Zugunglück

Bad Aibling: Fahrdienstleiter hat kurz vor Unglück gechattet

Rettungskräfte im Februar 2016 an der Unfallstelle. Zwölf Menschen kamen bei dem Zugunglück ums Leben.

Rettungskräfte im Februar 2016 an der Unfallstelle. Zwölf Menschen kamen bei dem Zugunglück ums Leben.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Wenige Minuten vor dem Zugunglück hat der Fahrdienstleiter sein Handy aktiv bedient: Er chattete mit Mitspielern eines Online-Spiels.

Traunstein.  Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Fahrdienstleiter von Bad Aibling hat am Morgen des Zugunglücks in Oberbayern mehrmals auf seinem Handy mit Mitspielern eines Online-Videospiels gechattet. Dies sagte am Montag ein Mitarbeiter jener Firma aus, deren Spiel der 40-Jährige gespielt hatte. Ein Chat erfolgte nach den Aufzeichnungen der Firma rund zwölf Minuten vor dem Zusammenstoß der beiden Nahverkehrszüge am 9. Februar.

Die Befragung des Firmenmanagers aus Rumänien vor dem Landgericht Traunstein ergab auch, dass der Fahrdienstleiter sein Handy aktiv bedienen musste, um online spielen können. Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn gestanden, bis kurz vor dem Zusammenstoß auf seinem Smartphone gespielt zu haben. Bei dem Fantasy-Rollenspiel geht es darum, Dämonen auszulöschen.

Gutachter konnte wegen Krankheit nicht aussagen

Ein wichtiger Sachverständiger konnte am Montag vor Gericht wegen Krankheit nicht aussagen. Der IT-Experte hatte die Daten auf dem Handy des angeklagten Fahrdienstleiters ausgelesen und sollte am vierten Verhandlungstag vor dem Landgericht Traunstein darüber berichten. Er wird sein Gutachten stattdessen voraussichtlich am Donnerstag abgeben.

Weil die Aussage eines ebenfalls geladenen Psychologen auf dem Gutachten des IT-Experten aufbaut, wurde auch der zweite Gutachter am Montag nicht gehört. Er sollte zur Frage Stellung nehmen, inwieweit das Handyspielen die Konzentration des Fahrdienstleiters bei seiner Arbeit im Stellwerk beeinflusst hatte.

Urteil für 5. Dezember erwartet

Der Fahrdienstleiter ist wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Beim Zusammenstoß der Nahverkehrszüge waren zwölf Menschen gestorben. 89 Insassen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 5. Dezember verkündet. (dpa)

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