Freiheitsberaubung

Verurteilter Realschullehrer will in Berufung gehen

Ein Musiklehrer aus NRW ließ seine Schüler nicht aus dem Klassenzimmer und wurde deshalb verurteilt. Jetzt will er in Berufung gehen.

Musiklehrer Phillip P. will das Urteil wegen Freiheitsberaubung nicht akzeptieren.

Musiklehrer Phillip P. will das Urteil wegen Freiheitsberaubung nicht akzeptieren.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Neuss.  Weil er mehrere Schüler im Klassenraum festgehalten haben soll, wurde ein Lehrer einer Realschule in Kaarst schuldig gesprochen. Jetzt hat sein Anwalt angekündigt, dass der Lehrer für Musik in Berufung gehen will. Sein Mandant werde die Verurteilung nicht akzeptieren, kündigte Anwalt Andreas Vorster aus Duisburg am Montag an.

Zum Ende einer Schulstunde hatte sich der Pädagoge mit seinem Stuhl quer vor die Klassentür gesetzt, eine Gitarre auf dem Schoß. Wer raus wollte, musste einen abgeschriebenen Wikipedia-Eintrag vorzeigen. „Alle wollten schnellstmöglich abgeben, damit sie nach Hause gehen konnten“, berichtet Schüler J. im Zeugenstand. Doch mehrere Schüler durften zunächst nicht gehen – und Schüler J. wurde recht unsanft zurückgeschoben. Da rief ein anderer per Handy die Polizei. In der Klasse würden Schüler festgehalten und geschlagen.

Lehrergewerkschaft kritisiert Urteil

Das Amtsgericht Neuss hatte den Lehrer wegen Freiheitsberaubung in der vergangenen Woche schuldig gesprochen – beließ es aber bei einer Verwarnung mit Strafvorbehalt. Der 50-Jährige müsse eine Fortbildung zum Umgang mit undisziplinierten Schülern absolvieren, andernfalls müsse er 1000 Euro Geldstrafe zahlen. Das Urteil hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Lehrergewerkschaft GEW hatte es als bedenklich bezeichnet. (bekö/dpa)