virtuellen und erotischen Fantasien" gedacht sind und bei denen keine realen Treffen möglich seien. Aus Verbrauchersicht ist das Vorgehen solcher Anbieter fragwürdig.

Lovoo zeigte sich einsichtig

Frithjof Jönsson von der Verbraucherzentrale Berlin erklärt, dass der Kunde mit derlei Klauseln nicht rechnen müsse. Nutzern von Dating-Plattformen empfiehlt er, vor der Anmeldung dringend die AGBs zu lesen. Ebenso sollte man auf die Kündigungsfristen achten. Im Regelfall gebe es bei jedem im Internet abgeschlossenen Abo ein 14-tägiges Widerrufsrecht, auf das der Kunde Anspruch habe, weiß Jönsson.

Nutzern, die nicht auf Fake-Profile hereinfallen wollen, rät der Experte, bei den Chat-Gesprächen darauf zu achten, dass diese auch von der Gegenseite auf echtem Interesse basieren. Zudem sollte man relativ schnell mit dem Gegenüber telefonisch Kontakt aufnehmen oder ein Treffen vorschlagen.

Die Verantwortlichen bei der in Schlagzeilen geratenen Firma Lovoo zeigten sich derweil übrigens einsichtig. "Fake-Profile sind eine Gefahr für die Glaubwürdigkeit von Dating-Apps. Sie führen zu einer großen Enttäuschung bei Nutzern. Wir haben diese Erfahrung direkt gemacht", sagt ein Sprecher. Die Dresdner haben daraus gelernt – und ihre falschen Profile nach eigenen Angaben gelöscht.

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