Ärger

Busfahrer wirft Jugendlichen aus Bus – trotz Ticket

| Lesedauer: 3 Minuten
Oliver Kühn
„Ich dachte, dass alles so richtig ist, weil der Busfahrer ja die Regeln besser kennt als ich“, sagt der 14-jährige Malik Emre Akarça, nachdem er vom Busfahrer rausgeworfen wurde.

„Ich dachte, dass alles so richtig ist, weil der Busfahrer ja die Regeln besser kennt als ich“, sagt der 14-jährige Malik Emre Akarça, nachdem er vom Busfahrer rausgeworfen wurde.

Foto: Alexandra Roth / Funke Foto Services

Ein 14-Jähriger musste anderthalb Stunden nach Hause laufen, weil er vom Busfahrer rausgeschmissen wurde. Dabei hatte er ein Ticket.

Duisburg.  Malik Emre Akarçay wartete abends nach seinem Moscheebesuch auf den Bus, um nach Hause zu fahren. Weil sein Ticket defekt war, forderte ihn der Busfahrer dazu auf, den Bus zu verlassen und ihm sein Ticket zu geben. Malik lief die vier Kilometer bis nach Hause und brauchte anderthalb Stunden für den Heimweg – statt 30 Minuten.

„Ich bin entsetzt“, sagt seine Mutter Çiğdem Akarçay. „Wo bleibt denn bitte die Menschlichkeit?“ Zwar ließ der Busfahrer ihren Sohn einsteigen, bat ihn jedoch – nach einer Überprüfung der als Schokoticket bezeichneten Plastikkarte und einer kurzen Fahrt mit dem Bus – auszusteigen. Ein Kind könne man doch nicht einfach im Dunkeln vier Kilometer laufen lassen, findet Çiğdem Akarçay.

Fahrer zog Ticket ein

„Ich dachte, dass alles so richtig ist, weil der Busfahrer ja die Regeln besser kennt als ich“, sagt Sohn Malik, der widerspruchslos ausgestiegen sei und dem Fahrer sein Ticket übergeben habe.

Dieses holten sich seine Eltern allerdings noch am gleichen Abend persönlich beim Fahrer wieder zurück, nachdem Malik ihnen von den Vorkommnissen erzählt hatte. Familie Akarçay beschwerte sich bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft über den Vorfall. Sie wartet seit fast einem Monat auf eine Antwort.

DVG: „Wir setzen keine Minderjährigen in der Nacht aus“

„Der Vorgang wird noch bearbeitet“, sagt DVG-Sprecher Helmut Schoofs, der sich vor den Busfahrer stellt. „Wenn ich kein gültiges Ticket habe, kann ich nicht befördert werden“, ebenso wenig könne man einen Kinofilm ohne Kinokarte schauen. „Wir setzen keine Minderjährigen in der Nacht aus. Und auch nicht während des Tages.“ Korrekt sei jedoch, dass Fahrgäste, auch Jugendliche, ohne gültiges Ticket das Fahrzeug nach dem Einsteigen wieder verlassen müssen.

Ungewöhnlich an Maliks Fall ist jedoch, dass der Fahrer bereits eine Haltestelle gefahren ist, bevor die Prüfung des Ticket abgeschlossen war. Zudem soll eine Dauerfahrkarte laut Schoofs nur eingezogen werden, wenn sie offenkundig kaputt, etwa gebrochen ist.

Ticket ist bis Oktober 2017 gültig

„Unserer Tochter hatte vor zwei Jahren auch ein Schokoticket mit defektem Chip“, sagt Çiğdem Akarçay. „Sie dufte nach Hause fahren, die Karte behalten, bekam aber vom Busfahrer den Hinweis, dass sie das Ticket im Kundencenter überprüfen lassen sollte.“ Ohnehin sei auf Maliks Fahrkarte deutlich zu erkennen gewesen, dass es bis Oktober 2017 gültig ist.

DVG-Sprecher Helmut Schoofs stellt allerdings klar: „Ein Fahrer hat gewisse Richtlinien, an die er sich halten muss.“ Es gebe keinen Ermessensspielraum, denn: „Ohne gültiges Ticket wird niemand befördert.“ Wird eine Dauerkarte am Lesegerät nicht akzeptiert, könne der Inhaber allerdings eine Einzelkarte lösen.

Malik hat ein neues Ticket

Malik Emre Akarçay hatte jedoch an dem Abend kein Geld, um sich mit einer Einzelfahrkarte den anderthalbstündigen Fußweg zu ersparen. Inzwischen hat er vom DVG-Kundencenter Ersatz für sein defektes Ticket bekommen.

Doch der 14-Jährige hat seine Lehre daraus gezogen: „Ich habe jetzt immer fünf Euro für einen Notfall dabei.“ Für Çiğdem Akarçay ist der Fall nicht erledigt: „Ich möchte eine Entschuldigung von der DVG.“ Noch wartet sie auf das Antwortschreiben auf ihre Beschwerde.

Dieser Artikel ist zuerst auf derwesten.de erschienen.