Luftbrücke

Der „Rosinenbomber“-Erfinder kennt noch Kinder von einst

Er hatte den Berlinern Kindern kleine Glücksmomente beschert: Mit 96 Jahren ist der „Rosinenbomber“-Erfinder wieder in Deutschland.

Gail Halvorsen war der Mann, der die Versorgungsflüge nach Berlin zu „Rosinenbombern“ machte. Fast 70 Jahre später ist der Pilot, der immer noch seine Lizenz besitzt, wieder in Deutschland.

Gail Halvorsen war der Mann, der die Versorgungsflüge nach Berlin zu „Rosinenbombern“ machte. Fast 70 Jahre später ist der Pilot, der immer noch seine Lizenz besitzt, wieder in Deutschland.

Foto: FMG, Boris Roessler/dpa

Frankfurt/Berlin.  Er ist 96 Jahre alt, er hat noch seine Pilotenlizenz und kennt noch einige der Kinder von einst, für die er vor fast 70 Jahren Süßigkeiten abwarf und damit der erste „Rosinenbomber“ war: Der ehemalige amerikanische Luftwaffenpilot Gal Halvorsen sagte am Montag, die Flüge und die Begegnungen mit Berliner Kindern hätten sein Leben verändert. „Ich werde nie ihre Dankbarkeit vergessen.“

Halvorsen ist derzeit wieder in Deutschland, war als Zeitzeuge am Frankfurter Luftbrückendenkmal, das am Montag nach seiner Neugestaltung eingeweiht wurde. Halvorsen hatte vom Juli 1948 an von der damaligen Rhein-Main Base im Rahmen der Luftbrücke Lebensmittel, Kohle und Medikamente nach West-Berlin geflogen. Die geteilte Stadt war auf dem Land-, See- und Schienenwegs nicht mehr erreichbar, nachdem die sowjetischen Verwaltungsbehörden die Zugangswege nach West-Berlin gesperrt hatten.

Schokolade an Taschentücher gehängt

Halvorsen war der erste Pilot, der seine Maschine zum „Rosinenbomber“ gemacht hatte. Eines Tages habe er sich an den Stacheldraht gestellt und sich mit einer Gruppe acht bis 15 Jahre alter Berliner Kinder unterhalten. „Diese Kinder hatten nichts, gar nichts“ sagt er.

Aber keines dieser Kinder habe um irgendwas gebettelt. „Sie waren dankbar, frei zu sein – das war wichtiger als Schokolade.“

Halvorsen reichte zwei Streifen Kaugummi durch den Zaun: „Ihre Augen wurden ganz groß!“, erinnert er sich. Der Kaugummi wurde aufgeteilt – und Halvorsen gab den Kindern ein Versprechen: „Wenn ich morgen wieder nach Tempelhof fliege, werfe ich euch beim Anflug Süßigkeiten ab!“ Und damit die Kinder angesichts der innerhalb weniger Minuten anfliegenden Flugzeuge seine Maschine erkannten, wollte er mit den Tragflächen wackeln.

In einer Dokumentation im US-Fernsehen berichtete er von den Anfängen:

Mädchen malte ihm Adresse

Die Idee schlug großartig ein, fand Nachahmer und immer breitere Unterstützung. 250.000 Fallschirme mit Süßigkeiten seien geschnürt und abgeworfen worden. Die Flüge wurden wegen der süßen Fracht als „Rosinenbomber“ bekannt, obwohl ihr eigentlicher Zweck die Versorgung der Stadt mit lebensnotwendigen Gütern war.

Mit einigen der Kinder von damals hat er noch heute Kontakt – etwa dem Mädchen, das ihm eine Karte mit ihrer Adresse malte, weil sie gegen die größeren Kinder beim Andrang auf die Fallschirme mit süßer Ladung nicht zum Zug kam: „Sie wohnt immer noch unter der gleichen Adresse. Wenn ich in Berlin bin, sehe ich sie.“ Auch im Cockpit fühlt er sich immer noch zu Hause: „Ich habe noch meine Pilotenlizenz. Mit meinen Augen ist schließlich alles in Ordnung“, versicherte er.

Rosinenbomber sind ausgestellt

Am Frankfurter Luftbrückendenkmal neben der Autobahn stehen außer der „Hungerkralle“, die für die drei Flugkorridore nach und von Berlin steht, auch heute noch zwei Original-„Rosinenbomber“. Auch über dem Technikmuseum in Berlin hängt ein Flugzeug aus der „Rosinenbomber“-Flotte. (law/dpa)