Berlin

Stärker als Messi und Ronaldo

15-Jähriger besiegte drei Hirntumore. Als Anerkennung bekam er eigene Figuren im Computerspiel „Fifa 17“

Berlin. Kenton Doust ist in vielerlei Hinsicht ein Teenager wie viele andere. Er mag Sport, ist großer Fußballfan, geht gerne ins Stadion und spielt oft an der Konsole. Was man momentan nicht glaubt, wenn man den 15-jährigen Kanadier sieht: Er hat seinen Kampf gegen drei Hirntumore gewonnen. Und noch etwas an ihm ist ganz besonders: Er ist wohl der einzige „normale“ Fußballfan auf der Welt, von dem es Figuren im weltweit größten Fußball-Computerspiel „Fifa 17“ gibt.

Als einer der vielen in dem Spiel verfügbaren Trainer verbessert er die Mannschaften, die ihn im Spielmodus „Fifa Ultimate Team“ verpflichten, in Sachen Schussqualität. In den sozialen Internet-Netzwerken kursieren außerdem noch Bilder, die Doust als einen der im Spiel steuerbaren Spieler zeigen. Genau genommen: als den stärksten aller Spieler, die es bei „Fifa 17“ gibt. Der Kenton Doust, den EA Sports für den Teenager entworfen hat, hat noch mehr drauf als Lionel Messi und Cristiano Ronaldo.

Ein 15-Jähriger als der stärkste Spieler der Welt? Völlig angemessen. Denn im wahren Leben ist Kenton Doust noch viel stärker.

Der Teenager hatte zuletzt mit drei Hirntumoren gleichzeitig zu kämpfen. Im Oktober 2015 erhielt er die erschütternde Diagnose.Operation, Chemotherapie, zahlreiche Bestrahlungen musste der Junge aus Vancouver über sich ergehen lassen. Im Frühjahr gab es die wundervolle Nachricht: Er ist krebsfrei. „Das Beste, was mir jemals passiert ist“, sagt Kenton Doust über den 19. Mai, also über den Tag, an dem die Ärzte ihn für geheilt erklärten.

Doust war an diesem Tag nicht der Einzige, der überglücklich war. Der Junge bekam bei seinem Kampf viel prominente Unterstützung. Spieler seines Lieblingsklubs – die Vancouver Whitecaps – besuchten ihn regelmäßig während seiner Behandlung. Die Konten von Kenton Doust bei den sozialen Netzwerken Twitter und Instagram sind voll von Bildern, die Spieler des Profiklubs aus der Major League Soccer mit ihm machten.

Positive Lebenseinstellung und ein Lachen im Gesicht

Russell Teibert zum Beispiel, Mittelfeldspieler bei den Vancouver Whitecaps, besuchte den Jungen regelmäßig im Krankenhaus, war sogar dabei, als die Familie Doust die Nachricht von der Gesundung erhielt. „Ich liebe diesen Mann von ganzem Herzen“, schrieb Doust unter ein Instagram-Foto von ihm und Teibert.

Der wiederum sagte in einem Interview mit der Presseabteilung seines Klubs über seinen größten Fan: „Er war in so einer schwierigen Situation. Aber seine positive Einstellung und sein Lachen im Gesicht hat mich glücklich gemacht.“

Mit seinem Kampf gegen den Krebs inspirierte Kenton Doust seine Idole.
Und den Jungen bei diesem Kampf zu begleiten, sagt Russell Teibert, sei eine „unfassbare Erfahrung“ gewesen.

Und dann hörten auch die „Fifa“-Programmierer von EA Sports von Kenton Dousts Geschichte – schließlich kommt auch der renommierte Spieleentwickler aus Vancouver. Nun hilft Kenton Doust Tausenden Fifa-Spielern in „Ultimate Team“ als Superstürmer und Trainer. Unzählige Jugendliche rund um den Globus dürften den Kanadier darum beneiden – auch in Deutschland. Hier stellte „Fifa 17“ in diesem Jahr einen Verkaufsrekord auf: Allein in den ersten vier Tagen nach Verkaufsstart wurde das Spiel eine Million Mal gekauft. Das Spiel steht selbstverständlich bei Kenton Doust im Schrank. Auch im Krankenhaus war es eine willkommene Ablenkung für den Jugendlichen.

Nur zu genau erinnert sich auch Russell Teibert an seinen ersten Besuch im Krankenhaus. Da gab es keine langen Trauerbekundungen, sagt der Fußballprofi. „Wir haben sofort angefangen, ‚Fifa‘ zu spielen.“