Palma de Mallorca

Obergrenze für Touristen

Nach Mallorca strömen jährlich mehr als zehn Millionen Gäste. Jetzt soll die Bettenzahl begrenzt werden

Palma de Mallorca. Mallorca ist zum Bersten voll. Vor allem im Sommer. Deshalb tritt die Regierung der Balearen-Insel jetzt auf die Bremse: Gedränge an den Stränden, verschmutzte Buchten, Staus auf den Straßen, Trinkwassernot – es reicht. Die Inselregierung kündigte jetzt an, dass bis nächsten Sommer ein Touristenlimit eingeführt wird. In den kommenden Wochen soll eine Höchstgrenze für Gästebetten festgelegt werden. Ist diese erreicht, ist Schluss. Über eine Begrenzung der Gästebetten soll der Reisestrom, der Probleme für die Umwelt bringt, in verträgliche Bahnen gelenkt werden. Nur in der Nebensaison von Herbst bis Frühjahr gebe es noch Kapazitäten. Doch die meisten Menschen wollen unbedingt in den drei Sommermonaten nach Mallorca, in denen sich allein schon die Hälfte aller Jahresbesucher auf der Insel drängeln.

„Und die Nachfrage steigt“, sagt Tourismusminister Biel Barceló. Auch wegen der Terrorangst in anderen Urlaubsregionen wie Tunesien, Ägypten oder Türkei. Aber man habe halt nur „begrenzte Ressourcen wie Trinkwasser und Boden“ zur Verfügung – die Grenze sei erreicht. Sogar die meisten Reiseveranstalter forderten inzwischen „mehr Nachhaltigkeit“.

Obwohl das Jahr noch nicht vorbei ist, steht jetzt schon fest: Auf Mallorca wurden in 2016 alle Rekorde gebrochen – die Touristenzahl wuchs um zehn Prozent: Bis Ende Oktober kamen mit 10,6 Millionen Urlaubern schon mehr als im gesamten vergangenen Jahr.

Allein vier Millionen Gäste flogen aus Deutschland an, 2,3 Millionen kamen aus Großbritannien – spanische Urlauber waren mit 1,1 Millionen eher eine Minderheit. Bis Ende 2016 werden auf der berühmtesten Urlaubsinsel Europas, auf der 850.000 Menschen leben, mehr als elf Millionen Urlauber erwartet.

Natürlich wissen die Inselpolitiker, dass man niemandem verbieten kann, nach Mallorca zu reisen. Deswegen wird den Umweg der Deckelung von Gästebetten eine Wachstumsbremse eingebaut. Genauer gesagt soll es für Hotels und Privatunterkünfte künftig nur Genehmigungen geben, wenn ein – noch festzulegendes – Bettenlimit noch nicht ausgeschöpft ist. Ist die Obergrenze einmal erreicht, dürfen neue Hotel- wie Vermietungsbetriebe nur noch dann aufmachen, wenn anderswo Bettenkapazitäten abgebaut werden.

Bürger protestieren mit touristenfeindlichen Parolen

Das geplante Urlauberlimit ist auch eine Reaktion auf die wachsenden sozialen Spannungen, die auf Mallorca spürbar sind. Urlaubsfeindliche Schmierereien wie „Tourists, go home“ tauchten diesen Sommer an Fassaden in Palma auf. In einer Umfrage der Inselzeitung „Diario de Mallorca“ bekräftigten 90 Prozent der Bevölkerung, „dass Mallorca durch den Tourismus überlastet ist“. Eine Bürgerinitiative protestiert gegen die Überfüllung mit einem Manifest, das den Titel trägt: „Ohne Limits keine Zukunft.“ In dem Protestaufruf heißt es: „Die Balearen werden vom zunehmenden Massentourismus und der ausufernden Bebauung immer mehr verschlungen. Der Rhythmus der Zerstörung des Landes, der Landschaft, des Lebensraumes vieler Menschen ist mittlerweile unerträglich.“

Derzeit gibt es nach Angaben der Behörden annähernd 350.000 offiziell registrierte Übernachtungsplätze auf Mallorca. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl illegaler Ferienapartments und Fincas, die ohne die notwendige gesetzliche Genehmigung „schwarz“ übers Internet vermarktet werden. Tourismusminister Barceló: „Nicht alles, was man heute touristisch anbietet, wird künftig auf dem Markt sein.“

Vor allem dem privaten Schwarzmarkt, auf dem mehr als 100.000 Betten im Angebot sind, will Barceló den Kampf ansagen. Internetplattformen wie Airbnb will er per Strafandrohung verpflichten, nur noch offiziell registrierte Unterkünfte anzubieten – ähnlich verfährt bereits die Stadt Barcelona, Spaniens meistbesuchte Touristenhochburg. Wer also auf Mallorca als privater Ferienvermieter künftig eine Erlaubnis haben will, muss bestimmte Qualitätsstandards wie etwa Reinigung, Bettwäsche und andere Serviceleistungen garantieren – und natürlich Steuern bezahlen.