Instagram

Fotos von totem Mädchen sollten Fans von Dagi Bee ködern

Für ein Treffen mit ihren Idolen sind Fans von Stars wie Dagi Bee zu vielem bereit. Was ein Jugendlicher versuchte, empört die Szene.

YouTuberin Dagi Bee ist empört – und auch unter ihren Fans ist das Entsetzen groß. Die Fotos aus dem Profil einer verstorbenen Elfjährigen sind für eine rührselige Lügengeschichte missbraucht worden.

YouTuberin Dagi Bee ist empört – und auch unter ihren Fans ist das Entsetzen groß. Die Fotos aus dem Profil einer verstorbenen Elfjährigen sind für eine rührselige Lügengeschichte missbraucht worden.

Foto: Screenshot/Montage FMG 

Berlin.  Mehr als drei Jahre nach dem qualvollen Krebstod eines englischen Mädchens hat ein Instagram-Nutzer ihre Fotos für eine ganz miese Masche missbraucht: Er erfand mit ihren Bildern eine neue Person mit der gleichen Leidensgeschichte, um so das Mitleid von Webvideostar Dagi Bee und deren Fans zu erheischen. Ein totes Mädchen als Mittel, um Aufmerksamkeit zu bekommen – die Empörung darüber ist groß. Dagi Bee selbst schrieb auf Twitter: „Findet Ihr das witzig, ein todkrankes Mädchen zu faken, nur um mit mir Kontakt zu haben? Schämt euch.“ Doch ihre Fans sind genauso entsetzt.

Mädchen starb im September 2013

Dagi Bee (22) hat mit ihren beiden Kanälen mehr als vier Millionen Abonnenten auf Youtube, es geht um ihr Leben, um Freundschaft, aber auch um Mode, um Kosmetik. All das, was auch jüngere Mädchen schon beschäftigt. Mädchen wie Robyn Genavieve Higgins, die auf Youtube und Instagram über Schminken berichtete, ihr neues Parfüm zeigte und ihre Freundin vorstellte. Das Mädchen in den Videos und Bildern ist wie viele der Fans von Dagi Bee. Sie hat auf den Fotos allerdings eine Glatze.

Die ausgefallenen Haare sind Folge der Therapie gegen ihren Krebs, das Neuroblastom. An dieser Krebsart erkranken jährlich in Deutschland 150 Kinder. Robyn Higgins hat viereinhalb Jahre dagegen angekämpft. Am 29. September 2013 hat sie den Kampf gegen die Krankheit verloren, wie die Familie in einem inzwischen gelöschten Blog schrieb. Dort war über die Rückschläge und Fortschritte zu lesen gewesen, halb England hatte Anteil genommen. Die Familie sammelte Geld für eine 300.000 Dollar teure Therapie in den USA, die Robyns einzige, letztlich vergebliche Hoffnung auf Heilung war.

Schwindel war schnell aufgeflogen

Am Dienstagmorgen hatte das meist fröhlich schauende Mädchen von den Fotos eine andere Diagnose, einen anderen Namen und einen großen letzten Wunsch: „Nala“ war angeblich leukämiekrank und wollte angeblich noch einmal Dagi Bee treffen. So war es zu lesen in einem Hilfeaufruf, der zunächst von einem angeblich 16-jährigen Kölner auf Instagram verbreitet wurde.

Darin wurde auf das Profil einer @Nalahere verwiesen, mutmaßlich auch von dem Kölner angelegt. Darin: Die Fotos, die aus dem Account von Robyn Higgins gestohlen worden waren. Nach Robyns Tod haben Angehörige zur Erinnerung auch noch Bilder gepostet, zuletzt im Frühjahr diesen Jahres.

Fans von Dagi Bee drücken Bedauern aus

Unter diesem Foto finden sich jetzt viele Beileidsbekundungen auf Deutsch: Fans von Dagi Bee, die berührt sind vom Schicksal der Elfjährigen, und die entsetzt sind, wie die Bilder missbraucht worden sind. Schon nach wenigen Stunden war der Schwindel nämlich aufgeflogen. Der Aufruf, der vermeintlichen Nala zu helfen, war da allerdings schon vielfach geteilt. Viele Fans hatten auch Dagi Bee angeschrieben.

Doch eines der Mädchen, das selbst den Aufruf erhalten und verteilt hatte, wurde misstrauisch, stieß auf die Bilder. Sie selbst wollte keinen Kontakt mit Medien, aber ein Freund überließ unserer Redaktion Screenshots von Nachrichten, die sie mit dem Account von „Nala“ ausgetauscht hat. „Denk doch an das verstorbene Mädchen. Hattest Du keine Schuldgefühle?“, fragt sie ihn. Von der anderen Seite kommt: „Ich bin famegeil, muss ich leider zugeben.“ Zu lesen ist auch das Geständnis, das früher schon mal gemacht zu haben: „Da bin ich irgendwann aufgeflogen, als ich 10.000 Follower und 5000 Likes hatte.“

Keine Spur von „Nala“mehr zu finden

Der Account von Nala kam auf mehr als 3000 Abonnenten und hat seither auch kaum welche verloren. Inzwischen ist er umbenannt, es erinnert dort nichts mehr an das krebskranke Mädchen. Zu sehen ist das Gesicht eines jungen Mannes, doch dahinter könnte auch immer noch ein weiblicher Fan stecken. Nachrichten unserer Redaktion an diesen auf privat geschalteten Account sind ebenso unbeantwortet geblieben wie Nachrichten an den Account des Kölners. Spuren von „Nala“ finden sich dort nicht mehr.