Killer-Clowns

Gruseliger Horror-Clown-Trend schwappt aus USA nach Europa

Ein schauriger US-Trend erreicht Europa. Unbekannte in Clownkostümen bedrohen Erwachsene und Kinder. Für Viele ist das kein Spaß mehr.

Ein Unbekannter erschreckt in einem Clownkostüm Passanten. Solche Vorfälle werden in Großbritannien derzeit immer häufiger gemeldet.

Ein Unbekannter erschreckt in einem Clownkostüm Passanten. Solche Vorfälle werden in Großbritannien derzeit immer häufiger gemeldet.

Foto: dpa Picture-Alliance / Peter Byrne/Symbolbild / picture alliance / empics

London.  Es begann in den USA: Grusel-Clowns, die auf öffentlichen Plätzen Passanten in Angst versetzen. Jetzt schwappt die Welle auch auf Großbritannien über. Die Polizei meldete in den vergangenen Tagen immer mehr Vorfälle, in denen als Clowns verkleidete Unbekannte, die teilweise bewaffnet waren, Kinder und Erwachsene einschüchterten und sogar jagten.

Die Polizei in der Region Thames Valley westlich von London berichtete von 14 gemeldeten Vorfällen am Wochenende. In der vergangenen Woche gab es allein in der Grafschaft Northumberland sechs Fälle, in denen sogenannte Killer-Clowns aus dem Gebüsch sprangen und verschreckte Passanten verfolgten. Der dramatischste Zwischenfall ereignete sich in Durham, als ein maskierter Mann mit einem Messer in der Hand eine Gruppe von elf- und zwölfjährigen Kindern bedrohte und sie bis zur Schule verfolgte. Andere Sichtungen werden aus London, Manchester, Norwich und Sheffield gemeldet.

Grusel-Clip entpuppte sich als Werbung

„Wir glauben, dass es Teil einer viel größeren Bewegung ist, die sich gerade in den USA und in Teilen des Vereinigten Königreichs ausbreitet“, sagte Durhams Polizeiwachtmeister Mel Sutherland. Zeitungen sprechen schon von einer „Clownpocalypse“. Die Clown-Sichtungen werden unter Stichworten wie „Clownsighting“ im Internet gemeldet, geteilt – und finden so weitere Nachahmer, auch wenn viele der Clown-Videos gestellt sind.

So entpuppte sich ein gruseliger Clown-Clip, der im Netz 1,5 Millionen Mal geteilt wurde, als Werbung für eine Halloween-Party in Massachusetts. Mit dem Geisterfest am 31. Oktober erklären viele auch die gegenwärtige Invasion der unheimlichen Spaßmacher: Es herrscht eben Horror-Saison. Doch wer steckt hinter dem Phänomen?

Die Polizei nimmt die Spaßmacher ernst

Meist gelangweilte Teenager, denen das Spiel „Süßes oder Saures“ zu harmlos ist, sie denken sich derbere Dummejungenstreiche aus, um Reaktionen ihrer Umwelt hervorzurufen. Allerdings bekommen die Possen böse Untertöne, wenn die vermeintlichen Spaßvögel Messer oder Schlagstöcke bei sich führen. Oder einen Hammer, wie bei einem Zwischenfall in Plymouth vom vergangenen Wochenende, als ein mit roter Perücke und Pluderhose verkleideter Mann einen Passanten bedrohte.

Für Menschen, die an der sogenannten Coulrophobie leiden, ist es zudem ganz egal, ob hinter den Masken Witzbolde oder Unholde stecken. Wie zum Beispiel Megan Bell, die eine krankhafte Angst vor Clowns hat und der ausgerechnet ein Exemplar in Newcastle über den Weg lief. „Ich bin noch niemals so schnell gerannt in meinem Leben“, berichtete sie der Zeitung „Guardian“, „und habe gekreischt und um Hilfe gerufen, aber es war niemand in der Nähe.“ Zum Glück ließ der Clown nach kurzer Jagd von ihr ab.

Schon Shakespeare schrieb von Grusel-Clowns

Clowns sollen einen eigentlich zum Lachern bringen, aber wie eine Studie der Universität von Sheffield herausfand, finden sie gerade Kinder unheimlich. Die Angst vor dem Unbekannten steckt dahinter, wenn man bei den starren, dick geschminkten Gesichtszügen eines Clown-Gesichts keine Emotionen ablesen kann.

In der Populärkultur spielt der Clown als unheimliche Gestalt schon lange eine Rolle. Angefangen bei Shakespeare, in dessen Hamlet die Clowns als Totengräber auftreten, bis zur wohl berühmtesten Inkarnation als Joker in den Batman-Filmen. Auch Horror-Autor Stephen King machte mit seinem Roman „Es“ von 1986 die Lach- zur Gruselnummer: Sein kindermordender Clown Pennywise ist das personifizierte Böse.

Menschen erschrecken ist in Großbritannien Straftat

Die britische Polizei jedenfalls betrachtet die Attacken nicht als Streich, sondern nimmt die Clowns ernst. Täter müssten mit Festnahmen und einem Eintrag im Vorstrafenregister rechnen, warnte Andy Boyd, Hauptkommissar in Thames Valley. Andere Menschen durch diese Streiche zu erschrecken, sei inakzeptabel und außerdem ein strafwürdiges Vergehen nach Section 5 des Public Order Act. Der Polizeipräsident von Durham, Dale Checksfield, stellte auf Twitter klar: „Killer-Clowns sind nicht cool und witzig.“ In den USA kam es bereits zu einem Dutzend Festnahmen, etwa weil die Clowns lizenzpflichtige Waffen trugen.

Tweet Dale Checksfield

Auch echte Clowns sind alles andere als amüsiert. Berufsclown Justin Brodie schilderte dem US-Sender CBS, dass er bei Auftritten neuerdings ausgebuht und beschimpft werde, außerdem sei sein Wagen mit Müll beworfen worden.

Horror-Autor Stephen King setzt sich für Clowns ein

Ausgerechnet Stephen King, der mit seinem Horror-Buch maßgeblich zum Imageschaden der Clowns beigetragen hatte, springt nun für sie in die Bresche. „Hey Leute, Zeit, die Clown-Hysterie etwas herunterzufahren“, forderte der US-Schriftsteller auf Facebook auf. „Die meisten von ihnen sind gut und dazu da, Kinder aufzuheitern und Leuten Spaß zu breiten.“