Seismologie

Bei Vollmond ist Risiko von schweren Erdbeben größer

Viele Menschen können bei Vollmond schlechter schlafen. Eine Studie belegt nun offenbar, dass auch die Erde selbst dann unruhiger ist.

Rund 380.000 Kilometer sind es vom Mond bis zur Erde – Einfluss auf Erdbeben auf unserem Planeten kann der Erdtrabant offenbar dennoch haben.

Rund 380.000 Kilometer sind es vom Mond bis zur Erde – Einfluss auf Erdbeben auf unserem Planeten kann der Erdtrabant offenbar dennoch haben.

Foto: Nasa

Tokio.  Die Erde ist 81 Mal schwerer als der Mond – das entspricht dem Verhältnis eines Kleinwagens zu einem Fahrrad. Dazu ist der Mond noch zwischen 360.000 und 400.000 Kilometer entfernt, etwa zwölfmal die Strecke Berlin – Sydney und zurück. Und dennoch hat der Mond Auswirkungen auf Beben auf der Erde. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in „Nature Geoscience“ (Bezahlinhalt), über die das Magazin „Nature“ berichtet.

Bei Vollmond und Neumond ist die Gefahr schwerer Beben höher, schreiben die Wissenschaftler der Universität Tokio nach der Analyse von mehr als 10.000 größeren Erdbeben.

Höhere Tide bei Voll- und Neumond

Seit Jahrtausenden bekannt ist die Wirkung des Mondes auf die Gezeiten: Durch das Zusammenspiel der Schwerkraft des Mondes – und mit etwa halb so viel Effekt auch der Sonne – und der Zentrifugalkräfte der Erde entstehen Ebbe und Flut. Sogar die Erdkruste wird verformt: Mitteleuropa hebt und senkt sich mit den Gezeiten um bis zu einen halben Meter.

Bei Vollmond und Neumond ist der Gezeitenunterschied am größten, dann treten Springfluten auf. Mond und Sonne stehen dann mit der Erde auf einer Achse, das verstärkt den Effekt. Und dann ist die Gefahr heftiger Beben auch besonders hoch, wie die Forscher schreiben. Bei 11.397 Erdbeben haben die Experten untersucht, wann innerhalb des Zyklusses sie sich ereigneten, der zwischen Vollmond und Neumond liegt.

Und tatsächlich fanden sie heraus, dass um Voll- und Neumond herum der Anteil starker Beben höher liegt. Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Bebens steigt demnach, wenn der Gezeitenunterschied besonders groß ist.

Kleine Ursache, große Wirkung?

Die vergleichsweise kleine zusätzliche Belastung durch die etwas höheren Kräfte bei Voll- und Neumond könne der entscheidende Faktor sein, der an einer Erdbebenzone zum Aufreißen führt, kommentierte Seismologe Honn Kao. Sechsfach höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Riss dann ein Beben der Stärke 8 auslöse statt eines schwächeren Bebens. Der US-Seismologe John Vidale, der die Studie analysiert hat, hält die Ergebnisse für plausibel, wie er „Nature“ sagte.

Vorkehrungen lassen sich aber anhand der Mondphasen nicht treffen, so Satoshi Ide, Professor der Universität Tokio. Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Erdbebens an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit sei immer noch sehr gering, auch wenn sie durch die Mondphasen leicht erhöht ist. „Zu klein, um irgendwelche Maßnahmen deshalb zu treffen.“

In Deutschland hatten zuerst Juskis-Erdbebennews über die Studie berichtet.