Fotografie

Berühmtes afghanisches Covergirl in Pakistan festgenommen

Die grünen Augen machten sie als Covergirl des „National Geographic“-Magazins einst weltberühmt. Nun wurde Scharbat Gulat festgenommen.

Diese Aufnahme des amerikanischen Fotografen Steve McCurry ging um die Welt.

Diese Aufnahme des amerikanischen Fotografen Steve McCurry ging um die Welt.

Foto: imago stock&people / imago/Italy Photo Press

Dubai.  Sie war das Gesicht der Agonie Afghanistans: Scharbat Gula schmückte als zwölfjähriges Mädchen den Titel einer Ausgabe des „National Geographic“-Magazins. Ihre ausdrucksstarken türkisgrünen Augen und ihr zerrissenes rotes Kopftuch machten das Foto zu einem Meisterwerk, das mit der „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci verglichen wurde. Das Porträt ist zeitlos wie eine Ikone.

Nun, mit etwa 47 Jahren, wurde Scharbat Gula in Pakistan wegen Ausweisfälschung festgenommen. Bei der Afghanin seien ein pakistanischer und ein afghanischer Personalausweis mit unterschiedlichen Angaben und Adressen gefunden worden, berichtete die pakistanische Zeitung „Dawn“ am Mittwoch. Der Frau drohen nun Haft- und Geldstrafen sowie die Ausweisung.

Identität blieb jahrzehntelang ein Rätsel

Das Mädchen mit den großen grünen Augen war 1984 vom amerikanischen Fotografen Steve McCurry in einem Flüchtlingslager nahe der pakistanischen Stadt Peshawar porträtiert worden. Sie hatte als Sechsjährige ihre Eltern bei einem Bombenangriff sowjetischer Kampfflugzeuge verloren und war gemeinsam mit ihren Geschwistern zu Fuß über die Berge nach Pakistan geflohen.

Jahrzehntelang blieb ihre Identität ein Rätsel, bis Fotograf McCurry sie 2002 in einem Dorf in Afghanistan aufspürte. Ihren Namen wusste er nicht. Gula hatte ihr weltberühmtes Foto mit dem Titel „Afghanisches Mädchen“ bis dahin nie gesehen. Später floh sie erneut nach Pakistan.

Personenkontrollen verschärft

Nun ist Scharbat Gula eine von Hunderttausenden afghanischen Flüchtlingen, die Pakistan zurück in ihre Heimat schicken will. Das islamische Land hat Personalkontrollen und Gesetze verschärft: Afghanen, die kein gültiges Visum haben, müssen Pakistan verlassen. Menschenrechtler protestierten.

In diesem Jahr kehrten bereits 370.000 Afghanen aus Pakistan zurück. Wer freiwillig geht, bekommt Geld und Nahrungsmittel. Pakistan hatte während des Afghanistan-Krieges in den 80er-Jahren Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan beherbergt. Viele von ihnen wohnen seither in Pakistan. (epd)