Ferien

US-Forscher warnen vor Paar-Urlaub als Ehe-Killer

Gemeinsame Ferien können Paaren ganz schön zusetzen. In den USA steigt die Scheidungsrate nach der Urlaubszeit. Und bei uns?

Zu hohe Erwartungen an die Sommerferien? In den USA reichen besonders viele Paare die Scheidung nach dem Urlaub ein.

Zu hohe Erwartungen an die Sommerferien? In den USA reichen besonders viele Paare die Scheidung nach dem Urlaub ein.

Foto: imago stock&people / imago/avanti

Seattle.  US-Ehepaare trennen sich häufig nach den Sommer- und Winterferien. Soziologen der University of Washington in Seattle haben im Rahmen einer großen Fachtagung berichtet, dass besonders viele Paare in den USA ihre Scheidungsklagen im März und August einreichen. Der Grund: Sommer- und Winterferien seien emotional besonders aufgeladen und stressig, so die Ansicht der Forscher um Julie Brines.

Viele Menschen hätten hohe Erwartungen an die Weihnachtszeit oder die langen Sommerferien im Kreis ihrer Lieben. Paare mit Problemen hoffen, dass diese Zeit ihre Beziehung rettet. Stattdessen ist oft das Gegenteil der Fall. In den USA werden zwischen 40 und 50 Prozent der Ehen geschieden. 2014 lag die Quote bei 3,2 von 1000 Einwohnern.

Monatliche Statistiken fehlen in Deutschland

In Deutschland ist die Scheidungsrate in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls auf etwa 45 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt geht eine Ehe nach knapp 15 Jahren auseinander. Doch saisonale Scheidungs-Hochs lassen sich nicht mit Zahlen bestätigen: Scheidungen werden nur pro Jahr, aber nicht pro Monat statistisch erfasst.

Fachjuristen wie die langjährige Berliner Familienanwältin und Hochschuldozentin Anette Grüning (FU Berlin) können saisonale Effekte nicht feststellen. „Wir haben über das gesamte Jahr verteilt mit Scheidungen zu tun.“ Ihrer Erfahrung nach sei auch meist nicht ein Urlaub ausschlaggebend für die Trennung, so Grüning. Eher könne es der Fall sein, dass Eltern ihren Kindern noch einen Familienurlaub „schenken“ wollten, bevor das schmerzhafte Trennungsprozedere beginne.

Besonders kritisch: Erster Urlaub ohne Kinder

Der Psychologe Philipp Herzberg von der Universität der Bundeswehr in Hamburg ist von den US-Befunden jedoch nicht überrascht: „Ein Urlaub und auch Weihnachten bedeutet für viele Paare großen Stress.“ Unterschiedliche Erwartungen würden oft nicht genügend besprochen und prallten aufeinander, manchmal würden faule Kompromisse eingegangen.

„Besonders kritisch sind die ersten Urlaube wieder allein als Paar, wenn die herangewachsenen Kinder nicht mehr mitfahren“, berichtet der Psychologe. Eine beliebte Aufgabe in der Paartherapie sei es, die Klienten einen gemeinsamen Urlaub planen zu lassen. „Oft fliegen da nach einer Viertelstunde die Fetzen – obwohl der Therapeut direkt daneben sitzt.“ (dpa)