Unglück

Pendlerzug rast in Bahnhof – Eine Tote, Dutzende Verletzte

Ein Pendlerzug ist in der US-Stadt Hoboken in einen Bahnhof gerast. Mindestens ein Mensch starb, mehr als 100 weitere wurden verletzt.

Im Bahnhof der US-Stadt Hoboken in der Nähe von New York ist ein Zug entgleist.

Im Bahnhof der US-Stadt Hoboken in der Nähe von New York ist ein Zug entgleist.

Foto: HANDOUT / REUTERS

Washington/Hoboken.  Wer am Donnerstagmorgen am Bahnhof Hoboken südlich von New York City an Gleis 5 auf Zug 1614 der Pascack Valley Line wartete, wird den Moment des Schreckens wohl nie vergessen: Gegen 8.45 Uhr Ortszeit (14.45 Uhr MESZ) raste der mit rund 250 Menschen besetzte Pendlerzug ungebremst durch alle Barrieren in das Terminal und riss große Teile der Eisenträger des Bahnhofsgebäudes und des Dachs ein.

Mindestens eine Frau starb, mehr als hundert Menschen wurden verletzt, sagte Chris Christie, Gouverneur des Bundesstaates New Jersey am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) vor der Presse. Medien hatten zunächst von bis zu drei Toten berichtet, New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo eine Mitteilung heraus, in der von mindestens 65 verletzten Passagieren die Rede war.

Über die Ursache des Unglücks – menschliches oder technisches Versagen? – ist bisher nichts verlässlich bekannt.

Experten sehen Hinweise auf Bedienungsfehler des Zugführers

Experten der „National Transportation Safety Board“-Behörde arbeiten an der Unfallstelle. Ihre erste Vermutung: Es sehe nach einem schweren Bedienungsfehler des Zugführers aus.

Der Unglückszug war ein so genannter „Pusher-Train“. Das heißt, der Zugführer sitzt ganz hinten im Triebwagen. Er hat überlebt und soll vernehmungsfähig sein.

Ein krimineller oder terroristischer Hintergrund wurde von den Behörden ausgeschlossen.

Einen ähnlichen Großunfall hatte es in dem täglich von durchschnittlich 50.000 Pendlern genutzten Bahnhof 2011 gegeben. Damals wurde 30 Menschen verletzt.

„Er hat einfach nicht angehalten“

Wie Augenzeugen und Fahrgäste über soziale Netzwerke mitteilten, war der Unglückszug um 7.23 Uhr in Spring Valley im Bundesstaat New York gestartet und hatte sich auf der Fahrt nach Hoboken, das in Sichtweite von Manhattans Skyline im Bundesstaat New Jersey liegt, verspätet.

Bei der Einfahrt mit hohem Tempo die Katastrophe: „Er hat einfach nicht angehalten“, sagte die Berufspendlerin Nancy Bido, „erst als es zum Crash kam.“ Die 43-Jährige kam nach eigenen Angaben mit einer Platzwunde davon. „Ich hatte verdammtes Glück.“

Auf Handy-Videos war zu sehen, wie Dutzende Passagiere leichenblass und schockiert aus dem Wrack stiegen. „Die Wucht des Unglücks war so groß, dass der Prellbock auf Gleis 5 wie ein Spielzeug in die Luft geschleudert wurde“, sagte ein örtlicher Kongress-Abgeordneter.

Verletzte waren im Wrack gefangen

Die meisten Schwerverletzten, einige davon waren längere Zeit eingeklemmt, gab es laut Polizei auf dem Bahnsteig und im ersten Waggon. „Teile des Zuges waren so stark verformt, dass wir nicht sofort an die Verletzten herankamen“, sagte ein Feuerwehrmann dem Internet-Portal „Hudson Reporter“. Überlebende wie Eric Dobson berichteten von vielen Kopfwunden. „Überall war Blut.“

Der Unglückszug kam nach Angaben der Eisenbahnbehörde FRA in einem Geschäft zum Stillstand, das im Moment des Aufpralls „zum Glück noch menschenleer war“.

Aufgrund der großen Schäden wurde Hoboken für den Pendlerverkehr im Großraum New York komplett gesperrt. Zehntausende mussten auf Busse und Taxis ausweichen, um an ihren Arbeitsplatz zu kommen.

Erinnerung an ähnliches Unglück im Mai mit acht Toten

Das Zugunglück ist der zweite Zwischenfall im öffentlichen Personennahverkehr in dieser Woche in der dicht besiedelten Region. Am Montag kollidierten im Lincoln-Tunnel, der unter dem Hudson River hindurchführt und Manhattan mit New Jersey verbindet, zwei Transit-Busse. 40 Fahrgäste wurden dabei verletzt.

Das Zugunglück in Hoboken rief bei Experten Erinnerungen an den Unfall wach, der sich im Mai vergangenen Jahres in Philadelphia ereignete hatte. Acht Menschen starben, über 200 wurden verletzt. Auch hier war der Zug viel zu schnell gefahren. Gouverneur Christie, enger Berater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, sicherte eine „akribische Untersuchung zu, damit sich so eine Katastrophe nicht wiederholt“.

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