Paris

Das Bataclan ist wieder da

| Lesedauer: 4 Minuten

Ein Jahr nach den Anschlägen von Paris wird der legendäre Klub wiedereröffnet – mit einem Sting-Konzert

Paris. Zu Beginn bittet Sting die Zuschauer um eine Schweigeminute für die Opfer. „Wir werden sie nicht vergessen“, sagt der britische Superstar. An diesem Abend, fast ein Jahr nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris, spielt er in dem legendären Klub Bataclan ein Benefizkonzert zur Wiedereröffnung. „Immense Gefühle im Raum“, beschreibt ein Besucher diesen Moment auf Twitter. Der Saal mit rund 1500 Plätzen ist ausverkauft, im Publikum sind auch Angehörige von Opfern. Das Konzert findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. In dem Klub waren am 13. November letzten Jahres 90 Menschen ums Leben gekommen, insgesamt starben 130 Menschen bei den Anschlägen.

Sting beschreibt die Anschläge als „Albtraum“

„Fragile“ und „Message In A Bottle“ sind die ersten Songs, mit denen Sting den emotionalen Abend beginnt. Als der Künstler sein mit syrischen Flüchtlingen in Berlin aufgenommenes Lied „Inshallah“ – „So Gott will“ anstimmt, „brandet Applaus durch den Raum“, twittern mehrere Konzertbesucher.

Kurz vor dem Auftritt hatte der 65-Jährige in einem Interview gesagt, dass er die Pariser Terroranschläge vor einem Jahr als „Albtraum“ erlebt habe. „Das war wirklich eine Katastrophe“, sagte der Künstler dem Nachrichtenportal n-tv.de. „Ich hatte gerade so viel Zeit in Paris verbracht. Die französische Kultur war mir immer wichtig. Wenn man an Romantik denkt, an Liebe und Sinnlichkeit, dann kann man doch gar nicht anders, als an Paris zu denken. Und plötzlich wird man dann voll aus dem Film rausgerissen. Es war schlimm.“

Sting hat Paris nicht nur häufig besucht, hier hat er auch vor nunmehr 38 Jahren in einem kleinen Hotel unweit des Saint Lazare-Bahnhofs den Song „Roxanne“ geschrieben, der der Rockgruppe Police zum internationalen Durchbruch verhalf.

Wie froh er darüber ist, ausgerechnet Sting zur Wiedereröffnung gewinnen zu können, hatte Bataclan-Betreiber Jérôme Langlet immer wieder betont. „Wir werden niemals vergessen können, was hier geschah“, sagte er, „aber es ist eine sehr gute Nachricht, dass gerade ein engagierter Künstler wie Sting der Welt zeigen will, dass das Bataclan weiterlebt.“ Der Engländer habe sofort zugesagt, die Konzerthalle, in der er 1979 als Leadsänger von Police zum ersten Mal auftrat, wiederzueröffnen. Der Musiker selbst hatte auf seiner Webseite betont, dass sein Konzert sowohl dem Gedenken an die Opfer gewidmet sei als auch „dem Leben und der Musik“. Die Einnahmen von Sonnabend will er komplett spenden. Sie gehen mit „Life for Paris“ sowie „13 Novembre: Fraternité und Vérité“ an zwei Vereine, die sich für die Opfer und Hinterbliebenen der Anschläge einsetzen.

Am heutigen Sonntag, dem Jahrestag der Attentate, bleibt das Bataclan geschlossen. „Der Tag ist für uns ein Moment der Besinnlichkeit“, hatte Langlet betont. Jeder solle ihn auf seine Weise begehen können. Ganz zur Ruhe wird es um die Konzerthalle aber wohl nicht kommen: Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hildago wird eine Gedenktafel am Bataclan enthüllen, so wie auch an den drei anderen Orten der Anschläge vom 13. November.

Zur Zeremonie werden auch Mitglieder der US-Band „Eagles of Death Metal“, die während des Anschlags auf der Bühne stand, sowie Hinterbliebene und Überlebende erwartet. Offizielle Reden sollen nicht gehalten werden: Das hatten sich die Betroffenen verbeten. Sie wollen nicht, dass ihr Schicksal politisch ausgeschlachtet wird. Ursprünglich war das erste Konzert für den 16. November geplant. Der britische Musiker Pete Doherty wird dann auftreten, gefolgt von Rock-Legende Marianne Faithfull am 25. November. Bis zum Frühjahr stehen mehr als 20 Konzerte auf dem Programm. Den Betreibern war es aber wichtig, noch vor dem Jahrestag wieder zu eröffnen. Sting machte es möglich.

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