Washington

Schießerei wegen Clinton-Gerüchten

Bewaffneter Mann stürmt Lokal in Washington. Er glaubte an eine Verschwörung

Washington. Pizza essen und danach Tischtennis spielen. Oder umgekehrt. Im „Comet Ping Pong“ an der Connecticut Avenue in Washington sorgt diese seltene Gastro-Kombination seit Jahren für ein volles Haus. Seit Sonntag ist das Restaurant weltweit bekannt: als Schauplatz einer Beinahe-Tragödie, die ihre Wurzeln in Falschmeldungen und Verschwörungstheorien hat, wie sie vor und nach der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten Konjunktur haben.

Ein 28-jähriger Mann betrat gegen 15 Uhr das gut besuchte Lokal und feuerte aus einem Schnellfeuergewehr vom Typ AR-15 mehrere Schüsse ab. Niemand wurde verletzt. Binnen 45 Minuten hatte die Polizei die belebte Gegend weiträumig abgesperrt und den Täter dingfest gemacht. Was die Ermittler zu hören bekamen, ist atemberaubend.

Edgar Maddison Welch war aus Salisbury/North Carolina in die Hauptstadt gefahren, um auf eigene Faust zu überprüfen, ob denn stimmt, was seit Wochen in den schmierigsten Ecken des Internets zu finden ist. Danach sollen die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und ihr Wahlkampf-Chef John Podesta im „Comet Ping Pong“ einen Kindersex-Ring mit unterirdischen Tunneln und Verliesen betrieben haben. Schaltzentrale sei die Pizzeria. Besonders auf der Social-News-Plattform „Reddit“ schossen die Spekulationen in einschlägigen Foren ins Kraut. So sehr, dass der Besitzer der Pizzeria, James Alefantis, von Hass-E-Mails und Morddrohungen überschwemmt wurde.

Beschuldigungen sindvöllig haltlos

Laut Polizei sind die Beschuldigungen vollständig haltlos. Gleichwohl wurden sie in diversen sozialen Netzwerken bis zur Wahl am 8. November hundertfach immer wieder kolportiert.

Heikel dabei: Der Ursprung der Vorwürfe gegen Podesta geht auf den 2011 gestorbenen Chef des rechtslastigen Propaganda-Portals „Breitbart News“ zurück. Andrew Breitbart hatte via Twitter Podesta in die Pädophilen-Ecke gerückt. Ohne jeden Beleg. Breitbarts Nachfolger Stephen Bannon ist heute der Chef-Stratege von Präsident Donald Trump im Weißen Haus.