Bertelsmann-Stiftung

Soziale Ungleichheit nimmt in den Industriestaaten zu

Die Schere zwischen Arm und Reich in den westlichen Ländern öffnet sich weiter. Besonders schlimm ist die Situation im Süden Europas.

Ein Bettler mit seinem Kind in den Straßen von Athen: Griechenland gehört zu den Ländern, in denen die soziale Ungleichheit besonders ausgeprägt ist.

Ein Bettler mit seinem Kind in den Straßen von Athen: Griechenland gehört zu den Ländern, in denen die soziale Ungleichheit besonders ausgeprägt ist.

Foto: Orestis Panagiotou / dpa

Gütersloh.  In den Industriestaaten wächst einer aktuellen Studie zufolge die soziale Ungleichheit. Die Probleme hätten sich in den vergangenen zwei Jahren „teils dramatisch zugespitzt“, erklärte die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag zu einer Studie über die Zukunftsfähigkeit der 41 Industrienationen in der OECD und der Europäischen Union (EU).

Am besten sieht es demnach noch in den skandinavischen Ländern aus, angeführt von Schweden. Es folgen Schweiz und Deutschland. Doch selbst die Position der nordeuropäischen Staaten beginne zu wackeln, hieß es. Norwegens Wirtschaft leide unter fallenden Ölpreisen. Schweden sei durch den Flüchtlingszustrom an die Grenzen seiner Aufnahmekapazitäten angelangt und die Jugendarbeitslosigkeit sei hoch. Ebenso wie in Dänemark sei die dort Einkommensungleichheit deutlich gestiegen, heißt es.

Große Probleme in Griechenland und Spanien

Wesentlich größere Probleme noch sehen die Verfasser der Bertelsmann-Studie in den südlichen Staaten der Euro-Zone. Die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise und jahrelanger Sparpolitik seien hier „noch immer immens“. So lägen Langzeitarbeitslosigkeit und Kinderarmut deutlich im zweistelligen Bereich. In Spanien sei die Armut unter Kindern noch gestiegen – auf 23 Prozent, auch in Griechenland sei jedes fünfte Kind betroffen. In beiden Ländern sei zudem fast die Hälfte der Jugendlichen erwerbslos.

Kritisch bewertet die Untersuchung die Fähigkeit der Industrieländer, die anstehenden Probleme zu lösen. In der EU seien die Fronten angesichts der größten Flüchtlingsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg verhärtet: „Das europäische Integrationsprojekt droht zu scheitern.“ In vielen Staaten der EU und der OECD sei „nationalistischer Populismus“ auf dem Vormarsch. Diese Bewegungen stellten „nationale Partikularinteressen über das Ziel gemeinsamer internationaler Problemlösungen“, erklärten die Autoren der Studie. Auch außerhalb Europas sei dieser Trend erkennbar, heißt es unter Verweis auf den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump.

An der Studie zur Zukunftsfähigkeit der OECD- und EU-Staaten haben laut Bertelsmann-Stiftung mehr als 100 internationale Experten mitgewirkt. Auf der Basis von 140 Indikatoren wird den Angaben zufolge „ein umfassendes Stärken- und Schwächenprofil“ der Staaten gezeichnet. (epd)

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