Trickfiguren

Mit Fix und Foxi schuf Rolf Kauka ein Comic-Universum

Vor 100 Jahren wurde Rolf Kauka geboren – viele Jahre lang waren seine Comicfiguren Fix und Foxi ernste Konkurrenz für Micky Maus & Co.

Vater der Comic-Helden: Rolf Kauka. Er starb im Alter von 83 Jahren.

Vater der Comic-Helden: Rolf Kauka. Er starb im Alter von 83 Jahren.

Foto: rtv-entertaimennt / ddp images/dapd

Essen.  Den deutschen Walt Disney hat man ihn oft genannt. Aber das hat Rolf Kauka nicht gemocht. Er sah sich eher in der Tradition von Wilhelm Busch. An diesem Sonntag wäre der "Vater" von "Fix und Foxi" 100 Jahre alt geworden. Rund 100.000 Geschichten aus dem Universum der schlauen Füchse hat er veröffentlicht, mehr als 780 Millionen Heftchen verkauft.

Es war ein Erfolg, den Kauka selber manchmal mit seiner finnischen Herkunft zu erklären versuchte. Das Erfinden von Geschichten für die langen Nächte am Lagerfeuer liege den Menschen im hohen Norden halt im Blut, fabulierte er. Mag sein, ist in diesem Fall trotz seines leicht skandinavisch klingenden Nachnamens aber Quatsch.

Skizzen der Figuren

Er wird nämlich in der Nähe von Leipzig geboren. Und er ist auch kein Zeichner, jedenfalls kein guter. Als er sich spaßeshalber und unter falschem Namen mit eigenen Skizzen seiner Figuren bei einer Agentur bewirbt, rät man ihm, über einen Berufswechsel nachzudenken.

Aber Kauka ist schlau, kann sich verkaufen, andere für sich einnehmen. Und er hat Ideen. Als eine "schillernde Persönlichkeit" beschreiben ihn viele, die ihn kennen, in den 50er-Jahren. Trickfilme will er da machen, aber weil die zu teuer sind, bringt er erst einmal Comics auf den Markt. Sein Erfolgsrezept sei einfach, behauptet Rolf Kauka gerne: "Zehn Prozent Inspiration, 90 Prozent Transpiration."

Parallelen zu Disney

Die Inspiration lässt ihn Fix und Foxi ersinnen. Die schlauen Füchse mit ihrer teils eigenen Sprache – "Foxen wir's, Fix?" – werden schnell so beliebt, dass sie ihre eigene Heftreihe bekommen. Dafür schafft Kauka nach und nach ein ganz eigenes Universum – mit nicht zu übersehenden Parallelen zu Disney.

Entenhausen heißt hier Fuxholzen, Daniel Düsentrieb nennt sich Professor Knox. Und Fix und Foxi wirken wie eine Mischung aus Tick, Trick und Track und Micky Maus, während Lupo die Faulheit Donalds mit Goofys Statur vereint. In den Abenteuern, die sie erleben, ist vieles typisch deutsch und alles noch ein wenig braver als bei den Kollegen aus Übersee. Auch weil der erzkonservative Kauka einen erzieherischen Ansatz verfolgt. Alles, was gedruckt werden soll, muss über seinen Schreibtisch.

Rechte zurückgeholt

Was nicht in sein Weltbild passt, wird geändert. Als Kauka für kurze Zeit die deutschen Rechte an Asterix und Obelix besitzt, macht er aus den Titelhelden kurzerhand die Germanen "Siggi und Babarras". So stramm rechts ist das Duo, dass René Goscinny, Autor des Originals, sich die Rechte nach einem Jahr zurückholt. Kaukas Erfolg schadet das nicht. In den späten 60ern und frühen 70ern ist es in Sachen Comics ein wenig so wie bei Schulfüllern oder Popstars.

Die Jugend muss sich entscheiden. Wen findet sie besser? Geha oder Pelikan, die brünette Annafrid von Abba oder doch lieber die blonde Agnetha, zwei Füchse in Latzhosen oder eine Ente im Matrosenanzug? In der Blütezeit der Bilderheftchen entscheiden sich bis zu 400 000 Jungs und Mädchen jede Woche für Fix und Foxi. So groß ist der Erfolg, dass ihm Disney angeblich 80.000 Mark bietet, wenn er zu ihnen kommt. Was er natürlich nicht tut. 1973 aber verkauft er sein Comic-Reich, weil er mit der "Qualität der Geschichten" nicht mehr zufrieden ist.

Zu ordentlich und brav

Vielen Lesern geht es in den kommenden Jahren ähnlich. Die Auflage sinkt, beträgt zuletzt nur noch rund 18.000 Exemplare. 2009 wird die Reihe endgültig eingestellt. Was einst den deutschen Zeitgeist der 60er-Jahre getroffen habe, hat der Koblenzer Kunstwissenschaftler und Comic-Experte Dietrich Grünewald mal erklärt, sei spätestens im neuen Jahrtausend nicht mehr angekommen. "Fix und Foxi waren auf die Dauer einfach zu ordentlich und zu brav." Kauka hat das Ende seiner Figuren nicht mehr miterlebt.

2000 ist er auf seiner Plantage in den USA gestorben. Was bleibt, ist der Spruch "Ich bin fix und foxi", mit der vermeintliche Witzbolde ihre Erschöpfung beklagen. Und ein "Titel", den Fans der alten Comics für Kauka erdacht haben und der ihm wahrscheinlich gefallen hätte: "Fürst der Füchse."

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