Kinderhilfswerk

Topmodel Toni Garrn engagiert sich für Mädchen in Afrika

Schon früh war sie das Gesicht von Calvin Klein: Toni Garrn gehört zu den internationalen Topmodels. Nun engagiert sie sich in Afrika.

Das Topmodel Toni Garrn in Simbabwe.

Das Topmodel Toni Garrn in Simbabwe.

Foto: Plan

Hamburg.  Wenn ihr überhaupt etwas das Leben schwer machen kann, dann ist es ihr Gepäck. Toni Garrn, Topmodel (24) hat meistens zwei große Koffer dabei, egal, ob sie für 20 Stunden nach New York muss oder ein paar Wochen durch Europa tourt. „Meine Koffer sind die größte Last.“

Die Hamburgerin hat es bereits vor zehn Jahren dorthin katapultiert, wohin es die vielen jungen Mädchen zieht, die sich bei Heidi Klums Casting-Show „Germanys next Topmodel“ bewerben. Eine Modelagentin entdeckte die damals 14-Jährige auf der Fanmeile der Fußball-WM 2006 in Hamburg, kurze Zeit später wurde die Schülerin das neue Gesicht von Calvin Klein.

Liaison mit Hollywood-Star DiCaprio

Seitdem geht es nur bergauf. Toni Garrn gehört längst zum Topmodel-Establishment. Sie läuft für Victoria’s Secret und Hugo Boss, Prada, Versace und L’Oreal, sie machte zwischendurch ihr Abitur, begann (und beendete) eine Liaison mit dem Hollywood-Star Leonardo DiCaprio und sie ließ für ein französisches Männermagazin auch die letzten Hüllen fallen. Im vergangenen Sommer dann zeigte sie sich offenherzig mit ihrer neuen Liebe, dem US-Basketball-Profi Chandler Parsons. „Ich liebe meinen Job“, sagt sie. „Ich hatte so viel Glück“.

Doch als Model lebe sie ständig auf Abruf, sagt Toni Garrn und blickt mit ihren klaren blauen Augen geradeaus. Sie sei selten länger als ein paar Stunden an einem Ort. „Wenn ein Job drei Tage dauert, dann ist es für mich schon so, als würde ich in ein Büro gehen zu meinen Kollegen.“ Und wenn sie drei Tage frei hat, „dann bleibt für mich die Welt stehen“. Sie hat eine Wohnung in New York und eine in Hamburg, doch meistens zieht sie umher mit ihren Koffern. „Ich muss Sonntag nach Mallorca“, sagt sie. Geplant hatte sie einen Job in Paris. Ihr Alltag sei, dass es für sie keinen Alltag gebe. Und Heimat – das sei dort, wo die Freunde leben. „Ich habe überall Freunde.“

Gründung einer Stiftung

Einen Ausgleich zu ihrem Leben, das sie selbst als realitätsfern bezeichnet, hat Toni Garrn dennoch. Sie ist Botschafterin der globalen Bewegung „Because I am a Girl“, mit der sich das Hamburger Kinderhilfswerk Plan International für Mädchen einsetzt. In dieser Funktion lebte sie 2015 mit 40 Mädchen mehrere Tage lang in einem Camp auf dem Land in Simbabwe, teilte mit ihnen den Alltag, lernte ihre Sorgen kennen. „Das ist die reale Welt“, sagt sie. „Der einzige Traum der Mädchen ist es, in die Schule zu gehen.“

Doch oft scheitere der Schulbesuch am weiten Weg und den fehlenden Toiletten für Mädchen. „Wenn sie ihre Menstruation haben, bleiben sie zu Hause.“ Ganze Dorfgemeinschaften habe sie kennengelernt, mit Kindern wie Ältesten gesprochen. Deren Lebenswirklichkeit könne sie nicht mehr ausblenden. Ihre Konsequenz: Sie gründete eine eigene Stiftung, um ein Plan-Projekt in Chipinge im Südosten von Simbabwe mit Spenden zu unterstützen.

In Afrika hören die Menschen der Hamburgerin zu

Der Besuch in Simbabwe war nicht ihre erste Reise für das Kinderhilfswerk, so lernte sie 2014 den Alltag in Burkina Faso kennen. Es wird auch nicht ihre letzte Reise sein. Denn anders als bei den Kampagnen für die Modehäuser der Welt hören ihr in Afrika die Menschen zu, sie interessieren sich für ihre Meinung, sie schätzen ihr Engagement. Als Model hingegen „gibt es nicht viel zu entscheiden“. Wichtig sei der perfekte Körper, das Gesicht, nicht die Gedanken dahinter.

In ihr Leben als Model sei sie „so reingerutscht“, sagt sie. „Ich habe keine Ahnung, was sonst aus mir geworden wäre.“ Durch die Reisen nach Afrika wisse sie umso mehr ihr Glück zu schätzen. Wie lange sie noch aus ihren großen Koffern leben will – Toni Garrn zuckt mit den Schultern. „Ich habe noch nie mein Leben weit im Voraus geplant. Deshalb habe ich keine Ahnung, was die Zukunft bringt.“ Erst mal werde sie weitermachen wie bisher und obendrein die Schauspielangebote prüfen, die sie immer wieder bekomme. Auf jeden Fall wolle sie sich weiterhin für Afrika engagieren. „Hinfahren – sehen – helfen: Solange ich das machen kann, solange bin ich happy.“