Gaggenau

Eine ganze Stadt soll länger leben

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In Gaggenau startet ein Experiment, das mehr Lebenszeit für alle bringen soll

Gaggenau. 75 Jahre alt, einigermaßen fit und noch weitere Lebensjahre vor sich: Für viele Menschen ist das heute, anders als vor 50 Jahren, schon Realität. Was aber verlängert ein Leben? Politik und Wissenschaft haben sich dazu eine große Studie vorgenommen, die eine ganze Stadt umfasst. Gaggenau im Nordschwarzwald soll acht Jahre lang Experimentierfeld sein, um herauszufinden, wie man die Bedingungen für ein weiteres Lebensjahr schaffen kann.

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) nennt den Plan ein einzigartiges Experiment. „Noch nie konnte in einem Feldversuch dieser Größe ein solches Unterfangen umgesetzt werden.“ Das Projekt steht unter dem Motto „Ein gutes Jahr mehr“ – soll also jedem der fast 30.000 Einwohner der badischen Kommune im Schnitt ein gutes Lebensjahr mehr bescheren. Die Wissenschaftler wollen an vielen Stellschrauben drehen und zum Beispiel Kitas, Senioreneinrichtungen, Schulen und Arbeitgeber beteiligen. Es gehe darum, städtische Strukturen zu verbessern, etwa um Ältere vor Vereinsamung zu bewahren, oder um Möglichkeiten, wie Gaggenauer Arbeitgeber ihren Beschäftigten eine für Körper und Seele möglichst optimale Arbeitswelt schaffen können.

Bürgermeister erhofft sich eine Gesundheitsstrategie

„Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme“, erläuterte Professor Joachim Fischer von der Medizinischen Fakultät Mannheim, der das Projekt mit seinem Team und anderen Wissenschaftlern unter anderem aus Tübingen betreut. Anfang kommenden Jahres wollen die Forscher der Kommune erste Vorschläge machen. Einbezogen werden sollen vom Baby bis zum Senior alle Bevölkerungsgruppen in ihren Lebens- und Arbeitswelten.

Das Experiment gründet auf Erkenntnissen von Forschern, dass nur übergreifende Maßnahmen Unterschiede ausgleichen können, die sich aus sozialer Herkunft oder dem Umgang mit Krankheiten und Risiko ergeben. Soll heißen: Nur wenn sich mithilfe vieler verschiedener Bausteine die Lebens- und Arbeitswelt insgesamt verändert, können Ungleichheiten ausgebügelt werden. Maßnahmen, die sich auf Einzelpersonen beziehen, bewirkten wenig, sagte Fischer. Finanziert wird „Ein gutes Jahr für jeden Bürger“ in den kommenden drei Jahren mit jährlich rund 350 000 Euro aus Landesmitteln.

Gaggenaus Oberbürgermeister Christof Florus (parteilos) freut sich über die Forschung in seiner Stadt: Er verspreche sich wichtige Tipps für die kommunale Gesundheitsstrategie. „Gaggenau kommt dabei erfreulicherweise Pioniercharakter zu.“

( dpa )

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