Demonstration

Proteste gegen Polizeigewalt: Ausnahmezustand in US-Stadt

| Lesedauer: 2 Minuten

Bei Demonstrationen gegen Polizeigewalt in den USA wurde ein Mann lebensgefährlich verletzt. Gouverneur ruft Ausnahmezustand aus.

Charlotte.  Bei Protesten in der Stadt Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina ist ein Mann angeschossen worden. Entgegen den Berichten verschiedener Medien ist er aber nicht tot. Er sei in kritischem Gesundheitszustand und an lebenserhaltende Systeme angeschlossen, twitterte die Stadtverwaltung in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) und korrigierte damit eine eigene frühere Meldung. Auch teilte sie mit, der Mann sei nicht von der Polizei sondern von einem Zivilisten angeschossen worden.

Der Gouverneur von North Carolina, Pat McCroy, rief am späten Abend (Ortszeit) den Ausnahmezustand aus. Er habe außerdem Maßnahmen eingeleitet, um die Nationalgarde und die Autobahnpolizei einzuberufen, teilte McCroy auf Twitter mit.

Demonstrationen in der zweiten Nacht in Folge

Hunderte Menschen waren in der zweiten Nacht in Folge auf die Straße gegangen, um gegen den Tod eines Schwarzen durch Polizeischüsse zu protestieren. Es kam zu Zusammenstößen, die Polizei setzte Tränengas ein.

Die Polizei habe bestätigt, dass der Mann von einem anderen Zivilisten angeschossen worden sei, berichtete der Sender CNN. Mindestens 16 Polizisten und ein Demonstrant wurden bei den Zusammenstößen verletzt.

Darstellung über Erschossenen widersprechen sich

Bereits am Dienstag hatte es Proteste gegeben, nachdem ein 43-jähriger Schwarzer von der Polizei erschossen worden war. Den Behörden zufolge hatte der Mann eine Waffe in der Hand und weigerte sich, diese niederzulegen. Dessen Familie und Augenzeugen hatten indes gesagt, der 43-Jährige habe keine Waffe, sondern ein Buch in der Hand gehabt.

Polizeichef Kerr Putney berichtete, Polizisten hätten am Dienstag einen Verdächtigen gesucht. Dabei hätten sie auf einem Parkplatz einen Bewaffneten in einem Auto angetroffen und ihn mehrfach aufgefordert, auszusteigen. Das habe er schließlich getan, allerdings mit der Waffe. Er habe die Polizisten bedroht, daraufhin habe einer von ihnen geschossen. Der Schütze und der getötete Familienvater (43) sind Afroamerikaner.

Anschließende friedliche Proteste gegen das Vorgehen der Polizei seien durch einige aggressive Unruhestifter aufgestachelt worden und eskaliert. Später kam es auch zu Plünderungen und Brandstiftung.

Schwester des Toten: Bruder war nicht bewaffnet

Eine Reporterin veröffentlichte am Mittwoch ein Video der Schwester des Erschossenen. Sie sagt, ihr Bruder sei unbewaffnet gewesen. Er habe in seinem Auto ein Buch gelesen und auf seine Kinder gewartet, als die Polizei ihn erst mit einem Elektroschocker außer Gefecht gesetzt und dann mit vier Schüssen getötet habe. Die Polizei widersprach dieser Darstellung.

Bürgermeisterin Jennifer Roberts rief die Stadt am Mittwoch zur Ruhe auf. Der Fall werde umfassend untersucht. (dpa/aba)

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