Asyl

Winter in Südosteuropa bedroht Tausende Flüchtlinge

Auf den griechischen Inseln harren Tausende Flüchtlinge in Sommerzelten aus – bei Schnee und Minusgraden. Die Helfer schlagen Alarm.

Bedrohlich ist die Lage vor allem auf den griechischen Inseln. Wie hier auf Lesbos hätten es die Behörden versäumt, die Flüchtlingslager winterfest zu machen, so „Ärzte ohne Grenzen“

Bedrohlich ist die Lage vor allem auf den griechischen Inseln. Wie hier auf Lesbos hätten es die Behörden versäumt, die Flüchtlingslager winterfest zu machen, so „Ärzte ohne Grenzen“

Foto: INTIME / REUTERS

Brüssel/Berlin.  Angesichts der Not Tausender Flüchtlinge bei Kälte und Schnee in Griechenland und den Balkanstaaten rufen Hilfswerke die europäischen Länder zu sofortiger Unterstützung auf. Der Wintereinbruch sei „teils lebensbedrohlich, insbesondere wenn Unterkünfte nicht ausreichend befestigt sind“, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe.

Auch „Ärzte ohne Grenzen“ zufolge spitzt sich die Lage für die Flüchtlinge in der Region zu. Im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos seien bei Schnee und Regen viele Zelte eingebrochen, sagte der Geschäftsführer der deutschen Sektion des Hilfswerks, Florian Westphal, im WDR-Radio. Viele Menschen seien nun nahezu ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Die griechischen Behörden, aber auch die EU hätten es versäumt, die Flüchtlingslager rechtzeitig auf den Winter vorzubereiten.

16.000 Menschen stecken auf griechischen Inseln fest

„Save the Children“ warnte davor, dass die Kältewelle vor allem für Kinder und neugeborene Babys lebensgefährlich werden kann. Auf dem griechischen Festland und auf den Inseln lebten Tausende Asylsuchende in unbeheizten Lagerhallen, erklärte die Organisation. Das Abkommen zwischen der EU und der Türkei hindere rund 16.000 Menschen, die weiterhin auf den griechischen Inseln feststeckten, an der Weiterreise.

Auf Lesbos könnte es noch Tage dauern, bis alle Menschen ein richtiges Winterquartier bezogen haben. „Nach Informationen von den griechischen Behörden wird erwartet, dass alle dortigen Migranten innerhalb der nächsten Tage unter winterfesten Bedingungen untergebracht sind“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission dem Evangelischen Pressedienst. Auf Lesbos befindet sich der größte der sogenannten EU-Hotspots für Flüchtlinge in Griechenland.

EU-Kommission sieht griechische Regierung in der Pflicht

Zugleich verwies die EU auf weitere Schritte der griechischen Behörden. Ein Teil der Asylbewerber werde von den Inseln auf das Festland gebracht, wo die Lage demnach insgesamt besser ist: 31 von 36 Lagern seien vollkommen winterfest. Generell würden Migranten in Hotels und Wohnungen untergebracht und ein Marineschiff mit 500 Plätzen sei ausgelaufen, erklärte die EU-Sprecherin.

Die EU-Kommission wies auf die Verantwortung der griechischen Behörden bei der Versorgung der Flüchtlinge hin. Zudem äußerte sie sich erneut besorgt über die Aufnahmestandards in Griechenland. Tatsächlich liegt die Hauptverantwortung für Migranten bei den jeweiligen Regierungen. Allerdings war Griechenland in der Vergangenheit immer wieder von den zahlreichen Flüchtlingen überfordert.

Bundesinnenminister de Maizière: Hilfe ausgeschlagen

Dessen ungeachtet hat Athen nach Angaben des Bundesinnenministeriums Hilfsangebote aus Deutschland wiederholt abgelehnt. Zuletzt habe Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im Dezember seinem griechischen Amtskollegen Unterstützung bei der Unterbringung der Flüchtlinge in Griechenland angeboten, sagte ein Sprecher. Eine entsprechende Anfrage aus Athen sei seither nicht erfolgt.

Laut Bundesinnenministerium könnten Asylsuchende nach dem 15. März wieder nach Griechenland zurücküberstellt werden. Damit folgt die Bundesregierung einer Empfehlung der EU-Kommission vom Dezember 2016. Demnach könnten Überstellungen nach Griechenland unter engen Voraussetzungen wieder aufgenommen werden. Die Empfehlung bezieht sich auf Neuankömmlinge. (epd)