Protest

Polizei greift „Thügida“-Blockierer mit Pfefferspray an

Demonstranten wollen in Thüringen einen Aufmarsch von „Thügida“ verhindern. Dabei geht die Polizei mit Pfefferspray gegen sie vor.

Als eine Gruppe junger Demonstranten in Sonneberg einen Auflauf von „Thügida“ mit einer Sitzblockade verhindern wollen, setzt die Polizei Pfefferspray ein.

Als eine Gruppe junger Demonstranten in Sonneberg einen Auflauf von „Thügida“ mit einer Sitzblockade verhindern wollen, setzt die Polizei Pfefferspray ein.

Foto: Lionel C. Bendtner

Sonneberg.  Zu einem brutalen Pfefferspray-Einsatz kam es am Freitag durch die Polizei im thüringischen Sonneberg am Rande einer Demonstration der rechtsextremen Vereinigung „Thügida“. Junge Gegendemonstranten versuchten den Aufmarsch der Rechten mit einer Sitzblockade zu stoppen. Daraufhin setzten Thüringer Beamte laut Augenzeugen unvermittelt Pfefferspray ein. Dieses traf die friedlich Demonstrierenden mit voller Wucht im Gesicht.

Der Vorfall ereignete sich gegen kurz nach 19 Uhr. Die Gegendemonstranten blieben nach dem Pfefferspray-Einsatz zum großen Teil sitzen, wurden dann aber von der Straße gezogen und teilweise wohl auch geschlagen. Aufrufe zum Verlassen der Straße soll es keine gegeben haben. Ob sich die Demonstranten anschließend ärztlich behandeln lassen mussten, ist unklar.

Ermittlungen gegen Beamte

Der „Thügida“-Aufmarsch musste aufgrund der Sitzblockade etwa zehn Minuten stehen bleiben und hatte bis dahin etwa die Hälfte seiner Aufzugsstrecke absolviert. Eine offizielle und ausführliche Stellungnahme der Thüringer Polizei zu dem Vorfall gib es bislang nicht.

Ein Beamter der Thüringer Landeseinsatzzentrale in Erfurt sagte unserer Redaktion, dass die zuständige Landespolizeiinspektion in Saalfeld bereits seit Freitag von dem Vorfall weiß. Betroffene hätten Anzeige gegen die Pfefferspray-Sprüher erstattet. Nun werde eine unabhängige Ermittlungsbehörde der Polizei gegen die Kollegen ermitteln.

Konsequenzen für die Beamten wahrscheinlich

Warum die Polizisten so massiv vorgingen, wollte der Sprecher der Landeseinsatzzentrale mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. Aus Polizeikreisen heißt es aber, dass der Pfefferspray-Einsatz für die Kollegen wohl Konsequenzen nach sich ziehen werde.

Doch nicht nur bei der Polizei wird der Einsatz ein Nachspiel haben, sondern ebenso in der Thüringer Politik. Der Landtagsabgeordnete Steffen Dittes (Linke) fordert vom Thüringer Innenministerium eine Erklärung zu dem Einsatz.

Bodo Ramelow will Bericht über Vorfall

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat zu dem Vorfall in Sonneberg bereits auf Twitter Stellung genommen. Nutzer hatten ihn dort gefragte, ob der Einsatz von Pfefferspray gegen friedliche Demonstranten linke Innenpolitik sei. Warum der Einsatz so ablief, sei nachzugehen.

Ramelow warnt aber auch, sich nur auf die Fotos zu verlassen. Diese würden noch keine abschließende Bewertung zulassen. „Ich werde mir Bericht erstatten lassen“, versichert der Ministerpräsident.

Mehr Protest gegen „Thügida“ als dafür

An dem Aufzug von „Thügida“ nahmen etwa 70 Personen teil. Laut der Mobilen Beratungsstelle in Thüringen (Mobit) beteiligten sich rund 150 Menschen an den Protesten gegen Demonstrationszug der Rechtsextremen.

Dieser Artikel ist zuerst auf Thueringen24.de erschienen.