Labor-Panne

Frauen in Utrecht womöglich mit falschem Sperma befruchtet

Künstliche Befruchtung ist für kinderlose Paare oft eine große Hoffnung. In den Niederlanden kam es nun aber offenbar zu einem Fehler.

Eine menschliche Eizelle wird in einem Labor künstlich befruchtet.

Eine menschliche Eizelle wird in einem Labor künstlich befruchtet.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Utrecht.  In einer niederländischen Klinik sind möglicherweise 26 Frauen mit falschem Sperma befruchtet worden. Das Labor habe einen „Verfahrensfehler“ gemacht, bestätigte das Universitätskrankenhaus Utrecht am Mittwoch. Die Klinik untersucht nun, ob eine der Frauen tatsächlich von einem verkehrten Mann schwanger wurde. „Das Risiko ist klein“, teilte das Krankenhaus mit.

Inzwischen seien neun Kinder geboren und vier Frauen noch schwanger. Von dem Verfahrensfehler sind den Angaben zufolge auch eingefrorene Embryos betroffen, die vorerst nicht verpflanzt würden. Die Paare seien informiert worden. Mit ihnen würden so schnell wie möglich Termine für weitere Untersuchungen, etwa DNA-Tests, vereinbart.

Zahlreiche Paare beunruhigt

Dutzende beunruhigte Paare hatten sich am Mittwoch bei der Klinik gemeldet. Viele hätten Fragen über ihre Behandlungen und mögliche Folgen, sagte ein Kliniksprecher. Von dem Fehler sind Paare aus vier Kliniken betroffen. Das IVF-Labor des Universitätskrankenhauses ist zuständig für Fruchtbarkeitsbehandlungen in der Region um Utrecht.

Der Fehler trat bei der Intra-Cytoplasmatischen-Spermien-Injektion (ICSI) auf. Dabei wird die Samenzelle unter einem Mikroskop direkt in die Eizelle gespritzt. Ein Labormitarbeiter hatte im November entdeckt, dass die Pipette zur ICSI noch Reste von Samenzellen eines anderen Mannes enthielt. Daraufhin seien die Behandlungen sofort gestoppt worden, teilte das Krankenhaus mit. Wie es zu dem Fehler kommen konnte, ist unklar. Die Gesundheitsbehörden wurden informiert.

Vermutlich einmaliger Vorfall

Der Interessensverband von Menschen mit Fruchtbarkeitsproblemen, Freya, reagierte geschockt. Die Regeln bei der künstlichen Befruchtung seien sehr streng, sagte eine Sprecherin. „Wir betrachten dies als einen einmaligen Vorfall.“ Doch für die betroffenen Paare sei die Unsicherheit entsetzlich. „So einen Anruf will man vom Krankenhaus nicht bekommen.“ (dpa)