Benefizkonzert

EoDM-Frontmann durfte nicht zur Bataclan-Eröffnung mit Sting

Die Kultur erobert sich den Club Bataclan zurück. „Eagles of Death Metal“-Frontman Jesse Hughes durfte aber nicht zum Sting-Konzert.

Sting auf der Bühne des Bataclan.

Sting auf der Bühne des Bataclan.

Foto: Boris Allin / Bataclan / Handout / dpa

Paris.  In Paris ist der Club Bataclan mit einem Konzert des britischen Popsängers Sting eröffnet worden. Ein Jahr nach dem Anschlag durch Selbstmordattentäter des IS soll das Konzert auch ein Zeichen sein. „Wir werden sie nicht vergessen“, sagte der englische Popsänger. Er ließ eine Schweigeminute folgen und begann sein Konzert dann mit dem ruhigen Song „Fragile“ („zerbrechlich“). Weiter ging es mit „Message in a bottle“.

Sting hatte bewusst auch den arabischsprachigen Titel „Inshallah“ (So Gott will) ins Programm genommen. „Ein schönes Wort“, sagte er bei dem Konzert. Applaus im Saal. Für sein neues Album hat er den Song mit syrischen Flüchtlingen in Berlin aufgenommen – auch ein Signal an die Scharfmacher und Hassverbreiter.

Mehr als 20 Konzerte bis zum Frühjahr

Die Botschaft des Konzerts hatte mittags schon einer der bekanntesten Karikaturisten Frankreichs in einer Zeichnung zusammengefasst: „Culture will be the strongest“ schrieb Plantu zu seinem Bild, das sich in sozialen Netzwerken schnell verbreitete. Eine Friedenstaube und Musiknoten mit Herzform fliegt an dem in bunten Farben gehaltenen Club vorbei, von einer Wolke schauen Menschen zu, manche mit Träne in den Augen. Vor einem Jahr sind sie von Terroristen förmlich hingerichtet worden. Im Bataclan nimmt das Kulturleben nun wieder seinen gewohnten Gang: Bis zum Frühjahr stehen mehr als 20 Konzerte auf dem Programm.

Bataclan verübelte EoDM-Frontmann Verschwörungstheorie

In weniger als einer Stunde waren in dieser Woche die Karten für die Wiedereröffnung mit Sting ausverkauft, viel mehr als die 1000 Tickets hätten Abnehmer gefunden. Eingeladen waren Familien, die bei dem Anschlag Angehörigen verloren haben.

Vor der Konzerthalle war ein großes Aufgebot von Polizei, auch Medienvertreter aus aller Welt standen dort. Draußen bleiben musste auch Jesse Hughes, der Frontmann der „Eagles of Death Metal“, die bei dem Anrgiff der Islamisten auf der Bühne gestanden hatten. Zwei Mitgliedern der Band sei der Zutritt verwehrt worden, bestätigte der Manager des Bataclan französischen Medien. „Es gibt Dinge, die wir nicht vergeben.“

Jesse Hughes, Anhänger der Republikaner und überzeugter Waffenbefürworter, hatte nach dem Konzert in einem Interview mit dem US-Sender Fox angedeutet, dass die Attentäter unter Mitarbeitern des Bataclan-Sicherheitspersonals Helfer gehabt hätten. Nach Protesten hatte er die Äußerungen zurückgenommen und sich entschuldigt.

Den Erlös des Konzerts hatte Sting zwei Organisationen zugesagt, die Opfern helfen. Die Einnahmen sollen mit „Life for Paris“ sowie „13 Novembre: Fraternité und Vérité“ zwei Vereinen gespendet werden, die sich für die Opfer und Hinterbliebenen der Anschläge einsetzen. „Eine großzügige Geste, die uns sehr berührt“, reagierte Alexis Lebrun. Für den Vorsitzenden von „Life for Paris“ stellt die Neueröffnung des Bataclan durch Sting „angesichts seines Werks und seines Einsatzes für die Umwelt und die Menschenrechte“ ein schönes Symbol dar.

Sting hatte Anschläge als „Alptraum“ erlebt

In der Konzerthalle waren nur Fotografen des Veranstalters zugelassen, auf Twitter fanden sich aber schnell erste Eindrücke: Sting direkt vor dem Publikum.

Vor dem Konzert hatte Sting gesagt, er habe die Pariser Terroranschläge vor einem Jahr als „Alptraum“ erlebt. „Das war wirklich eine Katastrophe“, so der Künstler zu n-tv.de. „Ich hatte gerade so viel Zeit in Paris verbracht. Die französische Kultur war mir immer wichtig. Wenn man an Romantik denkt, an Liebe und Sinnlichkeit, dann kann man doch gar nicht anders, als an Paris zu denken. Und plötzlich wird man dann voll aus dem Film rausgerissen. Es war schlimm.“

Nach seinen aktuellen Eindrücken hat sich die Situation wieder deutlich gebessert: „Die Stadt erholt sich langsam von dem Schock.“

Bataclan am Jahrestag geschlossen

Am Sonntag, dem Jahrestag der Attentate, wird das Bataclan geschlossen bleiben. „Der Tag ist für uns ein Moment der Besinnlichkeit“, betont Jérôme Langlet, Chef der Firma, die die Konzerthalle betreibt. Stattdessen wird die Pariser Bürgermeisterin Anne Hildago eine Gedenktafel an der Konzerthalle einweihen. Es hieß, dass zu der Zeremonie auch die Mitglieder der „Eagles of Death Metal“ kommen wollen.

Vor der kurzfristigen Zusage von Sting für das Benefizkonzert war das erste Konzert im Bataclan eigentlich erst am 16. November geplant. Der britische Rockmusiker Pete Doherty wird an diesem Tag sowie am 17. November auftreten, gefolgt von der Rock-Legende Marianne Faithfull am 25. November. Einige Künstler haben aber auch Einladungen der Direktion mit der Begründung ausgeschlagen, dass ein Auftritt aus emotionalen Gründen derzeit noch über ihre Kräfte gehe.

France.tv wird eine Aufzeichnung des Konzerts am 14. November ab 0.55 Uhr online veröffentlichen, zunächst war unklar, ob es von Deutschland aus abgerufen werden kann.