Tötung

Betonklotz auf Auto – Noch keine Spur nach Tod einer Frau

| Lesedauer: 4 Minuten
André Anwar
Ein dänisches Polizeiauto in Kopenhagen. Die Ermittler in Dänemark haben im Fall der von einem Betonklotz getöteten Deutschen immer noch keine heiße Spur.

Ein dänisches Polizeiauto in Kopenhagen. Die Ermittler in Dänemark haben im Fall der von einem Betonklotz getöteten Deutschen immer noch keine heiße Spur.

Foto: imago stock&people / imago/Dean Pictures

Eine Deutsche wird auf einer dänischen Autobahn von einem Betonklotz erschlagen. Nun gibt es viele Hinweise, aber keine heiße Spur.

Odense.  Wer wird der Nächste sein? Mit großem Unbehagen fuhren dänische Pendler am Montagmorgen über die E20 bei Odense zur Arbeit. Am Morgen zuvor hatte jemand gezielt vier schwere Betonklötze von einer der zahlreichen Autobahnüberführungen auf schnell fahrende Autos geworfen. Einige Fahrer kamen mit dem Schrecken davon.

Eine 33-jährigen Deutschen aus Recklinghausen kostete der Hinterhalt im Sommerurlaub jedoch das Leben. Die junge Mutter fuhr am frühen Sonntagmorgen mit ihrem fünfjährigen Sohn und ihrem Mann auf der E20 auf der Insel Fünen Richtung Heimat.

Zustand des Vaters ist noch kritisch

Plötzlich krachte ein 30 Kilo schwerer Betonklotz durch die Windschutzscheibe und warf den PKW aus seiner Fahrbahn. Die Mutter saß auf dem Rücksitz hinter dem fahrenden Vater mit ihrem Sohn und starb vor dessen Augen. Der Fünfjährige kam leicht verletzt davon. Der 36-jährige Vater wurde schwer verletzt. „Der Kleine wurde inzwischen von deutschen Verwandten abgeholt. Der Vater wird wahrscheinlich überleben, aber sein Zustand ist noch kritisch“, sagt Charlotte Nyborg von der Polizei in Fünen am Montag unserer Redaktion. „Wir fahnden nun unter der Rubrik Mord. Wer so große Steine auf Autos wirft, hat das Ableben der Insassen zum Ziel“, sagt Nyborg. Meldungen aus deutschen Medien, die Täter hätten es angeblich gezielt auf Autos mit deutschen Nummernschildern abgesehen, dementiert Nyborg entschieden.

Allerdings könnte es sich um Serientäter handeln. Denn es war nicht der erste Vorfall an der E20 bei Odense. Bereits am 31. Januar hatte jemand von der gleichen Brücke große Steine auf Autos geworfen und eine Familie im PKW getroffen, so Nyborg. Alle überlebten damals, die Mutter erlitt aber einen Hirnschaden.

Auto mit Baumstamm beworfen

Zudem melden sich seit Sonntag immer mehr andere Autofahrer, die erst kürzlich Ähnliches erbebt haben wollen. So schreibt die Lokalzeitung „Fyens“, dass auch am Samstag ein Autofahrer von einem 30 Kilo schweren Stein getroffen wurde. Im jütländischen Silkeborg sollen in der Nacht zum Montag mehrere Steine von einer Brücke auf eine neue, noch gesperrte Autobahn geworfen worden sein. Ein Wachmann meldete den Vorfall der Polizei. Er will eine Gruppe Jugendlicher dabei beobachtet haben, wie sie die Steine mit acht bis zehn Kilo Gewicht auf die Straße schmissen.

Auch das Auto des Helikoptermechanikers Kenneth Faaborg Schrøder wurde erst in der Nacht zum Donnerstag um 0.20 Uhr von einer unweit des Tatorts liegenden Autobahnbrücke der E20 mit einem zwei Meter langen Baumstamm beworfen. Er fuhr 110 Stundenkilometer, kam aber mit dem Schrecken davon. „Ich saß da und hörte mein Hörbuch und fühle mich aufgeräumt. Genau, als ich unter der Brücke durchfahren will, kommt ein langer brauner Gegenstand auf mich zu “, sagte er der Zeitung „Ekstra Bladet“ am Montag. Zwischen den Vorfällen könne ein Zusammenhang bestehen, heißt es von der Polizei.

Polizei erhielt viele Tipps

Augenzeugen gab es leider nicht. Spürhunde suchten Übergangsbrücke und Umgebung ab. Die Steine wurden auf DNA untersucht. Weil sie schwer waren, geht die Polizei davon aus, dass es sich nicht um einen bösen Kinderstreich gehandelt haben kann. „Das ist das Schlimmste. Zu wissen, dass es nicht nur dumme Kinder gewesen sind, denen nicht klar war, was sie taten. Dazu sind die Gegenstände zu groß“, sagt auch Faaborg Schrøder.

„Wir haben allerdings die Steine in den Medien veröffentlicht. Eine Firma meldete sich und sagte, dass dies eindeutig ihre Steine sind. Die werden zum Bau von Schallschutzmauern genutzt“, erläutert Nyborg den Stand der Ermittlungen. Nun versucht die Polizei von Fünen, systematisch den Ort zu ermitteln, an dem die Steine entwendet wurden. Falls da jemand etwas beobachtet hat, könnte den Täter vielleicht ermitteln. Die Polizei habe viele Tipps aus der Bevölkerung erhalten, so Nyborg – „doch leider noch nichts, was zum Fahndungs-Durchbruch führen könnte.“ (mit dpa)

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