Mannheim

Lokführer wegen Zugunglücks mit 38 Verletzten vor Gericht

Mannheim. Ein Abend im August 2014, kurz vor dem Mannheimer Hauptbahnhof. Ein Reisezug hat auf eingleisiger Strecke freie Fahrt, ein Güterzug muss halten. Doch der Lokführer des Güterzuges fährt weiter, die Züge kollidieren. Der erste und zweite Waggon des Eurocity entgleisen und kippen um. Auch die Lok und zwei Containerwagen des Güterzuges reißt es aus den Gleisen. 38 Menschen müssen ärztlich versorgt werden. Seit Mittwoch läuft vor dem Amtsgericht Mannheim der Prozess gegen den Lokführer des Güterzuges.

Wie konnte es zu dem Unglück kommen, bei dem ein Schaden von über zwei Millionen Euro entstand? Der Staatsanwalt schildert den Ablauf so: Der 62 Jahre alte angeklagte Lokführer habe sich an dem Signal des anderen Zuges orientiert. Sein Stoppzeichen missachtete er. Zwar kam es automatisch zu einer Zwangsbremsung. Doch der Lokführer löste diese, fuhr einfach weiter und ignorierte noch zwei weitere Haltesignale. Beim Prozessauftakt schwieg der 62-Jährige zunächst zu den Vorwürfen. Zuvor hatte er aber bereits Fehler eingeräumt.

Als der Fahrdienstleiter in Mannheim die gefährliche Situation vor dem Zusammenstoß erkannt hatte, konnte er laut einem Bundespolizisten nur noch rufen: „Um Gottes willen, halt an!“ Der Beamte des Eisenbahn-Bundesamtes hält es für möglich, dass der angeklagte Lokführer das Signal zur freien Fahrt, das dem entgegenkommenden Zug galt, als sein eigenes gewertet habe. Das Verhalten des Lokführers in Mannheim gebe es hin und wieder, sagt er: „Es sind wenige Fälle, aber sie kommen vor.“

( dpa )

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos