Streit

Weltgrößte Segelyacht könnte Deutschland Millionen kosten

Der Eigner der 143 Meter langen „Sailing Yacht A“ soll seine Rechnung nicht bezahlt haben. Nun liegt das 400-Millionen-Schiff fest.

Die „Sailing Yacht A“ im Hafen von Gibraltar. Dort liegt sie seit Mittwoch zwangsweise vor Anker. Die Kieler Werft Nobiskrug und der russische Eigner streiten um eine unbezahlte Rechnung.

Die „Sailing Yacht A“ im Hafen von Gibraltar. Dort liegt sie seit Mittwoch zwangsweise vor Anker. Die Kieler Werft Nobiskrug und der russische Eigner streiten um eine unbezahlte Rechnung.

Foto: imago stock&people / imago/TheYachtPhoto.com

Kiel/Gibraltar.  Die in Kiel gebaute größte Segelyacht der Welt liegt seit mehreren Tagen im Hafen von Gibraltar fest. Die Anwälte der Kieler Werft Nobiskrug hatten beim Obersten Gericht des britischen Überseegebiets Klage wegen Vertragsverletzung gegen den Betreiber eingereicht und bewirkten einen Arrest. Nur wenige Stunden nach ihrer Ankunft wurde die 143 Meter lange „Sailing Yacht A“ am Mittwoch festgesetzt.

Das berichtet die Zeitung „Gibraltar Chronicle“. Demnach darf der knapp 25 Meter breite Dreimaster mit vollautomatischen Segeln und 90 Meter hohen Masten erst auslaufen, wenn eine offene Rechnung von fast 15,3 Millionen Euro bezahlt wird. „Der Arrest der ,Segelyacht A’ in Gibraltar ist eine verblüffende Tat für einen Schiffsbauer mit so einem Standing wie Nobiskrug“, sagte ein Sprecher des Yacht-Projekts der Zeitung.

Designer Philippe Starck hat das Boot entworfen

Vor genau zwei Wochen verließ die Mega-Yacht nach mehrjähriger Bauzeit Kiel Richtung Südspanien. Bisher hieß es, dass die Übergabe an den milliardenschweren russischen Eigner Andrej Melnitschenko im späten Frühjahr stattfinden soll. Der Designer Philippe Starck hatte die keilförmige Yacht für den Russen entworfen. Über den Baupreis für das futuristisch anmutende Schiff gibt es keine offiziellen Angaben. Spekuliert wird über einen Preis in Höhe von 400 Millionen Euro.

Eigentlich sollte die „Sailing Yacht A“ in Gibraltar nur einen kurzen Tankstopp einlegen. Doch schon kurz darauf sei es dort auf richterliche Anordnung festgesetzt worden. Nach Angaben der „Gibraltar Chronicle“ hätte der offene Geldbetrag bereits bis zum 5. Februar überwiesen werden sollen – dem Tag, an dem Yacht den zur Nobiskrug-Gruppe gehörenden German Naval Yard in Kiel verlassen hatte.

Am Dienstag treffen sich die Beteiligten vor Gericht

Offenbar handelt es sich um drei offene Posten: 9,8 Millionen Euro soll die Werft laut Vertrag mit dem registrierten Besitzer, der Firma „Valla Yachts Limited“, selbst bekommen. Das Unternehmen auf den Bermudas betreibt das Schiff im Auftrag des russischen Milliardärs Andrej Melnitschenko. Zudem sind zwei Rechnungen über 2,9 und 2,6 Millionen Euro von Zulieferbetrieben ebenfalls noch nicht bezahlt.

Ein Sprecher der Segelyacht sagte dem „Gibraltar Chronicle“, dass herausragende Probleme nicht ungewöhnlich seien in einem maßgeschneiderten Projekt dieser Art. Aber er fügte hinzu, dass der 9,8 Millionen-Euro-Betrag bereits Teil einer andauernden Auseinandersetzung mit der Werft in Kiel sei.

Ungereimtheiten wegen Zwischenstopp in Norwegen

Am Dienstag treffen sich die Beteiligten vor Gericht. „Die Sache liegt in den Händen unserer Anwälte“, sagt der Sprecher der Yacht der Zeitung in Gibraltar. Bis dahin liegt die „Sailing Yacht A“ in Südspanien vor Anker. Die Werft Nobiskrug war am Sonntagmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ungereimtheiten gibt es auch wegen eines Zwischenstopps der „Sailing Yacht A“ auf ihrem Weg ins Mittelmeer. Zwei Tage lang machte die Besatzung in Norwegen fest. Nach einem Bericht des NDR, der sich auf einen Artikel der norwegischen Zeitung „Dagens Næringsliv“ bezieht, könnte dieser Halt dem Eigner der Mega-Yacht Millionen bringen.

Offenbar war auch ein Mitarbeiter der Hafengesellschaft an Bord, um den Besuch in Norwegen offiziell zu bestätigen. Es heißt, dass der Multimilliardär Andrej Melnitschenko die Unterschriften und Stempel der Norweger braucht, um in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit zu werden. (coe/HA)

• Dieser Artikel erschien zuerst auf abendblatt.de.