Todesfall

„Bilder im Kopf“ – Kamera-Legende Michael Ballhaus ist tot

Er galt als einer der besten Kameramänner der Welt: Michael Ballhaus drehte für Regie-Legenden. Er starb nun im Alter von 81 Jahren.

Michael Ballhaus ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Michael Ballhaus ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Berlin.  Michael Ballhaus ist tot. Der Kameramann („Gangs of New York“, „Die Ehe der Maria Braun“), der mit den größten Regisseuren und Stars in Hollywood arbeitete, ist in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 81 Jahren in Berlin gestorben.

Das teilte sein Verlag DVA Sachbuch in München unter Berufung auf die Familie von Ballhaus mit. 25 Jahre lang arbeitete der gebürtige Berliner in Hollywood mit den wichtigsten Regisseuren wie Francis Ford Coppola, Robert Redford, Wolfgang Petersen und Robert De Niro zusammen, allein sieben Filme entstanden mit seinem Lieblingspartner Martin Scorsese. Drei Mal wurde er für einen Oscar nominiert.

2016 bekam Ballaus den Goldenen Bären fürs Lebenswerk

Im vergangenen Jahr war der Kamera-Künstler auf der Berlinale mit dem goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden.

Bei der Vorstellung seiner Lebenserinnerungen „Bilder im Kopf“ vor drei Jahren hatte Ballhaus berichtet, dass ihm der Grüne Star zunehmend das Augenlicht raube. „Es sind die Farben, die bleiben, die Gesichter, das Leuchten weißer Lichter in einer dunkelblauen Nacht“, notierte er.

„Der Beruf war mein Traumberuf, meine Passion“, hat Michael Ballhaus einmal gesagt; „dass ich dafür auch noch Geld bekam, fand ich manchmal erstaunlich.“

Enge Beziehung zu Star-Regisseur Martin Scorsese

Eine beispiellose Beziehung verband Ballhaus mit US-Starregisseur Scorsese. Vom ersten gemeinsamen Low-Budget-Film „After Hours“ (1985) bis zum 100 Millionen Dollar teuren Abschiedswerk „Departed“ (2006) mit Leonardo DiCaprio und Jack Nicholson entwickelte das Duo eine eigene Bildsprache, die innovativ mit Licht, Raum und Bewegung arbeitete. Sein Blick liebe die Schauspieler, sagte er einmal. „Ich weiß, dass der Schauspieler viel Aufmerksamkeit und Konzentration von der Kamera braucht.“

Scorseses Bandenepos „Gangs of New York“ trug Ballhaus 2002 seine dritte Oscar-Nominierung ein – nach James L. Brooks’ Komödie „Nachrichtenfieber“ (1987) und Steven Kloves’ Nachtclubfilm „Die fabelhaften Baker Boys“ (1989). Die 360-Grad-Kamerafahrt – wie dort um Michelle Pfeiffer herum – wurde als „Ballhaus-Kreisel“ zu seinem Markenzeichen.

Ballhaus und Fassbinder als Vorzeige-Duo des Neuen Deutschen Films

Entdeckt hat er seine Leidenschaft schon als 18-Jähriger. 1935 in Berlin geboren und in der Theaterkommune seiner Schauspieler-Eltern im fränkischen Coburg aufgewachsen, hatte er damals Max Ophüls beim Dreh für „Lola Montez“ zuschauen dürfen. Ihn faszinierte besonders die „bewegte, schwebende und kreisende Kamera, das magische Licht“ – das, was später seine eigene Arbeit so besonders machen wird.

Nach einem Start beim Fernsehen in Baden-Baden lernte er bald den jungen Rainer Werner Fassbinder kennen. Mit dem ebenso genialen wie exzentrischen Regisseur avancierte er in den 70er Jahren zum Vorzeige-Duo des Neuen Deutschen Films.

Fünfzehn Filme machten die beiden zusammen, darunter Meisterwerke wie „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972) und „Die Ehe der Maria Braun“ (1979). Nach vielen Reibereien kommt es bei der Romanverfilmung „Berlin Alexanderplatz“ 1980 zum Bruch – Ballhaus und seine Frau Helga halten es mit dem „Koks-Monster“, wie er Fassbinder beschrieb, nicht mehr aus.

Rückkehr nach Berlin vor zehn Jahren

Seine Frau, Mutter der beiden Söhne, blieb auch nach dem späteren Umzug in die USA die wichtigste Begleiterin. Als sie 2006 nach fast 50 Jahren Ehe völlig unerwartet innerhalb von fünf Stunden an Krebs starb, kehrte Ballhaus ins heimatliche Berlin zurück, wo er seine Frau begraben ließ.

2011 heiratete er die um 25 Jahre jüngere Regisseurin Sherry Hormann, für deren Film „3096 Tage“ er ein letztes Mal hinter die Kamera trat. „Sie war der Chef, ich tat, was sie mir sagte.“ Das klaustrophobische Drama, die Leidensgeschichte der acht Jahre in einem Kellerverlies gehaltenen Natascha Kampusch in Österreich, stieß auf ein recht geteiltes Echo.

In seinen Jahren in Deutschland kümmerte sich Ballhaus nochmals intensiv um die Nachwuchsförderung. Er übernahm Lehraufträge an Filmhochschulen vor allem in Berlin und München, gründete eine Stiftung und lobte einen Preis für vielversprechende Kameraleute aus. (dpa)

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