Unfall

Mehr als 100 Menschen sterben bei Zugunglück in Nordindien

In Nordindien ist ein Fernzug entgleist.14 Wagen sprangen aus den Schienen. Bei dem Unglück wurden mehr als 200 Passagiere verletzt.

Der Fernzug entgleiste um kurz nach drei Uhr Ortszeit in Uttar Pradesh.

Der Fernzug entgleiste um kurz nach drei Uhr Ortszeit in Uttar Pradesh.

Foto: Str / dpa

Neu Delhi.  Bei einem schweren Zugunglück in Indien sind am frühen Sonntagmorgen mindestens 119 Menschen gestorben. Das bestätigte Prabhakar Chaudhury, Polizeipräsident der betroffenen Region im Bundesstaat Uttar Pradesh. Die Zahl der Toten könne aber noch weiter steigen. Mehr als 200 Passagiere wurden verletzt, 75 von ihnen schwer.

Kurz nach drei Uhr Ortszeit entgleiste ein Fernzug in Uttar Pradesh in der Nähe der Ortschaft Pukhrayan. Mindestens 14 Waggons sprangen von den Schienen. „Zwei der Waggons sind völlig zerstört“, sagte Daljeet Singh Choudhury von der lokalen Polizei.

„Wir können uns nur langsam in die zerstörten Waggons vorarbeiten“, sagte Bahnsprecher Anil Saxena. „Es könnten noch Überlebende in den Wagen sein. Wir müssen durch die Metallwände schneiden, um sie zu erreichen.“ Laut seiner Schätzung befanden sich zum Unfallzeitpunkt zwischen 100 und 150 Menschen in den besonders schwer beschädigten Wagen.

Mehr als 1000 Passagiere regulär im Zug

Fernsehbilder zeigten entgleiste und teilweise völlig zerstörte Waggons. Dutzende Menschen trugen ihr Gepäck zu Fuß über leer stehende Felder, um die zum Abtransport bereitgestellten Busse zu erreichen. „Wir wachten plötzlich auf, als der Zug mit einem heftigen Ruck und lautem Quietschen zum Stehen kam“, sagte ein Augenzeuge dem Fernsehsender NTDT. „Wir schafften es, auszusteigen, und sahen überall auf den Gleisen Teile der Achsen und Räder verteilt.“

Der Patna-Indore-Express verunglückte etwa auf der Hälfte seiner mehr als 1400 Kilometer langen Strecke durch Nordindien, für die er laut Fahrplan 27 Stunden Reisezeit braucht. Regulär hat der Zug 21 Waggons und fasst deutlich mehr als 1000 Passagiere.

Unfallursache noch unbekannt

Die Unfallursache war bis zum Sonntagmorgen laut Bahnsprecher Saxena noch unbekannt. Aus dem Bahnministerium hieß es jedoch, dass baufällige Schienen den Zug zum Entgleisen gebracht haben könnten.

Bahnminister Suresh Prabhu kündete eine umfassende Untersuchung des Unfalls an. „Wir werden so hart wie möglich gegen diejenigen vorgehen, die für den Unfall verantwortlich sein könnten“, schrieb er auf Twitter. „Alle mögliche Hilfe wurde mobilisiert.“ Das Ministerium teilte mit, Prabhu sei auf dem Weg zur Unfallstelle, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen.

Jedes Jahr neue Unfälle

„Unbeschreiblicher Schmerz wegen des entgleisten Patna-Indore- Express“, schrieb der indische Premierminister Narendra Modi auf Twitter. „Meine Gedanken sind bei den Familien, die so schwere Verluste erlitten haben.“ Er kündigte finanzielle Hilfen für die Angehörigen der Gestorbenen und für die Schwerverletzten an.

Indiens Züge transportieren jeden Tag 23 Millionen Menschen in etwa 12.000 Zügen. Das gigantische Schienennetz wird oft als „Lebensader der Nation“ bezeichnet, da Inder aller Kasten und Klassen es benutzen. Das Netz wurde von den britischen Kolonialherren gebaut, um Handelsgüter wie Baumwolle zu den Häfen zu schaffen.

Seit der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 wurden kaum neue Gleise verlegt, da die Bahn damit beschäftigt ist, das vorhandene Netz zu erhalten. Jedes Jahr kommt es bei der indischen Bahn zu zahlreichen Unfällen mit vielen Toten. (dpa)