Polizei

Der neue Streifenwagen der Polizei ist ein Tresor auf Rädern

Im Kampf gegen Extremisten bestellt die Polizei gerade einen neuen, gepanzerten Streifenwagen. Dessen Name ist Programm: Survivor.

Gegen den Panzerwagen Survivor sieht selbst eine Mercedes G-Klasse aus wie ein Spielzeug.

Gegen den Panzerwagen Survivor sieht selbst eine Mercedes G-Klasse aus wie ein Spielzeug.

Foto: SP-X

Kassel.  Eigentlich ist das Viertel um den Henschelplatz in Kassel eine ganz friedliche Gegend. Doch seit einigen Monaten wundern sich die Bewohner bisweilen. Denn was da mit Blaulicht und Polizeilackierung durch ihre Straßen fährt, kennen sie sonst allenfalls von den Abendnachrichten aus Krisengebieten der Welt: ein Panzerwagen, gegen den eine Mercedes G-Klasse aussieht wie ein Spielzeug.

Der Tresor auf Rädern trägt den Namen Survivor-R. In den Henschel-Werken vom Rüstungskonzern Rheinmetall gemeinsam mit der VW-Tochter MAN und dem österreichischen Spezialunternehmen Achleitner entwickelt, will der Survivor die Polizeibehörden aus aller Herren Länder mit diesen Testfahrten davon überzeugen, dass er der sicherste Streifenwagen der Welt ist.

Kosten: 500.000 Euro aufwärts

Sicherheit ist ein hohes Gut in diesen Tagen. Denn seit sich der politische oder religiöse Extremismus Bahn bricht, wird mächtig aufgerüstet im Land. Die Polizei tauscht endlich ihre 30 Jahre alten Sonderschutzfahrzeuge gegen moderne Panzerwagen wie den Survivor aus. So registriert Rheinmetall reges Interesse auch bei den Landesbehörden und rechnet allein aus der Bundesrepublik mit bis zu 200 Bestellungen für den kugelsicheren Kleinlaster aus Kassel.

Für Preise von 500.000 Euro aufwärts verspricht Produktmanager Klaas Krause den Beamten so etwas wie eine Lebensversicherung auf Rädern. Die Entwickler haben auf die ohnehin schon stabile Kabine mit Panzerglas-Fenstern eine zweite Rüstung geschraubt, die je nach Beschussklasse aus Spezialstahl oder aus Keramik gefertigt wird, und den Unterboden mit einem v-förmigen Schild gegen Sprengladungen gewappnet.

Zehn Zentimeter dicke Scheiben

Pistolenkugeln prallen am Survivor ab wie Rollsplit, Maschinengewehrsalven hinterlassen nur ein paar Kratzer, und selbst Handgranaten können dem Wagen angeblich nichts anhaben. Dass die Scheiben dafür zehn Zentimeter dick und unbeweglich im Rahmen verklebt sind oder allein die Türen 200 Kilo wiegen, ist ein Preis, den man für die Sicherheit gern bezahlt. Genau wie die unbequemen Hosenträgergurte, mit denen man wie ein Rennfahrer in den zum Schutz vor Explosionswellen an der Decke aufgehängten Stühlen festgezurrt wird.

So aufwendig die Konstruktion, so überraschend leicht lässt sich der Survivor fahren. Aufgebaut auf einem Lkw-Chassis von MAN und angetrieben von einem ebenfalls gepanzerten Lastwagenmotor mit sechs Zylindern und 6,9 Liter Hubraum aus der Großserie, fühlt sich der Panzerwagen kaum anders an als eine groß geratene Mercedes G-Klasse. Eine automatisierte Schaltung sortiert die zwölf Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge. Der Wendekreis ist auf 17 Meter geschrumpft. Selbst 13 Tonnen Panzerstahl fallen nicht mehr ins Gewicht, wenn man ihnen mit 330 PS und bis zu 1250 Nm zu Leibe rückt.

Zwar gönnt der Survivor sich im Gelände schon mal 40 oder 50 Liter. Auf der Autobahn liegt der Normverbrauch bei etwa 23 Litern, sodass man über 800 Kilometer fahren kann, bevor man den gepanzerten Tankstutzen aufnesteln muss.