Übergriffe

Täter der Kölner Silvesternacht laut Gutachter verabredet

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Vor dem Kölner Hauptbahnhof waren in der Silvesternacht Frauen sexuell belästigt, drangsaliert und ausgeraubt worden. Die mutmaßlichen Täter stammten größtenteils aus nordafrikanischen Ländern.

Vor dem Kölner Hauptbahnhof waren in der Silvesternacht Frauen sexuell belästigt, drangsaliert und ausgeraubt worden. Die mutmaßlichen Täter stammten größtenteils aus nordafrikanischen Ländern.

Foto: imago stock&people / imago/Winfried Rothermel

Die Täter der Kölner Silvesternacht hatten sich vor dem Hauptbahnhof verabredet, so ein Gutachter. Die Polizei sei zu passiv gewesen.

Köln.  Die Täter der Kölner Silvesternacht hatten sich im Vorfeld offenbar zu einer Zusammenkunft am Kölner Hauptbahnhof verabredet. Zu dieser Einschätzung kommt der Rechtspsychologe Rudolf Egg in seinem Gutachten für den Düsseldorfer Landtag, wie der in Köln erscheinende „Express“ in der Mittwochsausgabe berichtet.

In der Expertise zu den Strafanzeigen der Ermittlungsgruppe Neujahr, die der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt, heißt es, eine rein zufällige, von vornherein nicht beabsichtigte Begegnung der Täter werde man „vernünftigerweise“ ausschließen können. Dafür seien zu viele Männer zur selben Zeit am selben Ort gewesen.

Mundpropaganda, Facebook, WhatsApp

„Es liegt daher nahe zu vermuten, dass es im Vorfeld der Ereignisse irgendeine Form der Verabredung oder Absprache gegeben hat, die mehrere Hundert Männer aus dem nordafrikanischen Raum veranlasst hat, den Silvesterabend 2015 im Bereich des Kölner Hauptbahnhofs zu verbringen“, zitiert die Zeitung aus dem Gutachten.

Denkbar seien auch eine Art Mundpropaganda in Flüchtlingsheimen oder Verabredungen über soziale Medien wie Facebook oder WhatsApp. Die Mehrzahl der Teilnehmer sei aber laut Egg nicht schon mit der festen Absicht nach Köln gekommen, um dort Straftaten zu begehen. Erst nachdem die Männer bemerkt hätten, dass die Polizei nicht eingeschritten habe, sei es zu den massenhaften Übergriffen gekommen, hieß es.

Strafverfolgung war nicht zu erwarten

Der Gutachter verweise dabei auf die „Broken-Windows-Theorie“, die besagt, dass die Hemmschwelle für Straftaten dann absinkt, wenn sie aus der Anonymität begangen werden können und eine Strafverfolgung nicht zu erwarten ist. „Genau dies war in der Kölner Silvesternacht der Fall“, schreibt der Gutachter.

Der Wiesbadener Psychologe und Kriminologe Rudolf Egg war vom Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags beauftragt worden, anhand von 24 vorgegebenen Fragen ein Gutachten zu erstellen, in dem alle rund 1200 Strafanzeigen beleuchtet werden sollen. Egg war von 1997 bis 2014 Leiter der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder.

Etwa 1200 Anzeigen bei Kölner Staatsanwaltschaft

In den Fragen geht es um Schwerpunkte bei Tatzeiten und -orten, das Verhältnis zwischen Frauen und Männern unter den Geschädigten, psychische Belastungen der Opfer und die Identifikation von Tätergruppen. Egg soll seine Ergebnisse Ende Oktober in öffentlicher Sitzung im parlamentarischen Untersuchungsausschuss vorstellen.

Bei der Staatsanwaltschaft Köln liegen rund 1.200 Anzeigen zur Silvesternacht vor, rund 500 davon wegen sexueller Übergriffe. Die Zahl der Opfer liegt bei etwa 1300. (epd)

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