Bonn-Center gesprengt – Stadt verliert ein Wahrzeichen

Bonn. Ein Wahrzeichen der alten Bundeshauptstadt ist verschwunden: Mit 250 Kilogramm Dynamit wurde am Sonntag das Bonn-Center gesprengt. Der laute Knall ertönte um 11.00 Uhr – nach wenigen Sekunden lag das Bauwerk in Schutt und Asche. Eine riesige Staubwolke stieg auf und zog über Einsatzkräfte und zahlreiche Schaulustige hinweg. Für die Sprengung galten unterschiedlich strenge Sperrzonen; sie wurde live im Fernsehen übertragen.

Es ist eine Aktion mit Symbolwert: Ende der 60er-Jahre sollte der Geschäftskomplex großstädtischen Glanz in die Bundeshauptstadt Bonn bringen, oder, wie der "Spiegel" es damals ausdrückte, dem "Provisorium Bonn Weltstadt aufschminken". Man zog sogar Vergleiche zum Rockefeller Center in New York. Kurz vor der Eröffnung besuchte 1969 der frischgebackene Bundeskanzler Willy Brandt zusammen mit seinem Sohn Matthias das Gebäude.

Das ist Geschichte, Bonn ist wieder Provinz: Im Einigungsvertrag 1990 verständigten sich die deutschen Staaten auf Berlin als Hauptstadt – auch wenn immer noch einige Ministerien am Rhein verblieben sind.

Das Bauwerk mit einem sich drehenden Mercedes-Stern auf dem Dach war mit 60 Metern eines der höchsten Häuser im ehemaligen Regierungsviertel. Aus heutiger Sicht ist es wahrscheinlich schwer verständlich, dass man sich ausgerechnet von diesem monotonen Klotz metropolitanen Glanz erhoffte.

Das Bonn-Center beherbergte Geschäfte, Restaurants, ein Schwimmbad, Fernsehstudios und ein Hotel, in dem im Laufe der Zeit viele Staatsgäste abstiegen. Zuletzt galt es als Schandfleck der Stadt. An seiner Stelle soll ein Bürokomplex entstehen, der nach dem Bebauungsplan sogar 100 Meter hoch werden darf.

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