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Kampf gegen Ehebruch: Diese Frau hat die Lizenz zur Trennung

| Lesedauer: 4 Minuten
Felix Lee
Xia Li arbeitet für das Dating-Portal Baihe. Dort kümmert sie sich um untreue Männer.

Xia Li arbeitet für das Dating-Portal Baihe. Dort kümmert sie sich um untreue Männer.

Foto: Felix Lee

Täglich zerbrechen in China 10.000 Ehen. Xia Li will das verhindern. Sie hilft im Auftrag eines Dating-Portals betrogenen Ehefrauen.

Peking.  Eigentlich hatte Xia Li bei der Partnervermittlung Baihe angeheuert, um einsame Herzen zusammenzubringen. Doch nun macht die 44-Jährige bei Chinas größter Online-Partnerbörse genau das Gegenteil: Sie treibt Liebende auseinander. Und es handelt sich sogar um einen Premiumdienst der Partnervermittlung. Bis zu umgerechnet 50.000 Euro sind die zumeist weiblichen Auftraggeber bereit zu zahlen, wenn sie den Dienst von Xia Li in Anspruch nehmen.

Xia Li macht im Auftrag von geprellten Ehefrauen Jagd auf Nebenbuhlerinnen des Gatten. Wobei Li die Bezeichnung „Jagd“ nicht mag. Vielmehr würde sie diese Mätressen aufsuchen und auf freundliche Art versuchen, sie davon zu überzeugen, sich von dem verheirateten Mann zu trennen. „Wir bringen den Leuten emotionale Verantwortung bei und wie man einen Menschen wirklich liebt“, sagt Xia Li. „Wir verhindern Scheidungen.“

Eine Frau gab sich selbst die Schuld

Bekämpfe deinen Feind nicht mit Wut und Hass, sondern versuche, ihn zur freiwilligen Aufgabe zu bewegen. Diesem Motto hat sich Xia Li verschrieben. Sie berichtet von einer Klientin, deren Fall exemplarisch sei.

Über mehrere Jahre hatte der Ehemann die Frau betrogen. Sie habe das sehr rasch mitbekommen, erzählt Li von ihrer Kundin. Deren Ehemann sei abends spät nach Hause gekommen, fahrig gewesen und hätte ihr kaum noch zugehört. Einmal habe sie dann mitgekriegt, wie er mit ihr telefonierte. Doch ansprechen wollte sie ihn darauf nicht. „Sie schämte sich“, berichtet Li. Die Frau sah es als ihr eigenes Versagen an, dass ihr Gatte fremdgeht.

10.000 Ehen gehen in China täglich zu Bruch

Außereheliche Affären sind in China vor allem unter reichen und mächtigen Männern weit verbreitet. Einige wohlhabende Ehemänner leisten sich sogar sogenannte Xiaosan. Dabei handelt es sich um Zweitfrauen, denen sie oft den ganzen Lebensunterhalt samt Luxuswohnung und Privatauto finanzieren. Nicht selten haben diese Frauen auch Kinder von den Ehebrechern. Und das hat in Zeiten der weiblichen Emanzipationsbewegung im Reich der Mitte Konsequenzen.

In kaum einem anderen Land ist die Scheidungsquote so sehr in die Höhe geschnellt wie zuletzt in China. Sie hat in den vergangenen zehn Jahren um fast 70 Prozent zugelegt. Allein 2015 standen den rund 14 Millionen geschlossenen Ehen rund 3,8 Millionen Scheidungen gegenüber. 10.000 Ehen gehen im Reich der Mitte täglich zu Bruch.

Misslingt die Mission, gibt es das gesamte Geld zurück

Und doch scheuen immer noch viele Ehefrauen eine offene Auseinandersetzung mit ihrem Gatten. Ihre Angst vor dem gesellschaftlichen und finanziellen Abstieg sitzt tief. Eine geschiedene Frau, die älter als 35 Jahre alt ist, gilt in China nach wie vor als schwer vermittelbar. Und die Firma Baihe, für die Li arbeitet, ist keineswegs das erste Unternehmen, das im Aufspüren von Mätressen ein lukratives Geschäftsmodell entdeckt hat. Die Agentur Weiqing hat sich bereits seit dem Jahr 2001 darauf spezialisiert.

Rund 300 Agentinnen sind für Weiqin im ganzen Land im Einsatz. Die meisten von ihnen sind Psychologinnen, Juristinnen oder selbst ehemalige Betroffene. Sie geben sich gegenüber den Mätressen als Nachbarinnen aus, Haushaltshilfen oder Babysitterinnen und versuchen, Vertrauen zu gewinnen. Auch als Wahrsagerin habe sich eine der Agentinnen schon ausgegeben, wird Weiqing-Gründer Shu Xin in chinesischen Medien zitiert. Shu Xin zufolge rettet seine Agentur jedes Jahr auf diese Weise 5000 Ehen.

Xia Li will nicht über Frauen urteilen

„Bis zu zwei Monate kann ein Fall schon dauern“, erklärt Agentin Li. Daher auch die hohen Preise. Erst wenn sicher ist, dass die Nebenbuhlerin sich auch wirklich nicht mehr mit dem Gatten trifft, sei die Mission beendet. Gelingt Li das nicht, müsse sie das Geld an die Auftraggeberin zurückzahlen.

Ob sie mit dem Ausspionieren der Mätressen nicht die Privatsphäre anderer Menschen verletze? Xia Li hält das für legitim. Sie wolle auch gar nicht über diese Frauen urteilen, sondern sie vielmehr dazu bringen, ehrliche Männer für sich zu finden.

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