Europol

Fahndung per Adventskalender – Ihr Gangsterlein kommet

Europol nutzt den Advent für eine ungewöhnliche Fahndungsaktion: Hinter jedem Türchen steckt ein Gesuchter. Einer ist schon gefasst.

Der Fahndungskalender von Europol im Internet.

Der Fahndungskalender von Europol im Internet.

Foto: Europol / Screenshot Video Europol

Berlin/Brüssel.  Als sich an diesem Mittwoch das Türchen mit der Nummer 14 öffnet, erscheint das Fahndungsfoto von Marius Civinskas. Der 33-jährige Litauer wird wegen Mordes gesucht, weil er einen Mann mit Schüssen in den Rücken getötet haben soll. Der Status seines Falls wird mit „laufende Ermittlung“ angegeben. Civinskas ist seit Jahren auf der Flucht, er wird in Irland vermutet.

Es ist ein Adventskalender der anderen Art, den die europäische Polizeibehörde Europol derzeit auf ihrer Homepage im Internet präsentiert. „EU most wanted“, heißt der Titel. Hinter 23 Türchen verbirgt sich also jeweils einer der meist gesuchten Kriminellen in der EU. Die Palette der Gewalttaten reicht von Brandstiftung über Menschenhandel bis zum Mord. „Helfen Sie uns, Europa sicherer zu machen!“, bitte Europol die Bürger.

Einmal klickten die Handschellen schon

Hinter dem 24. Türchen, so hoffen die EU-Polizisten, kann man dem Bürger dann die Fahndungserfolge präsentieren. Und: Eine Verhaftung gab es bereits. Der Mann wurde wegen sexuellen Missbrauchs eines sechs Jahre alten Mädchens in England gesucht, wie Europol in einer Mitteilung erklärte. Holländische Fahnder fassten ihn in einem Café in Amsterdam, wo er als Chef arbeitete.

Die Machart des „Most-wanted“-Adventskalenders ist nicht ohne. Zu Klängen irgendwo zwischen Jingle Bells und Edgar-Wallace-Titelmusik fährt ein Lichtschein über die Kalendertüren und bleibt schließlich auf dem jeweiligen Tag stehen. Dann öffnet sich die Tür und der Gesuchte wird in einem kleinen Video präsentiert.

Eine Spur führt zum Sechsfach-Mord von Duisburg

So wie die Nummer 12. Santo Vottari. Der heute 40-jährige Italiener gilt als Mitglied der ‘Ndrangheta-Organisation und soll 2006 die Ehefrau des Bosses eines rivalisierenden Clans ermordet haben. Laut Europol löste der Mord weitere Gewalttaten aus, darunter auch der Sechsfach-Mord an Clan-Mitgliedern im August 2007 in Duisburg vor der Pizzeria „Da Bruno“. Vottari ist ebenfalls seit Jahren flüchtig.

Der Adventskalender ist gleichsam die Fortsetzung einer Fahndungsaktion, die Europol schon im Januar 2016 auf ihrer Internetseite eumostwanted.eu mit zahlreichen Fotos und Beschreibungen von Europas meistgesuchten Verbrechern eingerichtet hatte. 25 von ihnen wurden seitdem festgenommen. Zehn Verhaftungen gingen Europol zufolge direkt auf die große Medienaufmerksamkeit sowie auf Hinweise aus der Bevölkerung zurück.

Deutsche Fahnder noch nicht mit dabei

Unter den ersten 14 Gesuchten befindet sich auch eine Frau. Die 29-jährige Efi Irodoton soll auf Zypern in betrunkenem Zustand einen Autounfall verursacht haben, bei dem ein 17-jähriger Schüler ums Leben kam. Weil sie die Justiz zunächst mit falschen Dokumenten täuschte, konnte sie flüchten.

Eine Fahndung aus Deutschland sucht man übrigens vergebens in dem Kalender. das Bundeskriminalamt hat entschieden, vorerst nicht mitzumachen bei der Aktion. Das BKA befinde sich noch in der Vorbereitung, heißt es in Wiesbaden. Wahrscheinlich wird die Bundespolizei aber nach Weihnachten einsteigen – denn dann wird „EU most wanted“ laut Europol fortgesetzt. Ohne Adventskalender und Jingle Bells.