Kriminalität

Kinderporno-Razzia im hessischen Bistum Limburg

Ein Mitarbeiter des Bischofs von Limburg soll Kinderpornografie gespeichert haben. Das Bistum prüft, ob es Missbrauchsopfer gibt.

Der Dom und der Bischofssitz in Limburg (Hessen). Gegen einen Mitarbeiter des Bistums laufen Ermittlungen wegen des mutmaßlichen Besitzes von Kinderpornografie.

Der Dom und der Bischofssitz in Limburg (Hessen). Gegen einen Mitarbeiter des Bistums laufen Ermittlungen wegen des mutmaßlichen Besitzes von Kinderpornografie.

Foto: Thomas Frey / dpa

Limburg.  Keine Ruhe für das Bistum Limburg: Der Verwaltungsbezirk der katholischen Kirche rund um das idyllische hessische Städtchen mit seinen Fachwerkbauten und seinem romanischen Dom steht für Verschwendungssucht, seit der ehemalige Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit seinem Protzbau für Schlagzeilen sorgte. Jetzt der neue Skandal. Gegen einen Mitarbeiter des Bistums laufen Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Es besteht der Verdacht, dass der Mann im Besitz von Kinderpornografie war, bestätigte Bistums-Sprecher Stephan Schnelle. Der Mitarbeiter sei von seiner Arbeit freigestellt worden. Bischof Georg Bätzing äußerte sich "beunruhigt". "Uns ist daran gelegen, dass das aufgeklärt wird, das ist das Allererste."

Das Bistum prüft nun, ob es möglicherweise auch Missbrauchsopfer in der Diözese gibt. Denn: Der Mann hatte, so Schnelle, zwar nicht in seiner aktuellen Funktion, aber früher mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. "Einschlägig" aufgefallen sei er nie. Man wolle sich nun aber intensiv mit seiner Vergangenheit beschäftigen. Kontakt zu möglichen Opfern gebe es noch nicht. Schnelle betonte allerdings, dass die Unschuldsvermutung gelte.

Der Tatverdächtige soll der Büroleiter des Bischofs sein

Laut "Frankfurter Neue Presse" handelt es sich bei dem Verdächtigen um den Büroleiter von Bischof Bätzing. Das wollte Schnelle nicht bestätigen. Laut des Berichts sei der Mitarbeiter Theologe und Kirchenrechtler und habe auch Familie. Bei der Amtseinführung Bätzings im September 2016 sei er dabei gewesen.

Am 1. Februar hatte es bei dem Verdächtigen sowohl zu Hause als auch in seinen Büroräumen eine Durchsuchung gegeben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dabei stellten die Ermittler vier Computer sowie Datenträger sicher. Internetprotokolle hätten zu der Spur auf die entsprechenden Computer geführt. "Das Bistum hat die Ermittlungen aktiv unterstützt", so der Sprecher. Geleitet wurden die Ermittlungen von der Zentralstelle Internetkriminalität in Gießen. Sie bearbeitet jährlich rund 1000 Fälle von Kinderpornografie. Fünf Staatsanwälte arbeiten für die Behörde, die erster Ansprechpartner des Bundeskriminalamtes in Sachen Kinderpornografie ist. Geschaffen wurde die Spezialeinheit 2010, zugleich das Jahr, in dem Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in großem Ausmaß bekannt wurden.

Opferverbände fordern unabhängige Instanzen

Ebenfalls seit 2010 ist Bischof Stephan Ackermann Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz. Bischof Gätzing sagte, er habe Ackermann, der sich gerade auf Dienstreise in Burkina Faso befindet, über die Vorfälle informiert.

Norbert Denef, Vorsitzender des Netzwerks für sexualisierte Gewalt, hat kein Vertrauen in solche kirchlichen Instanzen. Interne Aufklärungskommissionen bezeichnet er als "Scheintheater", bei denen mehr vertuscht würde als aufgedeckt: "Da werden vielleicht Opfer angehört und beruhigt, aber zu mehr taugen sie nicht." Er ist der Ansicht, dass ihre Aufgabe an unabhängige, von der Politik beorderte Gremien übertragen werden müsste.

Auch Matthias Katsch von der Opfer-Initiative Eckiger Tisch in Berlin kritisiert ein hohes "Geheimhaltungsbedürfnis" in der Kirche. "Zwar hat es in letzter Zeit Anstrengungen zur Prävention gegeben, die sind aber oft in der Hand von Laienmitarbeitern." Er plädiert dafür, möglichen Opfern auch eine unabhängige Anlaufstelle zu bieten. Das Klima der katholischen Kirche in Bezug auf Sexualität hält er für heikel: "Verdrängte Bedürfnisse und religiös motivierte Schuldgefühle können eine fatale Mischung bilden."

Ein System der Vertuschung soll auch der frühere Bischof Tebartz-van Elst aufgebaut haben. Erst im März 2014 war er abberufen worden, unter anderem wegen der Kosten in Höhe von 30 Millionen Euro für den neuen Bischofssitz. Sein Nachfolger Bätzing weicht der Frage, ob der neue Vorfall das Bistum wieder in eine tiefe Krise stürze, aus: "Es geht nicht ums Bistum oder um Ruhe oder Unruhe, sondern darum: Wenn da etwas dran ist, ist es aufzuklären, wenn es strafbar ist, muss es bestraft werden."

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