Propaganda

Wie die AfD die Tat von Berlin für sich instrumentalisiert

Marcus Pretzell von der AfD reagierte mit scharfer Propaganda auf die Tat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Die Wut darüber ist groß.

NRW-Landesvorsitzender der AfD, Marcus Pretzell.

NRW-Landesvorsitzender der AfD, Marcus Pretzell.

Foto: imago stock&people / imago/Christian Thiel

Berlin.  Die Toten vom Breitscheidplatz sind noch nicht geborgen, in den Krankenhäusern kämpfen die Verletzten noch um ihr Leben – da macht man sich am Montagabend bei der AfD bereits daran, die dramatischen Ereignisse von Berlin für die eigene Propaganda zu instrumentalisieren.

„Wann schlägt der deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote!“ Diese Nachricht setzt der nordrhein-westfälische AfD-Chef Marcus Pretzell um 21.15 ab. Zu diesem Zeitpunkt ist noch unklar, ob es sich um einen Anschlag oder einen Unfall handelt. Häme und Propaganda statt Mitgefühl und Besonnenheit.

Nutzer empört über Pretzells Tweets

Und Pretzell legt nach. Um 21.46 twittert er eine neue Nachricht in die Welt. Erneut stellt er einen Zusammenhang zwischen der Tat und der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung her: „An die ‘Erstmal-abwarten-Fraktion’: So was kommt von abwarten.“

Die Reaktionen bei Twitter lassen nicht lange auf sich warten – und die Empörung über das Verhalten Pretzells ist groß. „Wie widerlich, das jetzt auch sofort politisch auszuschlachten“, twittert einer. „Einfach nur ekelhaft!“, kommentiert eine andere. Andere Twitterer reagieren ähnlich. „Widerlich der Typ“ oder „unerträgliche Hetze“ sind dort zu lesen.

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AfD-Mann nutzt von Nazis geprägte Begriffe

Und, natürlich, richten sich einige Tweets Pretzells auch gegen die Presse. Um 22.26 Uhr steht bei dem AfD-Mann mit Verweis auf einen Bericht der „Washington Times“ über ein angebliches Bekennerschreiben des IS zu lesen: „Feindsender hören macht schlau. Deutsche Presse schweigt.“

Dabei zeigt erneut ein AfD-Politiker einen wenig sensiblen Umgang bei der Wortwahl. Der Begriff „Feindsender“ wurde in der NS-Zeit während des Zweiten Weltkriegs geprägt. Er bezeichnete verbotene Radiosender, meist aus dem Ausland, die von den Nazis verboten wurden – während die gleichgeschalteten deutschen Sender nur NS-Propaganda sendeten. Schon der von der AfD oft benutzte Begriff von der „Lügenpresse“ entstammt dem Nazi-Jargon.

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