Renovierung

Im Buckingham-Palast von Königin Elizabeth bröckelt der Putz

Der Buckingham-Palast kriegt eine Generalüberholung. Nicht alle halten die Ausgaben von mehr als 400 Millionen Euro für gerechtfertigt.

Von außen ganz stattlich: Buckingham Palace, die Londoner Residenz von Queen Elizabeth II. An der Fassade ist der Renovierungsbedarf nicht zu sehen.

Von außen ganz stattlich: Buckingham Palace, die Londoner Residenz von Queen Elizabeth II. An der Fassade ist der Renovierungsbedarf nicht zu sehen.

Foto: Chris Jackson / Getty Images

London.  Die Fenster schließen nicht dicht, und es zieht. Und wenn das Wetter schlecht ist, muss das Personal schon mal Eimer aufstellen, um die Regentropfen von der Decke aufzufangen. Der Buckingham-Palast, die 1703 erbaute Londoner Residenz von Queen Elizabeth II., braucht dringend eine Generalüberholung, denn der Putz bröckelt.

Seit den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind zum Beispiel die elektrischen Leitungen oder Wasserrohre nicht mehr modernisiert worden. Jetzt hat der Palast angekündigt, ab nächstem April ein umfassendes Renovierungsprogramm aufzulegen. Kostenpunkt: 369 Millionen Pfund, umgerechnet 430 Millionen Euro. Der Palast wird zur Dauerbaustelle: Zehn Jahre etwa werden die Arbeiten dauern.

152 Toiletten werden modernisiert

Die Aufgabe ist immens. Aber zum Glück muss die Queen nicht ausziehen, denn es soll Flügel für Flügel abgearbeitet werden. Begonnen wird mit dem Ostflügel, den alle Welt als die Fassade des Palastes mit dem berühmten Balkon kennt. Dann renoviert man im Uhrzeigersinn weiter.

Rund 100 Meilen an elektrischen Kabeln müssen verlegt, gut 30 Meilen an Wasserrohren müssen ausgetauscht und 30.000 Quadratmeter Dielenbretter erneuert werden. Hinzu kommt die Modernisierung von 152 Toiletten, gut 2500 Heizkörpern und 6500 Steckdosen. Im Jahr 2025, freut sich Tony Johnstone-Burt, der „Master of the Queen’s Household“, habe man dann „einen Palast, der bis 2067 tipptopp ist“.

Regierung gewährt Queen Gehaltserhöhung

Um das ehrgeizige Projekt zu finanzieren, hat die Regierung der Queen kurzerhand eine satte Gehaltserhöhung gewährt. Sie erhält den sogenannten Sovereign Grant, der 15 Prozent der Profite der Kronbesitztümer ausmacht. Über die nächsten zehn Jahre soll sie 25 Prozent bekommen, also statt der bisherigen rund 40 Millionen künftig um die 70 Millionen Pfund im Jahr. Das ist eine Erhöhung von 66 Prozent.

Kein Wunder, dass Protest laut wird. „Der Gesundheitsdienst bricht zusammen, unsere Straßen wimmeln von wohnungslosen Jugendlichen, und Tausende Familien müssen sich von Tafeln ernähren“, so der „Mirror“, ein eher republikanisch gesinntes Blatt.

Man habe einfach mehr und mehr Missstände entdeckt, die es zu reparieren gilt, heißt es. Der königliche Haushaltschef Johnstone-Burt argumentierte, dass eine Renovierung billiger käme, weil man damit „einen viel teureren und katastrophalen Gebäudeschaden in den kommenden Jahren“ verhindern würde. Außerdem könne man nach der Renovierung den Palast für zahlende Gäste länger offen halten.