Krimiklassiker

Neue Folge von „Ein starkes Team“ ist weder top noch Flop

| Lesedauer: 3 Minuten
Frank Jürgens
Linett (Stefanie Stappenbeck) und Otto (Florian Martens) haben einen der Täter im Visier. Kommen sie zu spät?

Linett (Stefanie Stappenbeck) und Otto (Florian Martens) haben einen der Täter im Visier. Kommen sie zu spät?

Foto: Katrin Knoke / ZDF und Katrin Knoke

Kommissar Kolbergs große Liebe steht unter Verdacht: In „Ein starkes Team“ gerät der Ermittler in Bedrängnis. Es gab bessere Folgen.

Berlin.  In ihrem dritten Fall als Kommissarin Linett Wachow muss Schauspielerin Stefanie Stappenbeck niemandem mehr etwas beweisen. Auch wenn sie als Nachfolgerin der verstorbenen Maja Maranow in der Krimireihe „Ein starkes Team“ ein schweres Erbe angetreten hat, hat sie sich hervorragend eingeführt. Natürlich haben sich auch die anfänglichen Spannungen zwischen ihrer Figur Linett und dem alteingesessenen Otto Garber (Florian Martens) längst gelegt.

In der neuesten Episode bekommt der olle Otto sogar noch einen weiteren Grund dafür geliefert, der neuen Kollegin für immer und ewig dankbar zu sein.

Kaltblütiger Mord in der Schießanlage

Im Zentrum des neuesten Falls mit dem Titel „Nathalie“ steht diesmal aber Kollege Ben Kolberg (Kai Lentrodt). Weil der Wahlberliner nach einem Schießtraining mit Otto und Linett noch etwas länger in der Anlage verweilt, wird er zufällig zum Zeugen eines brutalen Überfalls. Aus seinem Versteck heraus bekommt er mit, wie der ehrenamtliche Schießleiter kaltblütig erschossen wird, nachdem er die Täterin erkannt hat. Ben glaubt seinen Augen nicht zu trauen. Ist das nicht jene Nathalie Brombach (Peri Baumeister), die ihn einst in Düsseldorf nach allen Regeln der Kunst um den Finger gewickelt hat?

Auch sonst hinterlässt der Überfall jede Menge Fragen. Warum werden zum Beispiel nur drei Waffen gestohlen, obwohl die drei Täter das gesamte gut sortierte Arsenal hätten mitnehmen können? Erst allmählich kommen Otto und Linett dem rätselhaften Plan des skrupellosen Trios auf die Schliche, während sich Ben immer mehr in ein gefährliches Verhältnis mit der Verdächtigen verstrickt. Hat er seine Gefühle wirklich so gut im Griff, dass er die Nerven behält und seine Unbefangenheit bewahrt?

Lahmer Start, spannendes Finale

Zum ersten Mal in der 22-jährigen Geschichte von „Ein starkes Team“ zeichnet sich Roland Suso Richter als Regisseur für eine Episode der Berliner Krimi-Reihe verantwortlich. Leider beweist der durch zahlreiche Kino- und TV-Produktionen von „14 Tage lebenslänglich“ bis zur „Spiegel-Affäre“ weithin geschätzte Regisseur diesmal kein allzu glückliches Händchen. Es dauert, bis der etwas mühsam konstruierte Krimi endlich Schwung für das dann doch noch spannende Finale nimmt. Am lahmen Start ist auch die Drehbuchvorlage vom langjährigen „Starkes Team“-Routinier Leo P. Ard nicht ganz unschuldig ist.

Insbesondere den Episodenrollen mangelt es schlichtweg an charakterlicher Tiefe. Einzig die titelgebende Figur der Nathalie als verarmtes Luxusweibchen, das sich nun zwischen Gier und Skrupeln windet, weckt Interesse. Doch wieso beispielsweise Bernd Michael Lade in einer völlig unnötigen Nebenrolle mal wieder als undurchsichtiger Finsterling verheizt werden muss, erschließt sich überhaupt nicht.

Sei’s drum. Das ist halt Berlin. Mal top, mal Flop. Und manchmal einfach irgendwo dazwischen. Exakt so wie in diesem Fall.

Fazit: Wer ein wenig durchhält, bekommt doch noch ein passables Krimi-Vergnügen.

ZDF, 20.15 Uhr

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