Weihnachten

Kölner Kirche macht aus Flüchtlingsboot ein Krippenspiel

In einer Kölner Kirche steht ein Flüchtlingsboot als weihnachtliches Krippenspiel. Nicht die erste politische Aktion der Gemeinde.

Als der Kölner Kardinal Rainer Woelki im Mai die Fronleichnamsmesse vor dem Kölner Dom feierte, diente ihm das Flüchtlingsboot aus Libyen als Altar.

Als der Kölner Kardinal Rainer Woelki im Mai die Fronleichnamsmesse vor dem Kölner Dom feierte, diente ihm das Flüchtlingsboot aus Libyen als Altar.

Foto: imago stock&people / imago/epd

Köln.  Die hochschwangere Maria in einem Flüchtlingsboot aus dem Mittelmeer – diese ungewöhnliche Krippenszene zeigt jetzt eine Kölner Kirchengemeinde. Das sieben Meter lange Holzboot war vor einigen Jahren von der Maltesischen Armee beschlagnahmt und später vom Erzbistum Köln aufgekauft worden. 80 bis 100 Flüchtlinge waren darin aus Libyen geflohen.

Zurzeit befindet sich das Boot in der ehemaligen Schifferkirche St. Maria in Lyskirchen am Rheinufer. Es ist eine der zwölf romanischen Kirchen Kölns aus dem Mittelalter. Die Gemeinde besitzt eine große Krippe, die seit Jahrzehnten immer wieder um reale Figuren aus der unmittelbaren Umgebung erweitert wird.

Ein Junkie hält den Stern von Betlehem hoch

So kamen eine „Rotlicht-Dame“ und eine Obdachlose dazu und auch ein jüdischer Apotheker, der vor den Nazis nach Schweden floh. Den Stern von Bethlehem hält derzeit ein Junkie hoch. Die letzten von Künstlern neu gestalteten Figuren sind ein Roma-Mädchen und ein Flüchtling aus Eritrea, der heute in Berlin arbeitet.

In der biblischen Erzählung findet auch die Heilige Familie keine Herberge und muss später vor dem tyrannischen König Herodes fliehen. In der Kölner Krippenszene wird das Geschehen mit der Gegenwart kombiniert. So registriert der Schreiber der biblischen Volkszählung jetzt Flüchtlinge unter Anwendung deutscher und europäischer Paragrafen.

Flüchtlingsboot kommt ins Bonner Haus der Geschichte

„Faszinierend ist, wie viele Schulklassen hierherkommen“, berichtet Krippenbauer Benjamin Marx. „Das hat sich wahnsinnig rumgesprochen.“ Das Flüchtlingsboot soll später ins Bonner Haus der Geschichte. (dpa)