Immunschwäche

Zum Welt-Aids-Tag: Was man über HIV wissen muss

| Lesedauer: 5 Minuten
Roswitha Putz
Fast 40 Millionen Menschen sind weltweit seit den 1980er-Jahren an der Pandemie gestorben.

Fast 40 Millionen Menschen sind weltweit seit den 1980er-Jahren an der Pandemie gestorben.

Foto: Piyal Adhikary / dpa

Der 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. 84.000 infizierte Männer und Frauen leben aktuell in Deutschland. Die wichtigsten Antworten.

Berlin.  Heute ist Welt-AIDS-Tag. Fast 40 Millionen Menschen sind weltweit seit den 1980er-Jahren an der Pandemie gestorben – und täglich werden es mehr. Doch was ist der Unterschied zwischen HIV und AIDS? Wie kann man sich davor schützen? Und wie weit ist die Medizin bei der Bekämpfung der Krankheit?

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Aids und HIV zusammengefasst.

Der Unterschied zwischen HIV und Aids

HIV ist die Abkürzung für „Humanes Immundefizienz-Virus“, auf Deutsch: menschliches Abwehrschwäche-Virus. HIV schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte. Das Immunsystem wird so weit geschwächt, dass sich der Körper nicht mehr gegen Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren wehren kann.

Von Aids „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ (erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom) spricht man, wenn bestimmte, lebensbedrohliche Krankheiten auftreten. Zum Beispiel eine schwere Lungenentzündung.

Kann ich mich dagegen impfen?

Nein. Es gab zwar schon ein paar vielversprechende Forschungsansätze, die dann aber doch nicht den erhofften Erfolg brachten. Eine verlässliche Prognose, wann ein Impfstoff kommt, gibt es nicht. „Der Grund liegt in der Vielfalt und in der Veränderbarkeit des HI-Virus. Das macht es der Forschung besonders schwer“, informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Kann HIV/Aids geheilt werden?

Nein. Auch wenn die Lebenserwartung der Infizierten in den vergangenen Jahren dank intensiver Forschung und neuer Medikamente stark gestiegen ist und die Betroffenen lange Zeit symptomfrei leben können, ist die Krankheit nach wie vor unheilbar. Jedoch: Eine Heilung ist in absehbarer Zeit nach Einschätzung der BZgA nicht in Sicht.

Das Virus ist nicht heilbar, aber beherrschbar

Allerdings ist das Virus beherrschbar – mit einer Kombinationstherapie sogenannter antiretroviraler Medikamente. Sie sollen einerseits verhindern, dass das Virus in die Zellen eindringt, andererseits, dass es dort das Kommando übernimmt. Betroffene müssen die Medikamente ein Leben lang einnehmen.

Können Medikamente die Übertragung verhindern?

Eine der vielversprechendsten Methoden ist die sogenannte PrEP (Präexpositionsprophylaxe). Dabei nehmen nicht infizierte Menschen Medikamente, die eine Ansteckung verhindern. Das Medikament kann die Konzentration des HI-Virus beziehungsweise die Zahl infizierter Zellen in den Körperflüssigkeiten und Schleimhäuten vermindert.

Bis zu 90 Prozent kann das Ansteckungsrisiko durch PrEP gesenkt werden – ein Restrisiko bleibt also. In Europa ist PrEP seit August 2016 zugelassen und ist seit Oktober auch in Deutschland erhältlich.

Wie steckt man sich mit HIV an?

Ein Infektionsrisiko besteht nur, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Zu den Körperflüssigkeiten gehören vor allem Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und der Flüssigkeitsfilm auf den Schleimhäuten von Penis-, Darm- und Scheide sowie Muttermilch.

HIV wird am häufigsten beim ungeschützten Sex übertragen. Risikoreich ist es auch, beim Drogenkonsum eine Spritze gemeinsam mit anderen Personen zu verwenden. Beim normalen alltäglichen Kontakt wie Händeschütteln, Schmusen oder Küssen besteht keine Ansteckungsgefahr. Auch nicht beim Husten oder Niesen.

Ist eine HIV-Ansteckung durch eine erhaltene Blutspende möglich?

Theoretisch ja, aber in Deutschland wird gespendetes Blut sehr genau auf eine ganze Reihe von Erkrankungen überprüft. Hierzu gehört auch HIV. Entsprechend besteht „nur ein äußerst geringes Restrisiko durch den Zeitraum zwischen einer eventuellen Ansteckung des Spenders und der Nachweisbarkeit von HIV-Antikörpern oder Virusbestandteilen“, betont die BZgA.

Wie kann ich mich vor HIV schützen?

Vor HIV kann man sich durch Safer Sex und Safer Use gut schützen. Safer Sex heißt, dass man bei jeder Form von Geschlechtsverkehr unter anderem ein Kondom benutzt. Safer Use bedeutet, dass man beim Drogenkonsum insbesondere nur sterile Spritzen verwendet und auch sein Schnupfröhrchen nicht mit anderen teilt.

Wenn jemand sagt, er hat kein HIV, kann man sich darauf verlassen?

Nein, denn nicht immer weiß der Betroffene von seiner Infektion. HIV wird vor allem von Personen übertragen, „die selbst ganz frisch infiziert sind und die deshalb häufig selbst noch nichts von ihrer Infektion wissen“, so die BZGA.

Wie und wo kann ich einen HIV-Test machen?

Nur ein HIV-Test kann Gewissheit schaffen, ob eine Infektion vorliegt oder nicht. Sie werden von Gesundheitsämtern und Arztpraxen angeboten. Hierfür ist eine Blutentnahme nötig. Eine Infektion lässt sich sicher nach sechs Wochen bis drei Monaten nach der Ansteckung nachweisen. Der Test darf nur mit Einwilligung der betroffenen Person durchgeführt werden. Sogenannte „Heimtests“ sind in Deutschland nicht zu gelassen.

Wie viele Personen sind betroffen?

Mehr als 84.000 infizierte Männer und Frauen leben aktuell in Deutschland, schätzt das Robert-Koch-Institut (RKI). 3200 Personen infizierten sich 2015 bundesweit neu mit HIV, etwa genauso viele wie 2014.

Welche Personengruppe ist besonders gefährdet?

Nach wie vor sind Männer, die mit Männern Sex haben, die am stärksten von HIV betroffene Gruppe. 2200 von den 3200 Neuinfektionen in Deutschland gehören laut dem Robert-Koch-Institut zu dieser Gruppe. 750 Betroffene haben sich auf hetero­sexuellem Wege infiziert, 250 bei intra­venösem Drogen­konsum.

Wie hoch ist die Lebenserwartung von Menschen mit HIV?

Wird die Infektion früh erkannt und therapiert, können Infizierte genauso lange leben wie Menschen ohne HIV. (bekö/lary)

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