Vatikan

„Urbi et Orbi“ – Papst erinnert an die Opfer des Terrors

An Weihnachten erinnerte der Papst an die Menschen, die auf der Flucht und in Armut leben. Zur Flüchtlingskrise fand er klare Worte

Papst Franziskus spendete am Sonntag den Segen „Urbi et Orbi“ auf dem Petersplatz in Rom.

Papst Franziskus spendete am Sonntag den Segen „Urbi et Orbi“ auf dem Petersplatz in Rom.

Foto: ALESSANDRO BIANCHI / REUTERS

Rom.  Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtspredigt an Heiligabend an das Leid vieler Flüchtlingskinder erinnert und zu mehr Mitgefühl aufgerufen. „Denken wir an das Kind in der Krippe“, sagte Franziskus mit Blick auf die Geburt Jesu in der Weihnachtsgeschichte. Man müsse sich aber auch der Kinder annehmen, die gerade nicht in einer Wiege lägen und von der Liebe einer Mutter und eines Vaters umgeben seien.

Stattdessen erinnerte er an Kinder, die im Krieg oder auf der Flucht aufwachsen. An diejenigen „im unterirdischen Bunker, um den Bombardierungen zu entkommen; auf dem Bürgersteig einer großen Stadt, auf dem Boden eines mit Migranten überladenen Schleppkahns“. Zugleich gäbe es Kinder, die hungern, oder solche, die nicht Spielzeug, sondern Waffen in den Händen hielten.

Papst gedenkt der Terroropfer

An ersten Weihnachtstag spendete der Papst dann auf dem Petersplatz in Rom den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“. „Friede den Männern und Frauen im gemarterten Syrien, wo allzu viel Blut vergossen wurde“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. „Friede denen, die einen geliebten Menschen verloren haben durch grausame Terrorakte, die im Herzen vieler Länder und Städte Angst und Tod gesät haben.“

Die Botschaft des Papstes und der Segen „Urbi et Orbi“ sind Höhepunkt der christlichen Weihnacht. Gläubige aus aller Welt verfolgten die Worte von Franziskus auf dem Petersplatz, Millionen hörten ihm über das Fernsehen, das Radio oder das Internet zu.

Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem

„In der Armut eines Stalles“

Seit Beginn seiner Amtszeit stellt der Argentinier die notleidenden Menschen in den Mittelpunkt und findet klare Worte in Kriegs- und Krisenzeiten. Er will die Kirche zu einer Kirche der Armen machen. Gott tauche in eben dieser Einfachheit auf: „Er erscheint nicht im Nobelsaal eines königlichen Palastes, sondern in der Armut eines Stalls“, sagte der Papst in seiner Predigt.

An Weihnachten stehe Gott aber für viele nicht mehr im Mittelpunkt, beklagte der Argentinier. Weihnachten werde zu einem Fest, „bei dem die Hauptfiguren wir sind und nicht Er“, sagte Franziskus. Er rief dazu auf, sich auf das Wesentliche zu besinnen und auf „unsere unersättlichen Ansprüche“ zu verzichten. „Es wird uns gut tun, diese Dinge loszulassen, um in der Einfachheit des Gotteskindes den Frieden, die Freude und den Sinn des Lebens wiederzufinden.“

Ein Fischerboot neben der Krippe

In und um den Petersdom hatten sich Tausende Gläubige versammelt, um die Christmette und die Worte des katholischen Kirchenoberhauptes zu verfolgen. Auf dem Petersplatz erstrahlte der festlich geschmückte Tannenbaum. Teil der diesjährigen Krippe ist auch ein maltesisches Fischerboot – ein Mahnmal für die Flüchtlingskrise. Am Sonntag verkündet Franziskus von der Loggia des Petersdoms seine Weihnachtsbotschaft und spendet den Segen „Urbi et Orbi“.

Auch im Heiligen Land feierten am Samstag Christen aus aller Welt in Bethlehem Weihnachten. Laut christlicher Überlieferung steht die Geburtskirche in Bethlehem an jenem Ort, an dem Jesus zur Welt kam. Chöre sangen Weihnachtslieder und Pfadfinder-Bands marschierten mit Dudelsäcken und Trommeln durch den Ort im südlichen Westjordanland. Die traditionelle Weihnachtsprozession aus Jerusalem war am frühen Nachmittag in Bethlehem eingetroffen. Um Mitternacht sollte in Bethlehem eine Messe gefeiert werden. (dpa)