Fall Peggy: NSU-Spur eine Panne?

Möglicherweise kam die DNA des Terroristen Uwe Böhnhardt durch die Polizei an den Fundort der Leiche

Erneute Wende im Mordfall Peggy: Die erst vor zwei Wochen bekannt gewordene Verbindung zwischen dem 2001 getöteten Mädchen und dem mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt besteht möglicherweise gar nicht. Durch einen Fehler der Ermittler könnte die DNA Böhnhardts an den Fundort von Peggys sterblichen Überresten gekommen sein. Sowohl beim Bergen der Leiche Böhnhardts, wie auch am Fundort des neunjährigen Mädchens in Thüringen soll „identisches Spurensicherungsgerät“ eingesetzt worden sein. Darüber informierte gestern die zuständige Staatsanwaltschaft Bayreuth. Eine Aussage zur Qualität der Spurensicherung und einer möglichen Kontamination können die Ermittler demnach aber erst nach weiteren „umfassenden und zeitaufwendigen“ Ermittlungen treffen. Zuvor hatten Medien über die mögliche Verunreinigung berichtet.

Das Bundeskriminalamt und die Soko Peggy hätten den Befundbericht vom Fundort der Knochen des Mädchens und den Obduktionsbericht zu Böhnhardt abgeglichen. So hätten sich die neuen Erkenntnisse ergeben. Die Soko war nach dem Fund der DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt von 3 auf 40 Ermittler aufgestockt worden. Nun soll das eingesetzte Spurensicherungsgerät untersucht werden. Worum es sich genau handelt, teilten die Ermittler nicht mit. Möglicherweise sei ein Meterstab aus einer Fotoausrüstung des LKA der Grund für die Verunreinigung. Ein solcher Meterstab wird an Tatorten eingesetzt, um bei Fotoaufnahmen Größenverhältnisse darzustellen.

Für die Untersuchung seien Experten verantwortlich, die mit den kriminaltechnischen Untersuchungen in den Verfahren bisher nicht befasst waren – also auch nicht mit den Untersuchungen der DNA-Spuren. Zudem würden Zeugen vernommen, um den genauen Weg der Spur, deren Sicherung und Bearbeitung in Thüringen und Bayern lückenlos zu überprüfen. „Wir überprüfen alles akribisch im Rahmen der Qualitätssicherung“, bekräftigte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. Die Vorsitzende des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses, Dorothea Marx, zeigte sich skeptisch. Es sei absurd anzunehmen, dass die DNA Böhnhardts über Geräte der Polizei zum Fall Peggy gelangt sei.

Peggy war 2001 im oberfränkischen Lichtenberg verschwunden. 15 Jahre später, im vergangenen Juli, entdeckte ein Pilzsammler Skelettteile von ihr in einem Wald im benachbarten Bundesland Thüringen. Am 13. Oktober hatten dann Polizei und Staatsanwaltschaft in Oberfranken überraschend mitgeteilt, dass am Fundort genetisches Material von Böhnhardt nachgewiesen worden war. Die Rechtsmedizin der Uni Jena, wo im November 2011 Böhnhardts Leichnam obduziert und im Juli Peggys Knochen untersucht worden waren, schloss eine versehentliche Übertragung von DNA am eigenen Institut zunächst aus.

Die völlig unerwartete Verbindung zwischen dem Fall Peggy und dem NSU hatte deutschlandweit Folgen in der Polizeiarbeit: In mehreren Bundesländern werden seither ungeklärte Fälle von Kindstötungen oder -entführungen neu untersucht, so in Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen. Die Ermittler prüfen mögliche Verbindungen zum rechtsextremistischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU).

Böhnhardt wird als Täter bei der Mordserie des selbst ernannten NSU verdächtigt und nahm sich den Behörden zufolge 2011 das Leben. Der aus Thüringen stammende Rechtsextremist soll mit seinem mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos der Terrorgruppe angehört und jahrelang unerkannt gemordet haben. Als einzige Überlebende des NSU-Trios muss sich Beate Zschäpe vor dem Oberlandesgericht München verantworten.

Seitdem der DNA-Fund an Peggys Leiche bekannt wurde, wurde auch wieder daran erinnert, dass Böhnhardt bereits 1993 einmal im Zusammenhang mit dem Tod eines Kindes in Jena vernommen worden war, damals ohne Ergebnis.