Prozess

Silvester-Schütze droht lange Haft für Tod einer Elfjährigen

An Silvester 2015 schoss ein Mann in Unterfranken in eine Gruppe und tötete eine Elfjährige. Am Donnerstag wird das Urteil erwartet.

Der Angeklagte Rudolf E. im Landgericht in Bamberg: Ein Psychiater schließt nicht aus, dass der 54-Jährige vermindert schuldfähig ist.

Der Angeklagte Rudolf E. im Landgericht in Bamberg: Ein Psychiater schließt nicht aus, dass der 54-Jährige vermindert schuldfähig ist.

Foto: Nicolas Armer / dpa

Bamberg.  Er erschoss in der vergangenen Silvesternacht die elfjährige Janina: Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der 54 Jahre alte Schütze lebenslang hinter Gitter. An diesem Donnerstag wird das Gericht voraussichtlich sein Urteil fällen.

„Die Sinnlosigkeit und Absurdität dieses Verbrechens ist schwer zu ertragen“, hat Oberstaatsanwalt Otto Heyder am Mittwoch am Landgericht Bamberg gesagt und eine Verurteilung wegen Mordes gefordert. Der Mann habe heimtückisch und aus krasser Eigensucht gehandelt.

Ist der Mann vermindert schuldfähig?

Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Maurer vor, in der Neujahrsnacht im unterfränkischen Dorf Unterschleichach (Landkreis Haßberge) auf eine Gruppe Feiernder geschossen zu haben. Dabei habe die elfjährige Janina tödliche Verletzungen erlitten. Auch eine mehrstündige Notoperation konnte das Kind nicht retten.

Ein Psychiater schloss nicht aus, dass der Angeklagte vermindert schuldfähig ist. Das könnte bedeuten, dass der 54-Jährige im Falle eines Urteils wegen Mordes nicht lebenslang in Haft muss. Er könne nicht ausschließen, dass der Mann in der Silvesternacht vor einem Jahr nur eingeschränkt steuerungsfähig war, sagte der Psychiater.

„Es wird von Tag zu Tag schlimmer“

Sollte das Gericht dieser Meinung folgen und den Mann wegen Mordes verurteilen, droht ihm nicht lebenslange Haft, sondern eine Gefängnisstrafe zwischen drei und 15 Jahren.

Die Mutter des Mädchens erzählte vor Gericht von ihrer Trauer. „Die Lücke wird sich nie schließen“, sagte sie. „Vor einem Jahr noch waren wir eine glückliche Familie, Janina hat sich sehr auf ihren kleinen Bruder gefreut.“ Seit dem Tod ihrer Tochter sei das Leben ein Kampf. Als die Elfjährige starb, war ihr Bruder neun Wochen alt. „Ich kann nicht die Mutter sein, die ich war“, sagte die Frau. „Es wird von Tag zu Tag schlimmer.“ (dpa)