Gewaltverbrechen

Eltern besuchen misshandeltes Kind in Hamburger Klinik

Die Eltern des schwer misshandelten Mädchens haben ihre Tochter offenbar im Krankenhaus besucht. Der Vater steht unter Tatverdacht.

Das Altonaer Kinderkrankenhaus. Ein Paar steht unter Verdacht, ein vierjähriges Mädchen mit lebensgefährlichen Verletzungen abgegeben zu haben – und dann verschwunden zu sein.

Das Altonaer Kinderkrankenhaus. Ein Paar steht unter Verdacht, ein vierjähriges Mädchen mit lebensgefährlichen Verletzungen abgegeben zu haben – und dann verschwunden zu sein.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Hamburg.  Nach der mutmaßlichen schweren Misshandlung eines vierjährigen Mädchens befinden sich die Eltern des Kindes weiterhin in Hamburg. Nach Informationen des „Hamburger Abendblatt“ besuchte das Paar aus Bulgarien in den vergangenen Tagen mehrmals seine Tochter im Kinderkrankenhaus. Dort war das Mädchen am Sonntag wegen akuter Lebensgefahr mehrfach notoperiert worden, inzwischen ist ihr Zustand stabil. Wie berichtet, hatten die Eltern das Kind am Sonntag in einer Notfallpraxis abgegeben und waren dann verschwunden.

Das Mädchen wies innere Verletzungen und Hämatome am gesamten Körper auf, die wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum hinweg entstanden sind. Die Mordkommission ermittelt wegen versuchten Totschlags, es liegt aber kein Haftbefehl gegen die Eltern vor. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft wollte den Fall mit Blick auf die Ermittlungen nicht kommentieren.

Mädchen erst seit einer Woche in Hamburg

Wie es in Polizeikreisen heißt, kamen die Eltern erst vor vier Wochen aus Bulgarien nach Hamburg – offenbar zunächst ohne ihr Kind. Das Mädchen halte sich demnach erst seit etwa einer Woche in der Stadt auf. Die Familie wohnte zuletzt in einer privaten Unterkunft. In der Notfallpraxis hatten sie angegeben, die Vierjährige habe einen schweren Fahrradunfall erlitten. Das dortige Personal rief die Polizei, welche die Eltern vor Ort aber nicht mehr antraf. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Verletzungen sehr wahrscheinlich von schwerer Gewalteinwirkung mit Händen oder Gegenständen herrühren.

Über bleibende Schäden beim Kind ist nichts bekannt

Nach den bisherigen Ermittlungen richtet sich der Tatverdacht nicht gegen die Mutter. Möglich ist demnach, dass das Kind bereits in seiner Heimat Misshandlungen ausgesetzt war. Die lebensgefährlichen Verletzungen müssten aber in Hamburg, möglicherweise durch den Vater des Kindes, entstanden sein. Dieser wird von Ermittlern als aufbrausend beschrieben. Für eine Verhaftung reichen die bisherigen Erkenntnisse nicht aus.

Über mögliche bleibende Schäden bei dem Kind infolge der Misshandlung ist bislang nichts bekannt. Ob die Eltern als Touristen oder zur Arbeitssuche nach Hamburg gekommen waren, ist ebenfalls unklar.

Die bulgarische Familie wurde nach ihrer Ankunft zunächst nicht ausländerrechtlich erfasst oder vom Jugendamt betreut. Offenbar sprach das Paar im Krankenhaus mithilfe von Dolmetschern mit den Ärzten.

Dieser Text erschien zuerst auf www.abendblatt.de