Tierfreund

Der Mondfisch ist der Dickhäuter der Ozeane

Dr. Mario Ludwig über den schwersten Knochenfisch der Welt, die Entstehung seines Namens und die Vor- und Nachteile einer dicken Haut

Beeindruckende Erscheinung: ein Mondfisch im Ozeanarium von Lissabon

Beeindruckende Erscheinung: ein Mondfisch im Ozeanarium von Lissabon

Foto: dpa Picture-Alliance / Lou Avers / picture-alliance / Lou Avers

Der Mondfisch ist nicht nur einer der größten, sondern auch der schwerste Knochenfisch der Welt: Mondfische werden bis zu vier Meter lang und drei Meter hoch und können bis zu 2,3 Tonnen auf die Waage bringen. Auch die Körperform dürfte im Tierreich einmalig sein, erinnert sie doch an einen riesigen, senkrecht stehenden Diskus, wobei der gewaltige Kopf fast ein Drittel des Körpers ausmacht. Eine Schwanzflosse fehlt, dafür besitzt der Mondfisch an seinem Hinterteil eine Art gewellten Flossensaum.

Seinen Namen verdankt der gigantische Meeresbewohner zunächst einmal seinem scheibenförmigen Körper. Darüber hinaus ist die Haut des Mondfisches aber auch noch mit selbstleuchtenden Mikroorganismen besiedelt. Die Kombination dieser beiden Eigenschaften sorgt dafür, dass der Mondfisch, von der Seite betrachtet, in der Dunkelheit wie ein strahlender Vollmond aussieht.

Mondfische leben vor allem in den warmen Meeren wie etwa dem Pazifik oder dem westlichen Atlantik, wo sie als echte Hochseefische im offenen Ozean bis in eine Tiefe von wahrscheinlich 1000 Metern zu finden sind.

Fast wie ein Panzer

Neben den Titel „schwerster Knochenfisch der Welt“ kann der Mondfisch noch mit einem weiteren Rekord aufwarten: Er besitzt die mit Abstand dickste Haut im Tierreich. Die wird nämlich bis zu 15 Zentimeter dick und schützt das Tier – ähnlich wie ein Panzer – vor dem Biss der meisten Fressfeinde. Lediglich ganz große Meeresraubtiere wie Killerwale, weiße Haie oder Seelöwen sind in der Lage, diese übrigens auch sehr derbe Haut zu durchbeißen. Aber was ein deutlicher Vorteil ist, ist gleichzeitig auch ein Nachteil: Die Haut des Mondfisches ist ein Tummelplatz von über 50 Hautparasiten, für die eine derart dicke Leibeshülle ein Paradies ist.

Allerdings hat der Mondfisch gleich mehrere Vorgehensweisen entwickelt, um gegen die lästigen Hautparasiten vorzugehen. Meistens suchen die riesigen Meeresfische wie auch andere Großfischarten zur Hautreinigung sogenannte Putzerstationen in Seetangwiesen auf, wo Putzerlippfische warten, die sie von ihren juckenden Hautbewohnern befreien. Eine Symbiose der besonderen Art: Die Putzerlippfische erhalten eine leckere Mahlzeit, der Mondfisch wird seine lästigen Parasiten los.

Manchmal gehen die Mondfische gegen ihre ungeliebten Hautmitbewohner auch ziemlich rabiat vor: Sie schleudern sich bis zu drei Meter hoch aus dem Wasser, um sich dann mit großer Wucht auf die Wasseroberfläche klatschen zu lassen. Ein Aufprall, der selbst den widerstandsfähigsten Hautparasiten schlecht bekommt.

Einen Weltrekord hält er auch noch

Einige Mondfische haben aber noch eine deutlich elegantere Technik entwickelt, um Hautparasiten los zu werden: Sie lassen sich auf die Seite gelegt an der Wasseroberfläche treiben, als wollten sie ein Sonnenbad nehmen. Eine Angewohnheit, der der Mondfisch seinen englischen Namen „Ocean Sunfish“ verdankt.

Jüngere Beobachtungen zeigen jedoch , dass der Mondfisch bei diesem vermeintlichen Sonnenbad nicht etwa auf die Strahlen der Sonne scharf ist, sondern eine „Putzerstellung“ einnimmt, die es Möwen ermöglicht, auf seinem riesigen Körper wie auf einer Hubschrauberplattform Platz zu nehmen, wo sie dann pickend die Haut des gewaltigen Fischs von den quälenden Parasiten befreien können.

Bei den Wirbeltieren hält der Mondfisch übrigens auch den Weltrekord in Sachen Fruchtbarkeit: 300 Millionen Eier legt ein Mondfischweibchen auf einen Sitz – mehr als jedes andere Wirbeltier. Warum das Mondfischweibchen so viele Eier legt, hat man bisher noch nicht herausgefunden. Offensichtlich muss eine unglaubliche Sterblichkeit unter den Jungfischen herrschen bzw. müssen viele Jungfische Raubfischen und anderen marinen Räubern zum Opfer fallen. Ansonsten würden ja unsere Ozeane bei einer derart hohen Nachkommenzahl, von Mondfischen überflutet sein.

Dr. Mario Ludwig ist einer der bekanntesten Tierbuch-Autoren Deutschlands. An dieser Stelle schreibt er über Phänomene in der Tierwelt.