Unglück

Absturz in Russland – Keine Hoffnung auf Überlebende

In Russland ist ein Flugzeug der Luftwaffe mit mehr als 90 Insassen über dem Schwarzen Meer abgestürzt. Auch Musiker waren an Bord.

Vor dem Gebäude des Alexandrow-Ensembles in Moskau legten Menschen Blumen nieder zum Gedenken an die Absturzopfer.

Vor dem Gebäude des Alexandrow-Ensembles in Moskau legten Menschen Blumen nieder zum Gedenken an die Absturzopfer.

Foto: Maxim Shipenkov / dpa

Sotschi.  Ein russisches Flugzeug mit einem berühmten Armeechor ist auf dem Weg nach Syrien über dem Schwarzen Meer abgestürzt. An Bord der Tupolew Tu-154 waren mehr als 90 Menschen, darunter 65 Sänger und Tänzer des Alexandrow-Ensembles, wie das russische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte.

Die russischen Behörden zögerten zwar, vom Tod der Flugzeuginsassen zu sprechen. Im Meer vor dem südrussischen Ferienort Sotschi seien aber keine Überlebenden zu sehen, teilte das Militär mit. Stattdessen wurden Trümmerteile gesichtet.

Erste Leichen wurden geborgen

„Ein Rettungsschiff hat vier Leichen geborgen“, sagte ein Sprecher. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sprach von einer „fürchterlichen Katastrophe“, wie die Agentur Interfax meldete.

Die Maschine war nach Militärangaben um 5.25 Uhr Ortszeit (3.25 Uhr MEZ) in Adler, dem Flughafen von Sotschi, gestartet. Neben den Musikern seien acht Mann Besatzung, neun Fernsehjournalisten der Sender NTW, Erster Kanal und Swesda sowie Militärs und Beamte an Bord gewesen. Gegen Mittag sprach das Verteidigungsministerium von 93 Menschen an Bord.

Auch der Chorleiter, Generalleutnant Waleri Chilalow, wurde Opfer des Unglücks. Der Armeechor sollte nach Syrien fliegen, um auf der russischen Luftwaffenbasis bei Latakia ein Konzert zu geben.

Kontakt riss nach dem Start ab

Der Kontakt zu dem Flugzeug sei etwa zehn Kilometer nach dem Start über dem Meer abgerissen. Bei einem Flugmanöver im Steigflug könnte es ein „kritisches technisches Problem“ gegeben haben, sagte ein nicht genannter Behördenvertreter der Agentur Interfax. Auch ein Fehler der Militärpiloten werde nicht ausgeschlossen, obwohl sie erfahren waren.

Russland kämpft seit Herbst 2015 im Syrien-Krieg aufseiten des Präsidenten Baschar al-Assad. Die militärischen Verluste waren dabei nach offiziellen Angaben begrenzt. Zur Versorgung der Basis Hamaimim betreibt das Verteidigungsministerium einen regen Luftverkehr. Dabei werden auch alternde Zivilflugzeuge wie die 1983 gebaute Tupolew eingesetzt. Anfang Mai hatte das russische Militär den Stardirigenten Waleri Gergijew und sein Orchester zu einem Konzert in die syrische Wüstenstadt Palmyra geflogen.

Kremlchef Putin ständig unterrichtet

Die Tragödie werde nichts am russischen Verhältnis zu Syrien ändern, sagte der Vorsitzende des Außenausschusses im Parlament, Leonid Sluzki. „Die Beziehungen zu Syrien sind und bleiben sehr eng, auch im Rahmen der gemeinsamen Operation, den internationalen Terror vom Gebet des Landes zu vertreiben“, sagte er der Agentur Interfax.

Präsident Wladimir Putin wurde nach Angaben seines Sprechers ständig über die Sucharbeiten auf dem Laufenden gehalten. Koordiniert wurden sie von Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Das stimmgewaltige Alexandrow-Ensemble ist ein mehrfach ausgezeichneter Soldatenchor, der 1928 gegründet wurde. Gründer war Alexander Alexandrow, der 1943 die Nationalhymne der Sowjetunion komponierte. Das ursprünglich aus einem Dutzend Soldaten bestehende Ensemble ist mit den Jahren um ein Orchester und eine Tanzgruppe erweitert worden. Offiziell zählt das Ensemble 186 Mitglieder. Zum Repertoire gehören etwa 2000 Kirchenlieder, russische Volkslieder, Tänze, Märsche, aber auch Hits der Popmusik.

Soldatenchor ist vielfach ausgezeichnet

Das stimmgewaltige Alexandrow-Ensemble ist ein mehrfach ausgezeichneter Soldatenchor, der 1928 gegründet wurde. Gründer war Alexander Alexandrow, der 1943 die Nationalhymne der Sowjetunion komponierte. Das ursprünglich aus einem Dutzend Soldaten bestehende Ensemble ist mit den Jahren um ein Orchester und eine Tanzgruppe erweitert worden. Offiziell zählt das Ensemble 186 Mitglieder. Zum Repertoire gehören etwa 2000 Kirchenlieder, russische Volkslieder, Tänze, Märsche, aber auch Hits der Popmusik.

Nach dem Absturz des Flugzeugs über dem Schwarzen Meer hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ihr Mitgefühl übermittelt. Ihre Gedanken seien bei den Angehörigen der vielen Opfer, hieß es in einer Mitteilung des Kanzleramtes. (dpa)