Rapperin

Schwesta Ewa wegen Verdacht auf Menschenhandel festgenommen

Die Rapperin Schwesta Ewa aus Frankfurt soll Fans zur Prostitution gezwungen haben. Jetzt wurde die 32-Jährige in NRW festgenommen.

Das SEK holte die Rapperin Ewa Müller ab.

Das SEK holte die Rapperin Ewa Müller ab.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jazz Archiv / Michi Reimers / picture alliance / Jazzarchiv

Arnsberg.  Um 8.30 Uhr brechen maskierte Polizisten die Tür auf. Acht Männer stürmen das Haus. Schwesta Ewa schläft noch. Sie ist gerade in Arnsberg-Oeventrop (Nordrhein-Westfalen) zu Gast, weil sie dort ihr neues Album aufnehmen möchte. Die Beamten legen der 32-Jährigen Handschellen an. Gehen dabei nicht zimperlich vor. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wirft der Skandal-Rapperin vor, Fans zur Prostitution gezwungen zu haben.

Sie sagt: „Ich äußere mich nicht ohne meinen Anwalt.“ Dann wird sie abgeführt und nach Frankfurt gefahren. Auch in der Main-Metropole soll es mehrere Festnahmen gegeben haben. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt bestehe der Verdacht des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und der Zuhälterei. Außerdem wird ihr Körperverletzung vorgeworfen.

Nach Informationen der „Bild“ soll die Beschuldigte den Opfern Miete, Kleidung und Kosmetika bezahlt haben, dann hätten die Frauen ihre Schulden als Prostituierte abarbeiten müssen. Bei den mutmaßlichen Opfern soll es sich um fünf Frauen handeln.

Mit 16 Jahren Prostituierte

Wer ist Schwesta Ewa überhaupt? Die Rapperin heißt mit bürgerlichem Namen Ewa Müller. Sie zog als kleines Kind mit ihrer Mutter von Polen nach Kiel. Der „Welt“ erzählte sie im Interview, dass sie Ergotherapeutin werden, den Realschulabschluss machen wollte ... „Aber ich bin daran gescheitert, weil ich in der Schule Gras verkauft habe und erwischt wurde.“

Mit 16 Jahren arbeitet sie als Prostituierte und soll nach eigenen Angaben bis zu 20.000 Euro im Monat verdient haben. Vor vier Jahren steigt sie aus dem Rotlicht- ins Deutschrap-Geschäft ein. Sie schreibt Lieder über ihre Vergangenheit. Für sie sei das eine Art Therapie. Die Sprache ist derb, teils prollig, sie postet freizügige Fotos im Netz, ihre Musikvideos werden millionenfach angeklickt. Immer wieder gibt es aber auch Ärger mit der Polizei. In ihrer Bar in Frankfurt finden mehrere Razzien statt.

Ewa wollte neues Album aufnehmen

Das neue Deutschrap-Album sollte nun in Arnsberg aufgenommen werden. In seinem Tonstudio betreut Michael Fritz hauptsächlich HipHop-Künstler – mit Erfolg: Alle Alben des Rappers SSIO wurden im Sauerland produziert, das zweite landete kurz nach der Veröffentlichung auf Platz eins der Deutschen Albumcharts . Fritz ging mit Schwesta Ewa auf Tour. „Wir sind schon seit sechs Jahren befreundet.“ Deshalb war auch klar, dass Schwesta Ewa ihr Album in seinem Studio aufnimmt. 16 Songs in zwei Wochen. Aber daraus wird nun erst einmal nichts.

Wer bezahlt den Schaden?

„Meine Tante rief mich morgens an und sagte: Der Hof steht voll Polizei,“ erzählt Michael Fritz vom Morgen der Festnahme. Er sei aus allen Wolken gefallen. Fritz: „Über die Vorwürfe weiß ich nichts, aber ich ärgere mich über das SEK. Die hätten auch einfach klingeln können, stattdessen wird mit einem Rammbock die Tür zertrümmert.“ Er schlief die erste Nacht mit offener Wohnungstür und Haustür. „Die Frage, wer das jetzt bezahlt, wurde mir auch nicht richtig beantwortet. Das ist eine Schweinerei, unbeteiligte Bürger auf dem Schaden sitzen zu lassen.“

• Dieser Artikel erschien zuerst auf der Website der Westfalenpost.