Tourismus

Historischer Besucher-Rekord: So voll war Mallorca noch nie

Der mallorquinische Tourismusminister befürchtet nach der Rekordzahl an Gästen einen Kollaps. Erste Orte denken über Besucherquoten nach.

Sonne, Meer und volle Strände – wie hier in Arenal auf Mallorca.

Sonne, Meer und volle Strände – wie hier in Arenal auf Mallorca.

Foto: REUTERS / STRINGER/SPAIN / REUTERS

Palma de Mallorca.  Neuer Rekord: Noch nie kamen in einem Monat so viele Touristen nach Mallorca wie im Juli dieses Jahres. 1,84 Millionen Besucher zählte das balearische Statistikinstitut, wie die „Mallorca Zeitung“ berichtet. Im Vergleich zum Juli 2015 kamen 151.000 Gäste mehr, ein Plus von 9,5 Prozent. Ganz Spanien erlebt in diesem Sommer eine Rekordsaison.

Das liegt unter anderem daran, dass die Türkei wegen Bedenken um die Sicherheit und wegen der innenpolitischen Spannungen deutlich schlechter gebucht wird. Bis Ende des Jahres werden auf Mallorca elf Millionen Touristen erwartet – ein historischer Rekord.

Dauerstau auf dem Weg zum Strand

Wer in den letzten Sommerwochen einen Platz an einem der Traumstrände Mallorcas haben wollte, musste früh aufstehen. Denn am Vormittag waren die Zufahrten und Parkplätze schon verstopft. Zum Beispiel an der paradiesischen Playa Es Trenc, ein Naturstrand mit Dünen und weißem Sand, an der Südküste der Urlaubsinsel. Angesichts des Dauerstaus auf dem Weg zum Strand ging es nur noch per Shuttlebus zum Ziel.

Auch in diesen Septembertagen, in denen auf Mallorca immer noch angenehme Badetemperaturen angesagt sind, ist keine Entspannung an der Touristenfront in Sicht. Gut 40 Prozent der Mallorcaurlauber kommen aus dem deutschsprachigen Raum.

Hotelkapazitäten deckeln und Mietwagenflotte begrenzen

Doch der Jubel über den Boom hält sich in Grenzen. Urlauber wie Insulaner stöhnen über nervende Mietwagenstaus in der Inselhauptstadt Palma und in romantischen Bergorten im Hinterland wie Valldemossa oder Deià. An den Stränden liegen die Menschen wie Sardinen nebeneinander und berühren, wenn sie den Arm ausstrecken, das Handtuch des Nachbarn. In vielen Inselrestaurants bekommt in diesen Tagen nur einen Tisch, wer Schlange steht oder reserviert hat.

Sogar der regionale Tourismusminister Biel Barceló, der sich eigentlich über den Ansturm freuen müsste, warnt: „Im Sommer passen nicht mehr Urlauber auf die Insel.“ Er schlägt vor, den Strom dadurch zu steuern, dass die Hotelkapazität gedeckelt und die wildwuchernde private Quartiervermietung reguliert wird. Zudem will er die Nebensaison attraktiver machen. Auch wird über eine Beschränkung der Mietwagenflotte nachgedacht, die inzwischen auf 60.000 Wagen angewachsen ist. „Wir können nicht danach streben, im Sommer immer mehr zu wachsen“, sagt Barceló. „Das könnte uns zum Kollaps bringen.“

Umweltverband will Notbremse ziehen

Einige Inselgemeinden überlegen inzwischen, den Zugang zu Badestellen, Naturparks und Wandergebieten durch Besucherquoten zu regeln, um die Ressourcen zu schützen. Auch Hunderte von Yachten, die in den Buchten ankern und die Wasserseite abriegeln, sorgen für Ärger.

Für den mallorquinischen Umweltverband GOB ist es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen: „Wir sind am Limit“, sagen die Naturschützer. „Die Infrastruktur Mallorcas ist überlastet.“ Sie erinnern daran, dass das Trinkwasser auf der Insel knapp wird, die Kläranlagen immer wieder überlaufen und Fäkalien ungeklärt ins Meer fließen. Und nicht nur in der Altstadt Palmas, die sich in einen lärmenden Vergnügungspark verwandelt habe, gebe es „Probleme des Zusammenlebens“ zwischen Bewohnern und den Touristenmassen.

Protest der Anwohner mit schwarzen Fahnen

Im Ferien-Partyviertel an der Playa de Palma, haben Anwohner schwarze Fahnen an Fenstern und Balkonen gehisst: Aus Protest gegen jene ungesitteten Partytouristen, die sie nicht schlafen lassen und vor ihren Haustüren Müll oder Erbrochenes zurücklassen. Die Stimmung auf der berühmtesten Urlaubsinsel Europas droht laut Mallorca-Medien zu kippen: Fast 90 Prozent antworteten in einer Umfrage mit „Ja“ auf die Frage: „Glaubst Du, dass Mallorca durch den Tourismus überlastet ist?“

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