Beschwerde

Männer fühlen sich in Hamburger Fitnessstudio diskriminiert

Zwei Hamburgern wird verboten, in Tanktops zu trainieren, während Frauen ihre Schultern zeigen dürfen. Die Studiobetreiber schweigen.

Ein Mann trainiert im ärmellosen Shirt – in einem Fitnessstudio in Hamburg wäre er damit nicht mal ans Gerät gelassen worden.

Ein Mann trainiert im ärmellosen Shirt – in einem Fitnessstudio in Hamburg wäre er damit nicht mal ans Gerät gelassen worden.

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Hamburg.  Als vor einigen Monaten im nordwestlichen Hamburg ein neues Sportstudio namens BeneFit eröffnete, waren Bernd K. und sein Partner Dieter M. (Namen von der Redaktion geändert). begeistert. Endlich ein Studio in der Nachbarschaft. „Schön groß, hell, super ausgestattet, mit einer Vielzahl von Trainingsmöglichkeiten“, sagt Bernd K. „Zudem stimmte das Preisleistungsverhältnis.“ Alles schien perfekt, doch die Freude aufs Training wurde bereits am ersten Tag im Studio erheblich getrübt.

Beim Betreten des Trainingsbereiches wurde Bernd K. von einem Studio-Mitarbeiter aufgehalten. Dieser forderte ihn mit Hinweis auf das Workout-Shirt auf, etwas anderes anzuziehen. Die Kleiderordnung schreibe vor, die Schultern beim Training zu bedecken. Bernd K. sah sich um und beobachtete diverse weibliche Trainierende, die ärmellose Shirts trugen. „Als ich den Studiomitarbeiter darauf ansprach, sagte mir dieser, dass der Punkt Trainingsbekleidung in der Hausordnung nur für Männer gelte.

Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingeschaltet

Die Hausordnung der Fitnessstudio-Kette BeneFit mit Firmensitz in Petersfehn im niedersächsischen Landkreis Ammerland lässt sich von der Website des Unternehmens herunterladen. Dort ist unter anderem zu lesen: „Das Training im Unterhemd oder ähnlicher Oberbekleidung sowie mit Kopfbedeckung ist untersagt“. Von einer Unterscheidung zwischen Männern und Frauen ist dort nichts zu lesen. „Nach diversen Nachfragen beim Studiopersonal verwies man mich auf das Einhalten der Hausordnung“, so Bernd K. „Klarer Fall von Diskriminierung“, sagten sich Bernd K. und Dieter M. Und wandten sich ans Management-Team des Studios.

„Wir schrieben vier E-Mails, schickten zwei Briefe mit der Bitte um Stellungnahme. Keine Antwort. „Dreimal versuchten wir, das Management anzurufen.“ Ohne Erfolg. Beim nächsten Studiobesuch kam es dann doch zu einem Gespräch. „Das Management zeigte sich überrascht, dass uns so etwas störe, und legte uns nahe, vielleicht einem anderen Studio beizutreten, welches keine solche Hausordnung habe“. Die Männer wollten die unterschiedliche Auslegung der Hausordnung für Männer und Frauen nicht hinnehmen und wandten sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), schilderten ihr Anliegen und ihre Forderung auf Gleichbehandlung mit der Bitte um Unterstützung.

Verstoß gegen Gleichbehandlungsgesetz?

„Bei dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt könnte ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz vorgelegen haben. Die Hausordnung gilt für alle Nutzerinnen und Nutzer“, lautete die Antwort der Antidiskriminierungsstelle. Und: „Wenn die Hausordnung letztendlich nur bei Männern durchgesetzt wird, ist ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nicht ausgeschlossen“. Eine ADS-Mitarbeiterin bot an, „die Betreiber des Fitnessstudios mit dem Ziel einer gütlichen Einigung um eine Stellungnahme zu bitten“.

Ende Juli schickte die ADS die Bitte um eine Stellungnahme an die BeneFit-Geschäftsführung. Auch bemühte sich die Stelle, die Geschäftsführer in der Angelegenheit telefonisch zu erreichen. Vergeblich. „Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verpflichtet die Beteiligten jedoch nicht, auf unser Stellungnahmeersuchen zu antworten“, schrieb die Antidiskriminierungsstelle Dieter M. dann am 24. August. Benefit habe auf keine Anfrage reagiert. Daher habe die Antidiskriminierungsstelle des Bundes „keine weiteren Möglichkeiten, tätig zu werden“. „Nachdruck kann nur von Ihnen über eine Forderung auf Schadenersatz und Entschädigung bewirkt werden“, schrieb die Mitarbeiterin Dieter M. „Wir können nicht weiter aktiv werden“, so die abschließende ADS-Stellungnahme am 26. August.

Geschäftsführung des Fitnessstudios schweigt

Auch auf eine Bitte des Hamburger Abendblatts am 29. September, zu den Diskriminierungsvorwürfen Stellung zu nehmen, hat die BeneFit-Geschäftsführung bis heute nicht reagiert. Beharrliches Schweigen scheint eine Strategie des Unternehmens zu sein. Im Februar 2014 wurde ein BeneFit-Studio in Osnabrück mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) berichtete damals über zwei türkischstämmige Männer, denen die Club-Mitgliedschaft mit fadenscheiniger Begründung versagt wurde. Dahinter stecke Methode, zitierte die NOZ damals ehemalige Benefit-Angestellte: Es gebe einen Katalog von Kriterien, anhand derer die Interessenten „schon beim ersten Termin“ unauffällig vom zuständigen Personal geprüft würden.

Gewollt seien „hübsche Frauen und Männer“, sagt ein Ex-Trainer. „Und wer ausländisch aussieht oder nur gebrochen Deutsch spricht, wird grundsätzlich abgelehnt.“ Bernd K. und Dieter M. vermuten, dass es sich bei der Auslegung der Kleiderordnung ebenfalls um ein Auswahlverfahren für Club-Mitglieder handelt. „So sollen wohl Bodybuilder als störende Klientel aus den Studios herausgehalten werden“. Diskriminiert fühlen sie sich dennoch. (ced)

• Dieser Artikel ist zuerst beim Hamburger Abendblatt erschienen