Paradies

Kanadisches Aussteigerpaar baut sich seine eigene Insel

Ein kanadisches Paar hat sich seinen Traum erfüllt. Die Künstler entwarfen eine eigene Insel – inklusive Gemüsegarten und Leuchtturm.

Wohnhaus, Gewächshäuser, ein Erdbeerhäuschen, eine Tanzfläche und eine Solaranlage – 24 Jahre lang bauten Wayne Adams und seine Frau an ihrer Insel.

Wohnhaus, Gewächshäuser, ein Erdbeerhäuschen, eine Tanzfläche und eine Solaranlage – 24 Jahre lang bauten Wayne Adams und seine Frau an ihrer Insel.

Foto: REX Features / Catherine King/REX

Berlin.  Es ist ein magischer Ort, von dem Menschen, die ihren Kühlschrank mit Biolebensmitteln füllen, aus Umweltgründen Fahrrad fahren, oder solche, die nach einem Leben im Einklang mit der Natur streben, wohl nur träumen können. Wayne Adams (66) und Catherine King (59) bauten sich eine eigene Insel nahe Tofino, einem Ort an der Westküste von Vancouver Island in Kanada. Ihre „Freedom Cove“ (Deutsch: Bucht der Freiheit) besteht aus zwölf Plattformen – inklusive Gemüsegarten und eines roten Leuchtturms.

„Das Wasser ist unsere Autobahn“, sagt Wayne Adams, ein sympathischer Mann mit Schnurrbart, Lachfalten und gebräunter Haut. Tatsächlich ist sein Heim, das aus der Ferne ein bisschen wie die Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf anmutet, nur über das Wasser mit einem Motorboot erreichbar. Von der Küste Vancouver Islands aus sind es 45 Minuten Fahrzeit.

Alles ohne Technik gebaut

Vor 24 Jahren begann das Künstlerpaar mit dem Bau seines bislang einmaligen Heims. „Uns war damals klar, dass wir uns ein Haus in Vancouver nie leisten könnten, also haben wir beschlossen, selbst eines zu bauen“, erinnert sich King. Die Idee, ein schwimmendes Haus auf dem Wasser zu errichten, war sofort da, die Umsetzung allerdings ein Plan für Überlebenskämpfer.

Es gab weder einen Bauplan noch einen Architekten. „Ich habe alles ohne Technik mit meinen Händen und einem Hammer gebaut“, sagt Wayne Adams. „Ich kenne jedes Brett und jede Schraube mit Namen.“

Solaranlage versorgt Insel mit Strom

Und das Ergebnis von jahrzehntelanger Kleinstarbeit kann sich bis ins letzte Detail sehen lassen: Eine komfortable Küche ist der Hauptaufenthaltsraum. Im Wohnzimmer steht ein massiver Ofen. Am Rande der Gewächsräume findet sich sogar ein Erdbeerhäuschen. Rund 5000 Tonnen wiegt die ganze Anlage. „Die Plattformen“, erklärt Catherine King, „werden nicht von Ankern, sondern nur durch Taue gehalten, die mit dem Ufer verbunden sind.“

Von Plattform zu Plattform gelangt man über begrünte Stege. Heute schreitet der Hausherr in grünen Croc-Sandalen stolz über seine Insel. Er zeigt die Gemüsehochbeete und seine Solaranlage, die genügend Strom liefert, um die Insel das ganze Jahr ausreichend zu versorgen. Dazu kommen eine Auffanganlage für Regenwasser und eine Kläranlage, die es möglich macht, Trinkwasser zu gewinnen.

Ein Leben ohne Müll

Catherine King und Wayne Adams haben somit das, was in unserer zivilisierten Welt unmöglich erscheint. Sie leben autark, unabhängig von der Grundversorgung durch die Außenwelt und sogar weitestgehend, ohne eigenen Müll zu produzieren. „Die Gewässer hier sind die größte Biomasse der Welt“, sagt Adams. Er brauche nur eine Angel und ein Boot, um innerhalb von zehn Minuten einen Fisch zu fangen.

Größtenteils versorgt sich das kanadische Paar, das auch seine zwei Kinder auf der Insel aufzog, allerdings mit den angebauten Früchten und Gemüse. Im Laufe der Zeit haben die beiden auch ausprobiert, ein paar Hühner zu halten. Weil das Geflügel jedoch vermehrt Ratten anlockte, wurden die Tiere wieder abgeschafft. Und es gibt glücklicherweise auch noch andere Einnahmequellen als die Natur.

Führungen bringen Extra-Geld

Zusätzlich verdienen King und Adams etwas Geld, indem sie eigene Kunstwerke verkaufen. Dazu kamen vor kurzem Tagesausflüge für Touristen über die lokale Agentur Browning Pass Charters, die einen Besuch auf der Insel enthalten. Catherine King zeigt bei diesen Führungen gerne ihre Tanzfläche, auf der sie seit Jahren Yoga trainiert.

„Werden Sie manchmal seekrank auf der Insel?“, fragte ein Besucher kürzlich Adams. „Nein, ich werde landkrank, wenn ich in die Stadt fahre“, erwiderte dieser. Dennoch erfordert ein derart radikaler Ausstieg aus der Zivilgesellschaft in die Einsamkeit der Wälder und Gewässer viel Mut.

„Ich fühle mich erfüllt“

Der Weg zurück ist für Catherine King trotz der einfachen Lebensweise dennoch nicht möglich. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie die anderen zu leben. Ich fühle mich erfüllt“, sagt sie und blickt ihren Mann an. Dieser lacht. „Das ist gut, Schatz. Ich werde daran arbeiten.“